Europaschüler debattieren EU-Beitritt der Türkei

Von: mabie
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Sich den Fragen der EU-Kommission zu stellen, war auch für die Teilnehmer des Planspiels nicht immer einfach. Foto: Bienwald

Herzogenrath. Die Türkei ist in der EU angekommen, aber wegen einiger offener Diskussionspunkte muss seitens des Parlamentes ein Beitritt zur Europäischen Union noch abgelehnt werden. So war es auch das Ergebnis eines Planspiels zum Thema Türkei-Beitritt, das an der Europaschule in Herzogenrath stattfand.

In der Europawoche der Schule haben dazu das Europe Direct Informationsbüro Aachen und die Stadt Herzogenrath als Schulträger ein interessantes Planspiel entwickelt, das in mehreren Phasen und Arbeitsgruppen aufgebaut war. Am Ende stand das Plenum, mit vielen Diskussionsbeiträgen. Doch letztere wollten zunächst einmal entwickelt und formuliert werden.

„Wir haben per Losverfahren Gruppen gebildet, die neben den türkischen Vertretern jeweils auch Gruppen mit der EU-Kommission, dem EU-Parlament und dem EU-Rat bildeten“, erzählt Sozialwirtschaftslehrerin Dr. Silke Dormeier. Mit ihren Fachkollegen organisierte sie das Planspiel, bei dem vor allem Schüler der Jahrgangsstufe elf teilnahmen. „Wir sind im Rahmen des Lehrplans angehalten, die EU zu thematisieren“, so Dormeier weiter, „da ist ein Planspiel eine sehr interessante Form des Unterrichts“. Argumentieren lernen und Meinungen vertreten sind nach ihrer Ansicht Schlüsselqualifikationen, die Schüler hier bestens trainieren können.

Dazu haben sich die 62 Eleven der Gesamtschule mit den Problemen der Türkei und ihren seit 1987 dauernden Beitrittsbemühungen zur EU eingehend beschäftigt. Und die sind sehr vielschichtig, wie in der interessanten, kontroversen und von Nachfragen durchsetzten Diskussion klar wird. Da wird nach Reformen gefragt, nach der Gleichstellung der Frauen, nach offenen Grenzen, der PKK-Problematik oder den drei Militärputschen, die in der Türkei aber immer wieder gescheitert sind. Die Schüler, die für die Türkei im Kreuzfeuer der Fragen sitzen, geben gekonnt zurück, zeigten, dass sie ihre Meinung vertreten können. Da wurde vor allem die ausgezeichnete Wirtschaftsleistung des Landes hervorgehoben, der hohe Bildungsstand mit beinahe durchgehend bilingualem Unterrichtsangebot, da wurden der Schutz von Minderheiten und die Agrarpolitik diskutiert.

Doch bei kritischen Nachfragen, wie es zum Beispiel um den Konflikt mit Zypern steht oder wie die Stellung der Regierung gegenüber Armenien ist, kamen die Argumente etwas ins Schlingern. „Eine realistische Prognose, ob und wann die Türkei ein Mitglied der EU wird, ist nicht zu treffen“, fasste Ralf Hell vom das Europe Direct Informationsbüro Aachen zusammen. Nachdem die Schüler ausgezeichnet durch die Diskussionsrunden geführt hatten, kam dem erfahrenen Moderator die Aufgabe zu, das Gehörte zusammenzufassen. Dabei musste der eigens auf dem Podium des Forums aufgestellte Tisch zur Unterzeichnung der Beitrittserklärung leer bleiben. Doch auch ohne getrocknete Tinte unter dem Vertrag machte dieses Planspiel den Schülern mehr als nur Spaß. Sie fanden die lockere Atmosphäre im Umgang mit dem Thema EU sehr ansprechend, wünschten sich zwar mehr Zeit.

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