Erzieherinnen wollen nicht länger in saure Äpfel beißen

Von: Stefan Schaum
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Die Eltern ins Boot holen: Darum geht es den Erzieherinnen der städtischen Kitas in Alsdorf. Birgit Dammers (Mitte), Ortsverbandsvorsitzende der Komba Gewerkschaft, und der stellvertretende Landesverbandsvorsitzende Andreas Hemsing haben Eltern informiert. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Süß schmecken die Äpfel. Nicht zu hart, nicht zu mehlig. Richtig lecker sind die Früchte, die Erzieherinnen am Dienstag vor den sechs städtischen Kindertagesstätten in Alsdorf an Eltern und Kinder verteilen. Das tun sie nicht, weil sie für Vitaminschübe sorgen wollen.

Sie tun es, weil sie selbst seit geraumer Zeit in sehr viele saure Äpfel beißen müssen. Denn nicht erst seit dem Kinderbildungsgesetz (Kibiz) ist die Liste ihrer Aufgaben deutlich länger geworden.

Die Bezahlung dafür? „Völlig unangemessen”, sagt Birgit Dammers, Leiterin der Kita in Kellersberg und Vorsitzende des Alsdorfer Ortsverbandes der Komba Gewerkschaft.

Flugblätter

Weil Leistungsanspruch und Entgelt immer weiter auseinanderdriften, stehen am Morgen auch vor der Kita Florianstraße Mitarbeiterinnen. Sie geben den Eltern, die ihre Kinder zu ihnen bringen, nicht bloß Äpfel, sondern auch Flugblätter, die auf die Situation des Personals aufmerksam machen.

Es geht vor allem um das Schaffen von Solidarität. Denn wenn bei der aktuellen Tarifrunde in Berlin keine Einigung erzielt wird, könnten Erzieherinnen demnächst wieder streikend über die Straßen ziehen wie schon einmal in 2008, statt die Kinder zu betreuen.

„Wir sind zu nächsten Schritten bereit”, sagt Andreas Hemsing, stellvertretender Komba-Landesvorsitzender. 80.000 Erzieherinnen mehr müssten bundesweit eingestellt werden, um die bisherigen Mitarbeiter zu entlasten.

„Die Gruppen werden immer größer, doch zugleich wird immer mehr und individuellere Förderung der geistigen Entwicklung der Kinder verlangt, mehr Sprachförderung und bessere Integration - das kann doch so nicht funktionieren.”

Mehr Krankmeldungen von Erzieherinnen als in den Vorjahren sprächen eine deutliche Sprache. Auch Birgit Dammers weiß um größeren Stress bei der täglichen Arbeit. „Die physische und psychische Belastung ist immens gestiegen.”

Viele Eltern nutzen die Gelegenheit, mit den Erzieherinnen zu sprechen und zeigen Verständnis. Hemsig: „Es muss ja auch in ihrem Interesse sein, gute Rahmenbedingungen für die Betreuung zu schaffen.”

Ändern sich die nun aber nicht - welche der Aufgaben wird dann als erste auf der Strecke bleiben? Birgit Dammers: „Als erstes bleiben die Erzieherinnen selbst auf der Strecke. Und dann die Kinder!”
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