Euregiobahn: Güterverkehr fährt vor den Prellbock

Von: Karl Stüber
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Der Widerstand gegen die Nutzung der Euregiobahnstrecke auch durch Güterverkehr steht fest wie ein Prellbock: Das jedenfalls ist Kern einer Erklärung von Stadt Alsdorf, AVV und EVS. Das Bild zeigt den gesperrten Abzweig zur stillgelegten Strecke nach Mariagrube in Alsdorf. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Alles nur nichts? Die öffentliche Debatte um die Nutzung der Strecke der Euregiobahn auch für Güterverkehr (Cargo) halten jedenfalls Verantwortliche für eine reine „Phantomdiskussion“. Dies wurde bei einer extra im Alsdorfer Rathaus angesetzten Pressekonferenz deutlich.

Auch Vertreter der Fraktionen „durften“ etwas dazu sagen. Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders, der Geschäftsführer der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), Thomas Fürpeil, und der Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes (AVV), Hans Joachim Sistenich, trugen Gründe vor, die gegen den Cargo-Betrieb sprechen.

Derzeit keine Nachfrage

Die Nutzung der zurzeit dem Personennahverkehr vorbehaltenen Strecke der Euregiobahn auch durch Güterverkehr war vor der Bundestagswahl nach einem Wahlkampftermin der CDU in Stolberg aufgekommen, als dort die Einrichtung eines Güterverteilzentrums thematisiert wurde. „Dies ist aber kein aktuelles Thema“, beruhigte EVS-Geschäftsführer Fürpeil. Er könne die Ängste von Bürgern entlang der Strecke der Euregiobahn vor Güterverkehr verstehen. Allerdings spreche schon allein die Tatsache, dass die Strecke eingleisig sei, gegen Cargo-Nutzung. Die Kapazität reiche nicht aus. Erschwerend komme hinzu, dass die Neigung bzw. Steigung der Teilstrecke von Herzogenrath nach Merkstein hoch ist. Laut Fürpeil liegen sie dort bei „40 Promille“. Weiterhin bestehe „derzeit“ keine Nachfrage nach Güterverkehr. Lediglich das Alsdorfer Energeticon (im Bau befindliches Dokumentationszentrum für fossile und regenerative Energieformen) verfüge am Anna-Park über einen Gleisanschluss.

Bürgermeister Sonders betonte, dass dieser Abzweig seinerzeit mit Blick auf das damals angedachte Bergbaumuseum (jetzt Energeticon) angelegt worden sei. Ob da jemals eine historische Lok mit Anhängern wieder auf die Strecke gehen könnte, sei mehr als fraglich.

Potenzielle Nutzer für einen Transport von Gütern auf der Schiene, wozu aus wirtschaftlichen Gründen entsprechende Massen oder Mengen generiert werden müssten, seien laut Fürpeil nicht in Sicht. Die EVS hege keine Bestrebungen, die heutige Situation zu ändern, so Fürpeil weiter. Der Anbieter für die Infrastruktur des Schienenverkehrs wolle sich ausschließlich auf die Personenbeförderung konzentrieren.

AVV-Geschäftsführer Hans Joachim Sistenich sieht ebenfalls nicht, dass Unternehmen „diese Bimmelbahn“ mit Güterzügen befahren wollten. Diese würden über viel bessere und schnellere „Slots“ (Zeitfenster, Kapazitäten) auf den Hauptstrecken verfügen. Bürgermeister Alfred Sonders (SPD) bekräftigte, dass „niemand die Nutzung der Euregiobahnstrecke für Güterverkehr“ wolle. Die Bürger bräuchten keine Angst haben, dass es soweit kommen würde.

Seitens der EVS wurde eingeräumt, dass Cargo zwar grundsätzlich im Rahmen des sogenannten „diskriminierungsfreien Zugangs zur Eisenbahninfrastruktur“ nicht prinzipiell verwehrt werden könne. Allerdings liegen die Hürden des Planfeststellungsverfahrens für möglicherweise interessierte Unternehmen an der Strecke, die einen Gleisanschluss bauen wollen, so hoch, dass dies unrealistisch sei, wie AVV-Geschäftsführer Sistenich ergänzte: „Das würde sehr viel Geld kosten.“ Bürgermeister Sonders sagte: „Wir können bestehende Gesetze nicht außer Kraft setzen.“ Er machte aber auch deutlich, dass die Kommune einem Gleisanschluss ja erst zustimmen müsste. „Die Bürger brauchen keine Furcht zu haben. Für den Fall der Fälle sind wir an ihrer Seite.“

CDU-Fraktionschef Franz Brandt sagte, die Aussagen seien „sehr befriedigend“, lenkte den Blick aber auch auf den Schrottverwerter am Rand des Annageländes. Dieses wurde allerdings als wirtschaftlich nicht lohnend und nicht durchsetzbar eingestuft. Bernd Mortimer, dessen ABU darauf gedrängt hatte, zur der Problematik EVS und AVV an einen Tisch zu bringen, schlug sich wie Brandt auf die Seiten der besorgten Bürger und versprach entschlossenen Widerstand gegen Güterverkehr. Horst-Dieter Heidenreich (Grüne) und Detlev Loosz (SPD) stellten sich ebenso auf die Seite besorgter Bürger, gleichfalls Josef Nevelz .

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