Radarfallen Blitzen Freisteller

Erster richtiger Arbeiteraufstand in Aachen

Von: ehg
Letzte Aktualisierung:
5437650.jpg
Hielt einen interessanten Vortrag über die Geschichte der Aachener Sozialdemokratie bis 1914: Achim Großmann. Foto: W. Sevenich

Würselen. Wie sich im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Aachener Raum die Arbeiterbewegung nach und nach organisierte und seit der Gründung des Deutschen Arbeitervereins am 23. Mai 1863 durch Ferdinand Lassalle in Leipzig mehr und mehr auch parteipolitische Strukturen annahm, das beschrieb – wissenschaftlich fundiert – Achim Großmann, Staatssekretär a. D., in einer Jubiläumsveranstaltung des SPD-Stadtverbandes im Alten Rathaus.

Dabei rührte er die Werbetrommel für sein 188 Seiten umfassendes Buch, das zum komplexen Themenbereich „Die SPD in der Aachener Region“ Ende Juli 2013 erscheinen wird.

Recherchiert hat der Autor, der 1987 zum ersten Mal direkt in den Deutschen Bundestag gewählt wurde, dem er dann bis 2009 ununterbrochen angehörte, seit Ende der 1980er Jahre, so dass er auf eine Vielzahl Quellen zurückgreifen konnte.

Leider litt der Besuch der Veranstaltung unter der Konkurrenz der Champions League. Als besondere Gäste begrüßte der Vorsitzende des Stadtverbandes, Andreas Dumke, neben Bürgermeister Arno Nelles die Ratskollegen Stefan Mix, Ulf Dreßen und Christoph Küppers, aber auch den CDU-Vize-Bürgermeister Harald Gerling.

Bei der Aufarbeitung der Arbeiterbewegung sparte Großmann die katholischen Bestrebungen um mehr Gerechtigkeit für das arbeitende Volk nicht aus, obwohl er – verständlicherweise – den Focus mehr auf die Entwicklung der Sozialdemokratie richtete. Er skizzierte, wie – bedingt durch die Industrialisierung – mehr und mehr häusliche Arbeitsplätze weg brachen. Was nicht nur Arbeitslosigkeit zur Folge hatte, sondern auch dazu führte, dass die alte Qualität auf der Strecke blieb. Lohndumping machte den Arbeitslosen das Leben zusätzlich schwer.

Da die Franzosen unter Napoleon die Rheinlande besetzt hatten, wurde in dieser Zeit des Umbruchs die Verwaltung umgekrempelt. Der 1816 gegründete Regierungsbezirk Aachen umfasste zwölf Kreise. Einige lagen beispielsweise in Ostbelgien. Die Städte erlebten einen enormen Bevölkerungszuwachs, Aachen von 30.000 im Jahre 1812 auf 80.000 im Jahre 1874.

Den ersten richtigen Arbeiteraufstand – das fand Großmann heraus – gab es in Aachen. 1837 riefen die Buchdrucker den ersten Arbeiterverein ins Leben. Ab 1848 machte ein großer Arbeiterverein in Köln von sich reden. Doch habe es keine fest gefügten demokratischen Strukturen gegeben. Das Spektrum habe sich ständig geändert. Frauen und Lehrlinge durften nicht Mitglied werden. Die arbeitenden Menschen, die einen Arbeitsplatz hatten, mussten befürchten, ihn zu verlieren. Die Arbeiterverbrüderung sei der erste Verein mit Struktur gewesen. 1856 dann das Verbot politisch-tätiger Vereine.

Arbeiterbildungsvereine wurden daraufhin gegründet. Die 1863 aus der Taufe gehobene Sozialdemokratie habe zunächst bei den Wahlen keine Chancen gehabt. Das habe – so Großmann – daran gelegen, dass alle, die von der staatlichen Fürsorge lebten, nicht wählen durften, und das waren immerhin zehn Prozent. Die Sozialdemokraten schafften parteipolitisch in Aachen den Durchbruch, als dort 1878 August Bebel für sie kandidierte. Angesichts der von Reichskanzler Bismarck erlassenen Sozialistengesetze hatte die SPD keine Chance mehr, einen Versammlungsraum zu bekommen, schilderte Großmann die Bedingungen, unter denen sie auch im Aachener Raum anzukämpfen hatte. Dabei zitierte er aus Quellen, die er „ausgegraben“ hatte und seine historische Darstellung sachkundig untermauerten.

Vor der Türe des Alten Rathaus lief die Gewerkschaft der Polizei, Kreisgruppe Aachen, dagegen Sturm, „dass die Landesregierung NRW die Tariferhöhung lediglich auf die Besoldungsgruppen bis A 10 in vollem Umfang übertragen will“. Sie wirft Ministerpräsidentin und Finanzminister vor, Wortbruch zu begehen, wenn verfahren werde, wie geplant. Wörtlich: „Die SPD-Landtagsabgeordneten der Städteregion, Eva-Maria Voigt-Küppers, Daniela Jansen, Stefan Kämmerling und Karl Schultheis werden sich am Wortbruch beteiligen und unterstützen eine – auf Lügen – aufgebaut Lohnpolitik zum Nachteil von Polizistinnen und Polizisten, wenn sie dem Gesetzentwurf der Landesregierung zustimmen!“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert