Erste Stellprobe am Energeticon: Geologische Uhr wie in Stein gemeißelt

Von: Karl Stüber
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Spuren im Gestein: Blätter haben ihre Strukturen in einem Findling hinterlassen und einen faszinierenden Flügel geformt. Foto: Karl Stüber
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Herren der Steine: (v.l.) der beratende Geologe Christoph Laschet, Prof. Dr. Werner Kasig, Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter und Dipl.-Ing. Jochen Stimming am Entwurf der geologischen Uhr. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Wieder geht ein Jahr geht zu Ende. Da 2012 ein Schaltjahr ist, waren es diesmal aufgerundet 366 Tage. Unterschiedlich schnell ist das abgelaufen, je nach Empfinden. Für unseren „Gastgeber“ Erde ist das noch nicht einmal ein Wimpernschlag. Die alte Dame befindet sich in ihren besten Jahren, wenn man Wissenschaftlern glauben darf: in der Mitte ihres Lebens.

Stumme, aber aussagekräftige Zeugen ihres Werdegangs sind Monolithen, große Steine – hart gewordene Geschichte. Einige liegen am Energeticon in Alsdorf im Kreis, als wenn sie von Hand eines spielenden Riesen dorthin gelegt worden wären: Die Findlinge sind groß und unterschiedlichen Alters, bis zu 600 Millionen Jahre. Die Zeit hat ihnen viele Narben beigebracht.

Das Gestein hat viel erlebt und überlebt. Nun soll es seine (vorerst) letzte Ruhestätte am Energeticon erhalten, das zur Dokumentationsstätte für fossile und regenerative Energie(-formen) ausgebaut wird und August 2014 seine Pforten öffnen soll. Aber auch das Einrichten und der Bestand der geplanten „Geologischen Uhr“ dürfte in der auf rund fünf Milliarden Jahre veranschlagten „Lebenszeit“ unserer Welt nur ein Wimpernschlag sein. Die Steine werden auch das Energeticon überdauern und dereinst wieder woanders liegen, wenn wir alle längst zu Staub zerfallen und vergessen sind

Karbonzeit besonders wichtig

Das nun angelegte Rund auf der Wiese nahe der Alten Schmiede ist nur provisorisch und soll eine erste Stellprobe sein, wie der Geschäftsführer der Energeticon gGmbH, Harald Richter, beim zugigen Ortstermin erklärt. Die Findlinge ruhen deshalb auf Stahlschienen, können also leicht wieder per Schaufellader aufgenommen und umgesetzt werden. Frank Krottenmüller, Technischer Leiter des Energeticon, hat darin schon Übung.

Großes Lob zollt Richter dem Bergbaumuseumsverein Anna Alsdorf, der das Projekt erst möglich gemacht hat, namentlich Prof. Dr. Werner Kasig, emeritierter Professor, Geologisches Institut der RWTH Aachen, und Dipl.-Ing. Jochen Stimming. Besonders interessant ist für den Bergbaumuseumsverein natürlich die Karbonzeit (von lateinisch carbo = Kohle). Vor rund 300 Millionen Jahren war nicht nur unsere Region mit gigantischem Urwald überzogen. Humusschicht auf Humusschicht entstand, wurde später vom Meer überspült und mit enormen Sand- und Geröllschichten überdeckt. Druck (Entwässerung) und Temperatur ließen aus den Pflanzenresten letztlich in einem biochemischen Prozess Braun- und daraus Steinkohle werden. Vor rund 50 Millionen Jahren, im Tertiär, geriet die Erdkruste heftig in Bewegung.

Wichtig für das Thema Steinkohle: Durch Erdverwerfungen wurden Steinkohle-Schichten emporgehoben, sie wurden für den Menschen erreichbar. Seit dem Mittelalter wurde Kohle gefördert, und es ist noch reichlich davon vorhanden. Eine Zahl aus dem Jahre 1998, als für das Wurmrevier die große Politik das Aus für die Steinkohleförderung schon beschlossen hatte: Die geologischen Vorräte an Steinkohle für ganz Deutschland wurden auf rund 230 Milliarden Tonnen geschätzt. Für die Förderung ist das im internationalen Vergleich zu kostspielig, da die Hauptvorkommen mehr als 1000 Meter tief liegen. Noch!?

„Von großem Interesse ist, wie der Mensch die geologischen Gegebenheiten genutzt hat“, beschreibt Kasig den Ansatz des Bergbaumuseumsvereins Grube Anna. Kasig hat reichlich Erfahrung bei der Gestaltung von Dokumentationen und Lehrbergwerken, etwa in der Eifel, gesammelt, kennt das Karbonzeitalter besonders gut. Es gehe um Erdgeschichte und Erdgeschichten – und darum, das, was uns die Findlinge sagen, so zu übersetzen und in Szene zu setzen, damit Besucher des Dokumentationszentrums Wissenswertes erfahren.

Jochen Stimming hat jahrelang passende Steine ausfindig gemacht und gesammelt. Vom Tagebau Garzweiler stammt der jüngste Findling, silifizierter Sand aus dem Tertiär. Der Feuerstein aus der Kreidezeit wurde aus der Grube t‘ Rooth Margraten (NL) herbeigeschafft, Quarzit aus dem Kam-brium aus dem Hohen Venn bei Haus Ternell (B) und von der Gedauer Mühle Stolberg ein Konglomerat aus dem Ober-Karbon.

Zwölf Brocken

Aus einem Steinbruch zwischen Kornelimünster und Venwegen wurde ein dunkler Dolomitstein losgeeist, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Zwölf Brocken sind es, um den Ziffern einer Uhr zu entsprechen. Diese soll Kern eines Gesamtkonzepts sein, das der beratende Geologe Christoph Laschet skizziert hat. Von der Geburtsstunde unseres Sonnensystems aus, führt ein Lehrpfad mit Schaubildern und zusätzlichen Exponaten spiralförmig auf den Kern, die Erdzeitenuhr mit Gesteinsmonolithen zu. Ein ehrgeiziges Projekt, sagt Geschäftsführer Richter, für dessen umfassende Umsetzung (noch) das Geld fehlt.

www.energeticon.de

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