Herzogenrath/Kerkrade - „Eurode-Cup“: Zwei Fußballverrückte schaffen Gutes

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„Eurode-Cup“: Zwei Fußballverrückte schaffen Gutes

Von: mabie
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Zwei im positivsten Sinne „Fußballverrückte“ und ihr gemeinsames, grenzüberschreitendes „Kind“, der Eurode-Cup, der von Ralf Klohr (l.) und John Heckman aus der Taufe gehoben wurde. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath/Kerkrade. Wenn sich jemand einmal gefragt haben sollte, warum das Lied „Fußball ist unser Leben“ heißt, sollte er sich mit Ralf Klohr und John Heckman treffen. Schon fünf oder zehn Minuten mit diesen beiden – im positivsten Sinne – „Fußballverrückten“ kann selbst in Jahrzehnten gewachsene Vorstellungen des Mannschaftssports in ein anderes Licht rücken.

Denn die beiden sind die Erfinder, die Macher und die Motoren von dem, was sich seit zehn Jahren schüchtern hinter dem Logo „Eurode-Cup“ verbirgt. Angefangen hat für Ralf Klohr vom SuS Herzogenrath alles mit der Öffnung der Neustraße, mit dem Abbau des kleinen Grenzmäuerchens.

„2003 bin ich spontan nach Haanrade gefahren, habe dort die Fußballplätze gesehen und einmal gefragt, ob man auch mit deutschen Mannschaften hier spielen könnte“, blickt Klohr zurück. Einer derjenigen, mit denen er damals sprach, war John Heckman vom RKTSV Terwinselen – und ein Match war schneller abgesprochen, als den Deutschen bewusst war.

„Wir kamen mit einer F-Jugend-Mannschaft, traten aber gegen E-Jugendliche an“, erinnert sich Klohr. Für die Deutschen wäre das ein Grund gewesen, gar nicht erst anzutreten, doch mit holländischem Organisationstalent wurde kurzerhand aus der unspielbaren Begegnung die erste Begegnung zwischen Holland und Deutschland, die mit gemischten Teams gegeneinander antrat.

„Einer meinte dann noch: ‚Hey, da pfeift ja keiner!‘, was die Kinder aber nicht störte“, so John Heckman. Die jungen Kicker brauchten keine Schiris, spielten einfach so um des Sports willen mit- und gegeneinander. Dieses eine Match darf getrost als die Geburtsstunde des Eurode-Cups gesehen werden. Und noch mehr, denn neben dem Event, der derzeit mehr als 1000 Fußballer aus Kerkrade, Herzogenrath und der Region in 100 Teams einbindet, kamen noch mehrere besondere Ideen zusammen.

„Wir wollten eigentlich nur grenzüberschreitend spielen, zeigen, dass an der Grenze der Fußball nicht aufhört“, so Heckman. Dazu kam der Fairplay-Gedanke, der sich mittlerweile über den Eurode-Cup hinaus in einer eigenen Liga manifestiert hat. „Schließlich geht es darum, nicht gegeneinander zu spielen, sondern miteinander den Sport und das Spiel zu genießen“, beschreibt Klohr die vielen Ideen, die sich im Schmelztiegel des Eurode-Cups vereinigen. So dürfen Zuschauer wie Trainer und Betreuer nur mit einem gewissen Abstand zum Spielgeschehen dabei sein.

„Das schafft nicht nur Distanz, sondern sorgt für Ruhe und lässt die Kinder spielen“, freut sich Ralf Klohr. Das Ergebnis sind Spielzüge, die unbehelligt von „Expertenmeinungen“ am Spielfeldrand bleiben und eine Spielkultur, die gerade bei den jüngeren Teams beeindruckend ist. Dass dies seit Jahren Usus ist, stellt mittlerweile einen echten Vorteil des Eurode-Cups dar. „Diejenigen, die das Prinzip schon kennen, erklären es den anderen, und so wird es normal, sich am Spielfeldrand zuschauend statt wild gestikulierend zu beteiligen“, beschreibt Heckman.

Dass aber das Gras auf dem Rasen in Terwinselen und Herzogenrath nicht immer nur grün sein kann, wissen die beiden Fußballfreunde auch. In Spitzenzeiten des Turniers, vor zwei, drei Jahren, kamen mehr als 1300 Spieler. „Manche davon hatten keine Verpflegung dabei, so entschieden wir uns, auch das in die Hand zu nehmen“, sagt Klohr. Mit Hilfe von Sponsorengeldern konnten die Essen oder auch Lunchpakete, die Spieler aller Mannschaften grenzüberschreitend zusammen genossen, immer auf die Beine gestellt werden.

„Der Austausch miteinander, die Kommunikation, das Reden miteinander ist es, was unser Turnier so stark macht“, ist Heckman sicher. Und die Tatsache, dass am letzten Juni-Wochenende sogar die Herzogenrather Stadtmeisterschaften der A-, B- und C-Jugendlichen auf dem Stadtgebiet von Kerkrade ausgetragen werden, dürfte noch so ein Punkt sein, der einmalig ist am Eurode-Cup. Vom Eurode-Team, das sich aus dem Ur-Team aus deutschen und niederländischen Fußball-Steppkes entwickelt hat, ganz zu schweigen.

„Ich habe mit einem der Spieler von damals gesprochen“, schließt Klohr, „der ist heute 20 und hat immer noch das erste T-Shirt des ersten Eurode-Teams.“ So zeigt sich, dass Fußball wirklich auch ein Leben reicher machen und am Ende vielleicht in Sachen Völkerverständigung ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein kann. Klohr und Heckman haben dafür ein Symbol entwickelt: Auf ihrem eigens entworfenen Wimpel ist neben dem Sinnspruch „Eurode leben – Fairplay doen“ auch das Motto „Samen für Eurode“ zu lesen. „Und jeder, der es bekommt, ist stolz darauf, ihm einen Ehrenplatz zu gönnen“, ist Klohr sicher.

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