Würselen - Essen, Erziehung und ein bisschen Politik

Essen, Erziehung und ein bisschen Politik

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Charmant, cool und trocken: So analysiert Barbara Ruscher musikalisch die moderne Gesellschaft. Foto: Conny Stenzel-Zenner

Würselen. „1,8 Milliarden Fischstäbchen werden in Deutschland jährlich gegessen.“ Natürlich begann Barbara Ruscher mit dieser Information ihr Comedy-Programm im Alten Rathaus, denn „Panierfehler! Ein Fischstäbchen packt aus“ forderte förmlich dieser Erklärung.

Und schon war die Kölnerin, selbst Mutter zweier Kinder, drin in ihren Themen: Im Essen und bei der Erziehung von Kindern, gewürzt mit einem bisschen Politik.

Barbara Ruscher hat was gegen Übermuttis und militante Rohkost-Schnipplerinnen, die ihre Sören-Wotans mit osteopathisch ausgebildeten Apfelschnitzen aus Tupperdosen vor dem Weltuntergang retten wollen – oder einfach nur vor Jim-Dschingis’ Schippe.

Unaufgeregt ökologisch

Ruscher selbst ernährt sich lieber unaufgeregt ökologisch, hat was gegen lactosefreien Latte-Macchiato-Fundamentalismus und kauft jeden Freitag Fischstäbchen für ihre Kinder, die panierte Tofuschnitzel für einen groben Panierfehler halten, der nur mit einer großen Portion glibberiger Kaumasse aus gefärbter Rindergelatine, sprich Gummibärchen, wiedergutzumachen ist.

In Stand-ups, Songs und lakonisch am Flügel analysierte sie intelligent, charmant, cool und staubtrocken die absurden Auswüchse der modernen Gesellschaft der 30- und 40-somethings sowie das mediale Überangebot.

Ironie des Absurden

Da erklärte Barbara Ruscher: „Es gibt jetzt die Pille für den Mann. Das I-Phone.“ Sie nahm das Betreuungsgeld aufs Korn, ohne selbst wertend zu sein: „Hartz-IV-Empfänger bekommen gar kein Betreuungsgeld, denn sie würden es doch sofort für Kippen und Alkohol ausgeben. Bänker erhalten natürlich das Betreuungsgeld, denn sie verbrauchen es doch nur für Koks und brasilianische Callgirls.“

Es war das Absurde, das das Publikum lachen lies. Wie ein Wohnwagen, der nach dem Kauf auf einem festen Stellplatz beheimatet ist. „Das ist so, als würdest du ein Handy kaufen, um es danach zu Hause an die Wand zu schrauben.“

Sie, nach eigenen Angaben, die einzige Tiefseeschwamm-Imitatorin auf der ganzen Welt, begeisterte, nahm mit, bewies, dass sie, die weibliche Comedian, nicht nur gegen ihre männlichen Kollegen bestehen, sondern in vielen Beobachtungen an ihnen vorbei ziehen kann.

„Bin wohl hässlich“

Immer wieder las Barbara Ruscher aus ihrem Buch „Fuck The Möhrchen. Ein Baby packt aus“, das im Aufbau Verlag erschienen ist, und überraschte mit der Perspektive des Kindes Mia, das sich sehr als Kleinkind wunderte, warum denn die Mutter am Tag vor Ostern Eier im Supermarkt gekauft, sie dann gefärbt und zu Ostern behauptet hat, dass der Osterhase diese Eier im Garten versteckt habe. Barbara Ruscher las aus dem Tagebuch eines Säuglings, der als „Digital Native“ schon im Mutterleib mit dem Bloggen beginnt und die Geburt mit den Worten beschreibt „Bin jetzt draußen. Alle weinen. Bin wohl hässlich.“

Das Publikum forderte Zugaben. Anlässlich des Internationalen Frauentages war es ein Glücksgriff vom Kulturamt und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Würselen diese Frau nach Würselen geholt zu haben. Eine Frau übrigens, die sich, nachdem sie Hermann aus Baesweiler gleich zu Beginn ihres Programms kennengelernt hatte, schnell vornahm, das nächste Mal in Baesweiler aufzutreten.

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