Evangelische Gemeinden: Wer spielt die Orgel, wer leitet den Chor?

Von: Karl Stüber
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Zwei der Zentren für das evangelische Gemeindeleben: Die Kirche an der Jülicher Straße in Broichweiden (l.) und die Paul-Gerhardt-Kirche in Ofden, deren Innenraum jetzt teilweise zur Nutzung durch den angrenzenden Kindergarten umgebaut wird. Fotos (3): Karl Stüber Foto: Karl Stüber

Nordkreis. Ja, es wird auch gesungen, wenn gut 50 gewählte Vertreter der sieben evangelischen Gemeinden im Nordkreis am Samstag in Setterich zum Presbytertag zusammen kommen. Im evangelischen Gemeindezentrum geht es schließlich um „Kirchenmusik als Gestaltung des geistlichen Lebens“.

Jens-Peter Enk wird zu diesem Thema referieren. Der Mann hat vor einem Jahr die Arbeitsstelle Kirchenmusik im Theologischen Zentrum der Evangelischen Kirche im Rheinland in Wuppertal übernommen. Der Kirchenmusiker befasst sich intensiv mit kirchenmusikalischer Arbeit und Fortbildung. Und er weiß, wovon er spricht. Schon als Siebenjähriger hat er das Klavierspielen erlernt, mit elf Jahren die Orgel für sich entdeckt und später an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover sowie an der Hochschule für Künste in Bremen studiert.

Erster Ansprechpartner sollten immer die Lehrer sein. Darüber hinaus sind aber in kritischen Fällen auch die Beratungsstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche und die Schulpsychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche erreichbar. Dr. Marie-Luise Maschmeier und Elke Wittneben arbeiten an der Steinstraße, wo eben diese beiden Beratungsstellen ihren Sitz haben. Die beiden kennen die Probleme, die bei schlechten Noten auftreten können.

Die Untertitel seines Referatsthemas zeigt jedoch, dass bei der Zusammenkunft nicht nur dem Gesang gefrönt, sondern auch kräftig gearbeitet wird: „Wie gestalten wir die Zukunft der Kirchenmusik mit den Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen?“ Heißt, auch die evangelische Kirche und deren Akteure müssen sich nach der Decke strecken. Sie müssen mit weniger Geld auskommen. Wie kann da Gemeindeleben noch organisiert werden? Was ist unverzichtbar, was kann durch Kooperationen und durch Vermeiden von Kirchtumsdenken gerettet werden. Wer kann noch zu welchen Konditionen die Orgel bedienen, um die Gottesdienste zu begleiten?

Bei Planung und Organisation des Presbytertages hat sich die sogenannte Steuerungsgruppe viel Mühe gemacht und engagierte Gemeindemitglieder der Pfarren im Nordkreis einbezogen. Der Würselener Pfarrer Harry Haller, seine Broichweidener Kollegin Dorothea-Elisabeth Alders und die Merksteiner Preybyterin Marianne Helbig, die dem Kreissynodalvorstand angehört, berichten im Gemeindezentrum an der Jülicher Straße von den Vorabreiten.

Vier Arbeitsgruppen werden sich in Setterich mit Sachfragen befassen: Kinderchorarbeit, Chorarbeit generell und über Gemeindegrenzen hinweg, Einwerben von Organistennachwuchs sowie Einüben neuer und alter Lieder nebst Gottesdienstorganisation.

Um hierfür überhaupt die Grundlagen zu schaffen, wurden Fragebögen erarbeitet und an die teilnehmenden Gemeinden ausgegeben, um aktuellen Umfang, Personal und Ausrüstung in Sachen Kirchenmusik in Erfahrung zu bringen. Pfarrerin Alders verweis als Beispiel auf die eigene Auswertung. Aktivitäten und Veranstaltungen sind aufgelistet, Singtreffen mit Zielgruppen. Die zur Verfügung stehenden Instrumente – je eine Orgel in den Kirchen von Broichweiden und der im „Schwesterort“ Mariadorf, Klavier, Gitarren und dergleichen – sind erfasst. Das gilt auch für Fortbildungsmaßnahmen, Liedsammlungen und Kooperationen. Ganz wichtige sind die Mitarbeitenden und Mitarbeiter, Kontakte und bereits bestehende Kooperationen – und natürlich Wünsche und Anregungen. Da geht es zum Beispiel um gemeinsame Projekte für die Kirchenchöre.

Es gibt aber noch weitaus mehr Baustellen. Pfarrer Haller nennt als Beispiel die Jugendarbeit. Die gehörte zu den Schwerpunktthemen des ersten Presbytertags im Jahre 2011. Da seien die Gemeinden unterschiedlich aufgestellt. Auch hier stehe und falle die Arbeit mit Ehrenamtlern.

Wie steht es angesichts der klammen Haushaltslage in den Gemeinden mit Kirchenschließungen im Nordkreis? Pfarrer Haller ist damit sehr vorsichtig: „Kirchen haben für die Menschen eine hohe biografische Relevanz. Kirchen sind Symbole. Damit verbunden sind Taufe, Konfirmation, Heirat.“

Nachvollziehen kann Haller, dass die „Kollegen“ in Alsdorf angesichts des deutlichen Mitgliederrückgangs und mehrerer Standorte unter weitaus größerem Zugzwang als andere Gemeinden im Nordkreis stehen. Dort soll der für Gottesdienste genutzte Raum in der Ofdener Paul-Gerhardt-Kirche zugunsten der Erweiterung des nahen Kindergartens verkleinert werden.

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