Würselen - Erinnerung an jüdisches Leben in Würselen

Erinnerung an jüdisches Leben in Würselen

Von: ehg
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Den Blick auf die in einer Vitrine ausgestellten kostbaren Erinnerungsstücke lenkte der Jude Dr. Wladimir Shikman (2.v.r.) bei der Feierstunde: Das wertvollste Stück ist ein Kalender aus dem Jahre 5655 jüdischer und aus dem Jahre 1894 heutiger Zeitrechnung. Foto: W. Sevenich

Würselen. Eine architektonische Bereicherung hat die Lindenstraße durch den von der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEW) errichteten und vom Senioren- und Pflegezentrum St. Sebastian genutzten Neubau erhalten. In ihm werden nicht nur kranke und alte Menschen tagsüber betreut und gepflegt. In ihm wird auch die Erinnerung an jüdisches Leben in der Stadt wach gehalten.

Dort, wo der attraktive Neubau hoch gezogen wurde, stand einst das jüdische Gebetshaus, die Synagoge. Nicht nur die östliche Giebelwand mit seinen Rundbögen wurde in den Neubau integriert. Im Foyer der Tagespflege-Einrichtung sind auch Exponate religiösen jüdischen Lebens ausgestellt. Sie wurden jetzt im Beisein aller an der Symbiose von Wirtschaftlichkeit und historischer Erinnerung Beteiligten offiziell vorgestellt. SEW-Geschäftsführer Manfred Zitzen vermeldete: „Als wir das Projekt angegangen sind, haben wir das Versprechen abgelegt, die Erinnerung an jüdisches Leben in der Stadt wachzuhalten. Wir haben trotz verschiedener baulicher Unwägbarkeiten eingelöst, was wir versprochen haben.“

„Ein wunderbares Werk“

Das attestierte ihm Bürgermeister Arno Nelles. „Hier ist ein wunderbares Werk gelungen!“ Er bedankte sich bei allen, die sich neben der SEW in seine Realisierung eingebracht haben: die katholische und evangelische Kirchengemeinde, der Arbeitskreis „Kein Vergessen“ und der Arbeitskreis christlich-jüdische Zusammenarbeit, aber auch das Kulturarchiv der Stadt und sein Leiter Heinz-Josef Küppers.

„Es ist etwas Beispielhaftes passiert“, überschlug sich der Bürgermeister vor Begeisterung, die sich auf die Anwesenden übertrug. Nelles betonte: „Juden gehören auch heute zu unserer Gesellschaft wie andere Religionen auch.“ In seinen Dank schloss Nelles die Politik mit ein.

Den Blick auf die in einer Vitrine ausgestellten kostbaren Kleinode lenkte der Jude Dr. Wladimir Shikman, Sohn der mittlerweile stadtbekannten Eheleute Ella und Wladimir Shvemmer, die aus Russland kommend im Land der Väter wieder Heimat gefunden hat. Das wertvollste Stück ist ein Kalender aus dem Jahre 5655 jüdischer und aus dem Jahre 1894 heutiger Zeitrechnung. Nicht fehlen dürfen der siebenarmige Leuchter, das Symbol jüdischen Glaubens schlechthin, und ein Nachdruck der Thora, der fünf Bücher Moses als erster Teil der jüdischen Bibel. Neben der Vitrine ist ein Foto aus dem Stadtarchiv ein weiterer Blickfang im Foyer der „Tagespflege“, dessen Original, aufgenommen am 25. Mai 1925 nicht von ungefähr im Jüdischen Museum in Berlin hängt. Auf ihm ist die Synagoge, die im Jahre 1938 verkauft wurde, in ihrer ganzen Pracht „verewigt“, wie sie sich bei einem Jubiläum im Jahre 1925 darbot. Es ist ein Beweis dafür, wie etabliert die jüdische Gemeinde, die zuvor ihren Sitz in Broichweiden hatte, damals in Würselen war. Es spreche auch für ihr gesellschaftliches Engagement, dass sie den Bau des Pfarrheimes der katholischen Gemeinde finanzieren half, hieß es. Dass die jüdische Geschichte weiter lebt, dafür bedankte sich Elle Shvemmer im Namen aller jüdischen Mitbürger bei allen Beteiligten, die an der Umsetzung der gelungenen Konzeption mitgewirkt haben.

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