Euregiobahn wartet auf Elektrifizierung

Von: Karl Stüber
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Wunsch, aber nicht Realität: Die Zielbeschreibung „Stolberg-Altstadt“ dieser Zugeinheit der Euregiobahn, die hier am derzeitigen Endpunkt Poststraße in Mariadorf hält, ist zu schön, um wahr zu sein. Der Ausbau stockt und hängt von der Finanzierung der Elektrifizierung ab. Foto: Karl Stüber
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Derzeitiges Ende der Ausbaustrecke bei Mariadorf: Hier sollen bald Bautrupps anrollen, um die Ertüchtigung voranzutreiben.

Nordkreis. Noch in diesem Quartal – also spätestens Ende September - beginnt der weitere Streckenausbau der Euregiobahn ab Alsdorf-Mariastraße in Richtung Stolberg. Das sagt Thomas Fürpeil, Geschäftsführer der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), auf Nachfrage unserer Zeitung. Eine gute Nachricht nach einigen Verzögerungen, um den Ringschluss bis zum Bahnhof Stolberg zu vollenden.

Aber im Visier der Bauarbeiter ist erst mal nur der nächste geplante Haltepunkt St. Jöris. Der Ausbau bis dorthin soll in zwei Schritten erfolgen. Der erste Schritte reicht bis Kalverbenden, der zweite eben dann bis zum nächsten, neuen Haltepunkt. Die Besonderheit: Bei St. Jöris wird „ein kleiner Bahnhof“ entstehen, wie Fürpeil berichtet. Grund: Es wird ein zweites Gleis, ein sogenanntes Begegnungsgleis, in die ansonsten einspurige Bahnlinie eingebaut. Dann liegt der Bahnsteig zwischen den beiden Gleiskörpern. „Bis zum kleinen Fahrplanwechsel im Sommer 2014 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein“, sagt Fürpeil.

Der Ringschluss bis Hauptbahnhof Stolberg hängt von der Bereitstellung von Fördermitteln für die Elektrifizierung der Gesamtstrecke ab, sagt Fürpeil. Die EVS ist beim Herrichten der alten DB-Strecke nur ausführendes Organ und angewiesen auf das, worauf sich andere einigen. Vor rund zwei Jahren sei der Wunsch formuliert worden, die Strecke in Gänze zu elektrifizieren, ruft Fürpeil in Erinnerung.

Sicherlich eine an sich gute und vernünftige Idee. Die Vorteile der Elektrifizierung sind unumstritten: Auf Grund der besseren Fahrwerte (Beschleunigung und Abbremsen) ist eine engere Vertaktung möglich. Der Betrieb ist umweltfreundlicher und macht betriebswirtschaftlich Sinn, eine hierfür anzuschaffende neue Fahrzeuggeneration wird – gemessen an der aktuellen „Flotte“ der Euregiobahn, die derzeit von der DB Regio betrieben wird – komfortabler für die Fahrgäste sein.

Der Nahverkehr Rheinland (NVR) hat als Grundlage eine Studie – eine Art Gutachten – in Auftrag gegeben, die das Verhältnis von Kosten und Nutzen, also die Effektivität bzw. Effizienz der Elektrifizierung bewerten soll. Anders ausgedrückt: Es wird auf diese Weise der Nachweis erbracht, dass es Sinn macht, Steuergeld für die Elektrifizierung locker zu machen. NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek ist überzeugt, dass dieser Nachweis gelingt.

Die Studie ist noch nicht in Gänze erstellt. Aber: „Es sieht sehr gut aus“, sagt Sedlaczek auf Nachfrage unserer Zeitung. In zwei Wochen haben er und sein NVR beim Land hierzu einen Erörterungstermin. Danach wird der Bund kontaktiert, der angesichts der vorgelegten Unterlagen und Argumente wiederum seine Vorstellungen darlegt, die bei der Bezuschussung der Elektrifizierung berücksichtigt werden müssen. „Es geht um einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe“, sagt Sedlaczek. Großes Plus ist nach seiner Auffassung im übrigen, dass bereits jetzt ein erheblicher Teil der Streckenkilometer unter Strom gefahren wird, nur noch nicht im letzten Teilstück zwischen Herzogenrath bis dann Stolberg. Es geht also um einen sinnvollen Lückenschluss.

Die Diskussion um die Elektrifizierung der Euregiobahn bis Stolberg wird sicherlich von Wirtschaftsunternehmen, die Bahn betreiben, also mit der Gestellung von Fahrzeugen und Personal ihr Geld machen, mit Spannung verfolgt. Derzeit ist Vertragspartner für den NVR die DB Regio. Wer künftig den Zuschlag bekommen will – Sedlazek spricht von einer anstehenden Ausschreibung über 15 Jahre – muss natürlich auch einen entsprechenden Fuhrpark mitbringen. Und was ist, wenn die Elektrifizierung – warum auch immer – auf sich warten lässt? Sedlaczek sieht das nicht, auch nicht die Elektrifizierung als Grund für die Zurückhaltung beim Weiterbau der Strecke. Im Fall des Falles werde der NVR einen befristeten Übergangsvertrag mit einem Unternehmen – sinnvoller Weise wohl mit der DB-Regio – abschließen. Wer später die Strecke bediene, ist laut Sedlaczek vollkommen offen.

Na, dann wird ja wohl EVS-Geschäftsführer Fürpeil wohlgemut einen weiteren problematischen Streckenabschnitt auf dem Weg nach Stolberg planerisch vorantreiben können: das Teilstück im Bereich Lehmsief. Auf Grund des „Sumpfgebietes“ dort muss ein Trogbauwerk aus Beton gebaut werden. Und das wird auf Grund der lichten Höhen für den elektrischen Fahrdraht und die Masten aufwendiger ausfallen als für die bisher eingesetzten Dieselfahrzeuge . . .

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