Alsdorf - Energeticon: Weg von Atom und Kohle hin zur Sonne

Energeticon: Weg von Atom und Kohle hin zur Sonne

Von: Karl Stüber
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Er ist froh, dass das Ausstell
Er ist froh, dass das Ausstellungskonzept in wesentlichen Zügen steht und er sich mit Partnern an die Feinarbeit machen kann: der Geschäftsführer der Energeticon gGmbH, Harald Richter.

Alsdorf. Laufwege sind ganz wichtig, nicht nur für Fußballer. Auch Aussteller sind bemüht, Besucher möglichst sinnvoll von einem Exponat zum anderen zu führen. Das gilt auch für den Geschäftsführer der Energeticon gGmbH, Harald Richter.

Auf dem Lageplan des geplanten Kompetenzzentrums Energie, das neben dem bereits reaktivierten Fördermaschinenhaus die Alte Schmiede und die Kaue an der Ecke Konrad-Adenauer-Allee/Herzogenrather Straße nebst Außengelände umfasst, hat Richter so manchen Pfeil gemalt und wieder durchgestrichelt.

Und es werden sicherlich noch weitere Korrekturen folgen. Aber mittlerweile geht es „nur noch” um den Feinschliff. Die Grundanordnung der Dauerausstellung steht, die im wesentlichen das einst fossil-industrielle Fortschrittsmodell - gekennzeichnet durch Stein-, Braunkohle, Öl und Gas - und das regenerative Fortschrittsmodell (Sonne und daraus abgeleitete Energieformen wie Wind, Strömungswasser, Wärme) umfasst.

Das Atelier Brückner, Stuttgart, hat den Auftrag, das Konzept zur „Inszenierung” der Exponate zu entwickeln, und wird die Umsetzung bzw. den Ausbau in Kooperation mit Drittfirmen bewerkstelligen, wie Richter sagt. Das Essener Architekturbüro Böll sorgt für die grundlegende Gebäudesanierung. Der entsprechende Antrag liegt der Bauaufsicht vor. Die Arbeiten sollen im November anlaufen. Bauherr ist die Energeticon gGmbH, die mit dem Bergbaumuseumsverein Grube Anna für die Ausstellungsstücke sorgt.

Die Arbeiten werden sich voraussichtlich noch weit ins Jahr 2014 erstrecken. Anfang 2014 soll die Vermarktung der Angebote auch als außerschulischer Lernort und Tagungsstätte anlaufen, im August die Eröffnung stattfinden.

Vorab hat Richter zum virtuellen Gang durch die Ausstellung eingeladen. Gedanklich und im Sitzen gilt es eine Strecke zwischen 400 und 450 Metern zu bewältigen, je nachdem, wo Richters Pfeile und gezeichnete Laufwege letztlich ihren festen Platz auf dem Plan finden werden.

Start und Ziel des Parcours, den der Besucher in rund zwei Stunden bequem absolvieren kann, ist die Alte Schmiede, die neben Foyer, Shop und Gastronomie die Sanitäranlage beinhaltet. Mit dem Aufzug geht es zwar nicht in die Römerzeit, aber immerhin in die Ära des Steinkohlebergbaus eine Etage tiefer, ins Lehrbergwerk und zu einer Bogenhalle.

Der Besucher tritt via Wetterberg wieder ins Freie und geht an zwei weiteren Bogenhallen vorbei Richtung Fördermaschinenhalle. Dabei passiert er die beiden Gleise, die noch original erhalten sind und auf denen historische Waggons zu sehen sein werden.

Über eine mit Splitt bedeckte Fläche, auf der Außenveranstaltungen stattfinden können, geht es vorbei an einem offenen Depot mit allerlei Gerätschaft aus dem Bergbau und dann per Rampe ins Untergeschoss der Fördermaschinenhalle.

Auf einer 100 Meter langen Strecke können Interessierte nachempfinden, wie hoch der Aufwand und wie hart die Arbeit unter Tage war, um an das schwarze Gold, also an fossil gespeicherte Sonnenenergie heranzukommen. Unter anderem wird ein Videoclip über den aufwendigen Vortrieb unter Tage mit entsprechender Geräuschkulisse projiziert.

Im Kauengebäude erwarten die Neugierigen verschiedene Räume, die eine Galerie „Bilder der Arbeit”, sozialgeschichtliche Alltagsgegenstände und Belege für das Leben der Bergleute und ihrer Familien „über Tage” enthalten. Sie können sehen, wie eng es in einer Schwarzkaue für Bergleute vor und nach der Schicht zuging. In der alten Heizzentrale werden der Steinkohle verwandte Fördertechniken präsentiert, etwa die Braunkohlegewinnung.

Warum die Energiewende weg vom Atom und vom Fossilen hin zum regenerativen Bereich notwendig ist, erfährt der Besucher ein Stück weiter. Per Aufzug geht es ins Obergeschoss der Kaue. „Da ist ein besonders für außerschulisches Lernen wichtiger Bereich”, sagt Richter. Naturwissenschaftliche Grundlagen werden erklärt - und können selbst erprobt werden.

„Im Grunde genommen ist jede Energie auf die Sonne und deren Einwirkung zurückzuführen. Wir möchten das Bewusstsein fördern, dass jeder Mensch durch seinen Lebensstil Einfluss auf den Energieverbrauch hat.”

„Eigentlich”, erklärt der Energeticon-Geschäftsführer weiter, „sind wir dabei, wieder auf vorindustrielle Techniken und Energiequellen wie Biomasse, Wind- und Wassermühlen zurückzugreifen, bewegen uns so gesehen vorwärts - zurück in die Zukunft.” Zurück gehts für den Wissbegierigen beim imaginären Rundgang von der Kaue vorbei an Lokomotiven und Geräten zur Alten Schmiede - zu einer Tasse fair gehandelten Kaffee.
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