Erdwärme vorbildhaft fürs Land zapfen

Von: Karl Stüber
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Die Vier vor dem Standort der geplanten „Thermotankstelle“, dem „Ventildeckel“ des Eduardschachts in Alsdorf: (v.l.) der Geschäftsführer der Energeticon gGmbH, Harald Richter, Bürgermeister Alfred Sonders, Umweltminister Johannes Remmel sowie der Alsdorfer Grüne Horst-Dieter Heidenreich, enger Mitarbeiter des Aachener Landtagsabgeordneten Reiner Priggen. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Ein total grüner Tag mitten im grauen Februar: NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüner) bringt 700.000 Euro Fördermittel nach Alsdorf, der Alsdorfer Grüne Horst-Dieter Heidenreich wird öffentlich von Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders für seine Arbeit und Beharrlichkeit gelobt, der Aachener Landtagsabgeordnete Reiner Priggen gleich mit.

Und es geht um eine Herzensangelegenheit der Grünen, um regenerative Energie. Obendrein hat das zu fördernde Vorhaben mit Pilotcharakter auch noch einen grünen Namen: „GrEEn-Projekt“. Das Kürzel steht für „Grubenwasserenergie für das Energeticon“, die aus dem stillgelegten Eduardschacht am Rande des Annageländes direkt vor der Haustür gewonnen werden soll, um das Gebäude zu heizen.

Harald Richter, Geschäftsführer der Energeticon gGmbH – die Gesellschaft baut alte Bergbaugebäude zu einem Dokumentationszentrum für historische (fossile) und regenerative Energieformen um – und sein Team haben gute Vorarbeit geleistet. Der Förderantrag fiel allerdings bei der Landesregierung auch auf fruchtbaren, da rot-grünen Boden. Remmel, der sich freut, bei seinem Aufenthalt im Energeticon, mal nicht mit dem aktuellen Pferdefleisch-Skandal zu tun haben zu müssen, begründet den Zuschuss für das Erdwärmeprojekt: „Geothermie wird in der Energiepolitik des Landes eine große Rolle spielen.“

Das Potenzial dafür sei vorhanden. Insgesamt 1500 Schächte und deren Grubenwasser könnten angezapft werden, sagt Remmel. Das Alsdorfer Pilotprojekt solle öffentlichkeitswirksam zeigen, was geht und wie es geht – und wie ein Leuchtturm wirken. An den drei Standorten im Ruhrgebiet würden weitere Geothermieprojekte vorangetrieben, die aber andere Schwerpunkte haben, so Remmel weiter.

Sven Kersten, Leiter des Wärmepumpen-Marktplatz NRW, angestellt bei der „EnergieAgentur.NRW“, ergänzt, dass von den 1500 in Frage kommenden Bergbauschächten 200 – ähnlich wie in Alsdorf – ohne großen Aufwand Wärmeenergie liefern können. Vorhandene Löcher bzw. Rohre könnten genutzt werden. Das Grubenwasser werde durch den Einsatz von Wärmepumpen aufgeheizt.

An manchen Stellen könne das Wasser, da 55 Grad „heiß“, direkt zum Heizen von Gebäuden eingesetzt werden. Hier sei es möglich, als Nebenprodukt noch elektrische Energie zu produzieren. Besonders effektiv sei es, die einzusetzenden Wärmepumpen via Photovoltaik zu betreiben. Derzeit, so der Mann von der EnergieAgentur.NRW, seien in NRW 100.000 Wärmepumpen installiert, in 2030 sollen es 400.000 sein. „Da haben wir noch viel zu tun.“

Alte Grubenanlagen haben laut Kersten zudem die Eignung als Wärmespeicher zu dienen, indem das Wasser dort mit aktuell produzierter, aber nicht sofort benötigter Energie aufgeheizt wird. Mittels Geothermie könne das Potenzial wieder abgerufen werden.

Aber es gehe bei Geothermie nicht nur um Nutzung im großen Stil und in großer Tiefe. Auch der Normalbürger sollte das im Blick haben. In weiten Teile des Landes sei schon knapp unter der Erde genügend Wärme vorhanden. Da sei zu erwägen, ob der Hausbesitzer nicht auf diesem Wege sein Domizil mit Energie versorgt. Der Geologische Dienst pflege eine entsprechende Übersicht zur Einschätzung des jeweiligen Standorts.

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