Evangelische Gemeinde steht vor schmerzlichen Einschnitten

Von: Karl Stüber
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Es heißt Abschied nehmen: Die Paul-Gerhardt-Kirche in Ofden wird zwar nicht abgerissen, wie Pfarrer Ulrich Eichenberg sagt. Aber das Gotteshaus wird am in einem Gottesdienst am 28. Dezember entwidmet und dann für die U3-Betreuung umgebaut. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Sicherlich werden Tränen fließen, so mancher Alsdorfer zumindest traurig oder nachdenklich sein, wenn die evangelische Gemeinde Alsdorf die Paul-Gerhardt-Kirche in Ofden und die Immanuel-Kirche in Busch in zwei Gottesdiensten am 28. Dezember entwidmet. Die Gebäude werden dann nicht mehr Gotteshäuser sein, die sie seit Jahrzehnten waren.

„Von unseren Kirchen wollen wir uns in würdiger Weise verabschieden“, hat hierzu Ulrich Eichenberg, Vorsitzender des Presbyteriums, angemerkt. Als Pfarrer in Busch weiß Eichenberg um die Bedeutung der Kirchen als Treffpunkte der Gemeinde. „Dass wir Gottesdienststätten schließen werden, ist ein schmerzlicher Einschnitt in der Geschichte unserer Kirchengemeinde.“

Teilnehmer der Gottesdienste werden nach dem Abschiednehmen das Altargerät nehmen und gemeinsam in Wagen zur Martin-Luther-Kirche nach Alsdorf-Mitte fahren. Dort wird an dem Tag um 17 Uhr ein Gottesdienst begonnen haben, in dem die Gemeindemitglieder aus Busch und Ofden mit ihren Mitbringseln einziehen.

Sie werden die Altargeräte „auf dem Tisch des Herrn“ absetzen und den Gottesdienst in der nun für alle noch übrig gebliebenen Kirch beenden, heißt es in der Ankündigung des aktuellen Gemeindebriefs. Raum für Gespräche soll es dann geben.

Defizit zwingt zum Handeln

Dieser gravierende Einschnitt in das Gemeindeleben ist für die Verantwortlichen zugleich unausweichlich, wie Pfarrer Eichenberg mit Blick auf die schwindende Zahl der Gemeindemitglieder und die damit verbundene schwierige finanzielle Lage sagt. Zählte die Gemeinde in den 1960er Jahren über 8000 Mitglieder, sind es nun nur noch 3850. Dafür reiche die Martin-Luther-Kirche als Gottesdienststätte bestimmt aus, sagt Eichenberg. Allein mit Schließung der Kirchen in Busch und Ofden könne das jährliche Defizit von über 150.000 Euro um die Hälfte gesenkt werden.

Und was geschieht mit den entwidmeten Kirchen? Das Schicksal der Buscher Kirche ist noch offen. Vielleicht interessiert sich eine Freikirche für den sakralen Bau, hofft Eichenberg. Dagegen ist klar, was mit der Ofdener Kirche geschieht. „Quicklebendiges“ wird dort Einzug halten: Schützlinge des Kindergartens in unmittelbarer Nachbarschaft sein. Per „Indoor“-Prinzip wird hierfür in die Paul-Gerhardt-Kirche ein Modul eingezogen, das aber das Kirchenschiff nicht vollständig füllt. Die Zwischendecke wird begehbar, aber nicht nutzbar sein, sagt Eichenberg.

Landesmittel sollen für das Projekt fließen. Es geht um gut 200.000 Euro. Der Trägerverein des Kindergartens (EVA) soll 100.000 Euro beitragen. Weiteres Geld will die evangelische Gemeinde Alsdorf durch Vermarktung der Grundstücke von Pfarrerwohnung und Pfarrheim erwirtschaften. Insgesamt dürfte es um eine Investition von rund 560.000 Euro gehen. „Der Kirchturm bleibt erhalten“, tritt Eichenberg anders lautenden Befürchtungen entgegen.

Und was geschieht mir den Nutzern des Ofdener Gemeindezentrums? Die werden im Bereich der Luther-Kirche in Alsdorf-Mitte eine neue Heimat finden, sagt der Pfarrer. Die Frauenhilfe findet im kleinen Saal der „katholischen Kollegen“ in der Christ-König-Kirche Unterkunft. Denkbar ist laut Eichenberg die Einrichtung eines Fahrdienstes für Gottesdienste oder andere Veranstaltungen.

Die ortsnahe Nutzung von Einrichtungen der „katholischen Kollegen“ ist für den Pfarrer keineswegs ein Tabu. „Wir pflegen ein sehr gutes ökumenisches Miteinander“, betont er. Eichenberg wisse, dass die katholische Seite dafür offen sei: „Die würden uns mit offenen Armen empfangen.“ Die Umstrukturierung der Evangelischen Gemeinde ist aber nur ein Aspekt der Veränderungsprozesse in Ofden.

Weitere Aspekte sind unter anderem der Umzug von Gymnasium, Realschule und Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VabW), Verkehrsführung, Parkplätze, Erhalt und Verbesserung der Grünflächen, sozialer Zusammenhalt, Nahversorgung und Neubaugebiete. Unter dem Titel „Mein Ofden“ haben deshalb Aktionsgemeinschaft und unsere Zeitung das 11. Alsdorfer Stadtgespräch in Kooperation mit der Stadtverwaltung organisiert, das am Mittwoch, 11. Dezember, um 19.30 Uhr in der Festhalle Ofden beginnt.

Was halten Sie, liebe Leser, von den anstehenden Veränderungen in Ofden? Was finden sie gut, was finden sie schlecht? Was sollte anders laufen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung unter www.lesermeinung.de.

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