Euregiobahn: 5500 Betonschwellen auf dem Weg bis St. Jöris

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
6071948.jpg
Schweres Gerät kommt zum Einsatz: Zum Beginn der weiteren Ertüchtigung der alten Bahnstrecke von Mariadorf bis St. Jöris rückten ein Raupen-Dumper (Muldenkipper auf Ketten, im Hintergrund) und ein Zwei-Wege-Bagger, hier auf der Schiene, an. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Wie weit ist es von Mariadorf bis zur Eschweiler Ortslage St. Jöris? Rund 3,5 Kilometer – oder rund 5500 Bahnschwellen aus Beton, lautet die Antwort. Die schweren Teile müssen Projektleiter Torsten Strüver und sein Bautrupp bis Juni 2014 verlegt haben – komplett mit Gleisbett, Schienen und Steuerungs- sowie Sicherheitstechnik.

Dann findet der sogenannte kleine Fahrplanwechsel statt, und dann wird die Euregiobahn, für die bislang an der Poststraße in Mariadorf Endstation ist, bis St. Jöris rollen. Dort wird zu diesem Zeitpunkt ein kleiner Bahnhof eingerichtet sein, wie der Geschäftsführer der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), Thomas Fürpeil, zum offiziellen Baubeginn sagte. Das Besondere daran ist ein Begegnungsgleis in der sonst eingleisigen Strecke.

Auch wenn Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram wider Erwarten beim symbolischen Legen der ersten Schwelle nicht teilnahm, wird seine Stadt also keinesfalls bahntechnisch abgekoppelt sein.

Auf einen Termin für den endgültigen Ringschluss der Euregiobahn bis zum Stolberger Hauptbahnhof wollte sich Hans Joachim Sistenich, Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes (AVV), indes nicht festlegen. Etwas kryptisch sprach er vom Ziel, „im Dezember 2014 ein Stück Realisierung zeigen zu wollen“. Sistenich stellte jedoch klar, dass keineswegs die anstehende, aber finanziell noch nicht gesicherte Elektrifizierung oder gar die Arbeiten der EVS Grund für die Verzögerungen seien: „Die Leit- und Sicherungstechnik ist der Knackpunkt.“ Und die müsse absolut sicher sein, wenn man zwei Züge mit Begegnungsgleis gegenläufig auf einer Strecke verkehren lassen wolle.

Gutes berichtete Sistenich in Sachen Elektrifizierung. Es geht um etwa 36 Kilometer jenseits der Hauptstrecken, dazu gehört die Strecke zwischen Herzogenrath und Alsdorf bzw. die Verlängerung nach Stolberg. Hier sei man übereingekommen, die Kosten (rund 25 Millionen Euro) nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) auszubringen: 60 Prozent Bund, 30 Prozent Land, 10 Prozent EVS. Der Bund stehe dem positiv gegenüber, das Land NRW befürworte das Vorhaben. Der EVS müsse nun die Planungsunterlagen vorlegen. „Wir müssen die Finanzierung noch in diesem Jahr abschließend klären, denn die Zeit drängt“, betonte Sistenich. Das hat laut AVV-Geschäftsführer mit der Neuausschreibung für den Betreiber der Strecke zu tun. Die Verträge für die Euregiobahn laufen 2016 aus. Die Übergangsfrist, bis Elektrotriebzüge anstelle der Diesel-Züge verkehren, soll möglichst kurz ausfallen. Die Rede ist von maximal zwei Jahren, in denen gegebenenfalls die DB Regio weiter ihre Züge auf die Reise schickt.

In Sachen Schienenanbindung von Baesweiler „bleiben wir am Ball“, verspricht der AVV-Mann. „Es mag sein, dass uns der große Wurf dabei nicht auf Anhieb gelingt“, schränkt er die Erwartungen für den Bau einer neuen Strecke gleich bis zum Zielpunkt ein. Aber Sistenich sieht eine Chance, zumindest bis zu einem ersten Haltepunkt Richtung Baesweiler zu fahren. Nach Stand der Überlegungen, welcher Weg der wirtschaftlichste sei, dürfte dies auf eine Teilreaktivierung der alten Bahntrasse Richtung Mariagrube innerhalb von Alsdorf hinauslaufen. Hier komme es nun darauf an, wie groß der Aufwand für die EVS sein würde, ein erstes Teilstück zu reaktivieren.

Wenn die „Vertaktung“ des Zugverkehrs von einer Stunde auf eine halbe Stunde auf der Hauptstrecke verdichtet werde, könnte eine Zuggarnitur die Wartezeit auf den Gegenzug sinnvoll mit einer Fahrt zum dann neuen Haltepunkt auf dem Stück Nebengleis überbrücken. Sistenich lässt sich seine Zuversicht hier nicht nehmen. Er erinnert daran, dass die Skepsis auch vor der Reaktivierung der Streckenabschnitte, auf denen jetzt die Euregiobahn mit großem Erfolg verkehrt, groß gewesen ist.

Während jetzt der EVS-Bautrupp die Erneuerung der Strecke bis St. Jöris in zwei Teilstücken vorantreibt – der erste reicht bis Kalvarienberg – wird der geplante Ausbau der bereits existierenden Haltepunkte im Alsdorfer Stadtgebiet und das Anlegen weiterer Park&Ride-Plätze noch auf sich warten lassen, wie Bürgermeister Alfred Sonders sagte. Die Pläne hierfür seien im Prinzip bereits in den Fachausschüssen und im Stadtrat vorgestellt worden, aber die Umsetzung sei schwierig. Der Grund liege in der Auslastung der entsprechenden Fachleute im Alsdorfer Rathaus, die derzeit mit anderen Projekten beschäftigt seien.

EVS-Projektleiter Torsten Strüver hat derweil klare Ziele vor Augen. Er muss auf seinem Weg nach St. Jöris dafür sorgen, dass die alten Schienen demontiert und die Holzschwellen umweltgerecht entsorgt werden. Verschiedene Schichten Schotter und Folien gilt es dann neu aufzubringen. Auf die neuen Betonschwellen werden erst einmal die alten Schienen montiert, um die Gleise auszurichten und mit Schotter zu „stopfen“. Bei dieser Arbeit sollen die neuen Metallschienen nicht beschädigt werden. Die werden erst am Ende installiert.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert