Eltern, Lehrer und Security-Dienst im Dauereinsatz

Von: Mischa Wyboris
Letzte Aktualisierung:
komabu
Die Schattenseite des Karnevals: Ein Jugendlicher im Vollrausch muss von Sanitätern betreut werden. Wenige Tage vor dem Straßenkarneval wird der Nachwuchs ausdrücklich vor dem Alkohol-Missbrauch gewarnt.

Nordkreis. Dr. Helge Wollny erinnert sich noch gut: Lange hat er seinen neuen Patienten nicht gekannt. Sturzbetrunken und mit seinem eigenen Erbrochenen in der Luftröhre eingeliefert, hat der 16-Jährige einen Hirnschaden erlitten und ist kurz darauf auf der Intensivstation gestorben.

„Das war fürchterlich”, sagt der Oberarzt für Innere Medizin am Bardenberger Krankenhaus.

Feste feiern, sinnlos saufen: Wenn das karnevalistische Treiben bald seinen Höhepunkt erreicht, hat Wollny wieder öfter mit solchen Extremsituationen zu tun - dann messen sich viele Jugendliche wieder beim sogenannten Koma-Saufen. Bundesweit steigt die Zahl junger Menschen zwischen zehn und 20 Jahren mit Alkoholvergiftung so stetig wie rasant: Laut der Drogenbeauftragten Sabine Bätzing sind es 2007 zum ersten Mal mehr Mädchen als Jungen gewesen, allein gegenüber dem Vorjahr gibt es 20 Prozent mehr „Koma-Säufer”.

„Es gilt unter Jugendlichen als schick, sich stark zu betrinken”, weiß Hedwig Dittberner. Die Physik- und Mathematiklehrerin am Gymnasium Alsdorf ist auch Organisatorin der populären „Gardeströpp”-Sitzung, wo Jahr für Jahr Jugendliche ausgelassen Karneval feiern. Um am 18. Februar in der Stadthalle von vornherein närrischem wie narrenhaftem Trinkgelage einen Riegel vorzuschieben, hat das Veranstaltungsteam eine harte Gangart gewählt: „Ich möchte absolut keine Alkoholika im Haus haben. Sollte ein angetrunkener Schüler kommen, kann er direkt wieder nach Hause gehen”, betont Dittberner.

Das gesamte Kollegium - verstärkt von Eltern und Security-Personal - werde dafür Sorge tragen, dass alle Taschen an der Garderobe abgegeben und keine selbst mitgebrachten Getränke in die Veranstaltung geschleust werden. Alkohol gebe es während der Sitzung einzig und allein in Form von Bier - ausgeschenkt ausschließlich an Oberstufenschüler mit Armbändern als Erkennungsmerkmal. Und: „Während der Sitzung sind an jedem Tisch mindestens zwei Eltern und ein Klassenlehrer zu finden.”

Appell auch an Erwachsene

Mit null Toleranz hin zu (fast) null Promille: „Wir sind seit Jahren darum bemüht, das Koma-Saufen erst gar nicht aufkommen zu lassen”, sagt Frank Brunner, Dezernent für Ordnung, Schule und Soziales in Baesweiler.

Auch er geht entschieden in die Offensive gegen den Drink ins Delirium und setzt dabei auf die Aufklärung beider Seiten: Zu Beginn der „heißen Phase” würden Einzelhandel und Gaststätten von der Stadt noch einmal angehalten, die Vorschriften des Jugendschutzgesetzes zu beachten: kein Alkohol für Jugendliche unter 16, Weinbrand sogar erst ab 18. Rundbriefe an Schulen und Eltern sollen ihr Übriges tun. „Wir wollen durch persönliche Ansprache verstärkt sensibilisieren”, erklärt Brunner.

Durch die Verlagerung der Karnevalsfeier in das große Festzelt auf dem Baesweiler Kirmesplatz verspricht sich Brunner „ohnehin einen geordneteren Ablauf” - unterstützt durch die Präsenz von Polizei, Kreisjugend- und Ordnungsamt, die schon in den vergangenen Jahren „einen deutlichen Rückgang” von Alkoholexzessen Jugendlicher bewirkt hätten - freilich im deutlichen Gegensatz zur bundesweiten Entwicklung.

Auch das Herzogenrather Ordnungsamt appelliert an alle Erwachsenen, auf Kinder und Jugendliche in ihrem Umfeld zu achten. Eine besondere Verantwortung komme auch Gastwirten und Verkäufern in Tankstellen, Kiosken und Geschäften zu. Im Medizinischen Zentrum in Bardenberg ist man unterdessen auf größeren Andrang vorbereitet - der ehemalige Kreißsaal werde als Notfallraum für „Koma-Säufer” freigehalten, sagt Wollny, der auch eine Zunahme weiblicher Patienten verzeichnet. Von Gehirnerschütterungen, Schnittwunden und Unterkühlungen bis hin zu abgefrorenen Gliedmaßen sei alles als fatale Folge sinnlosen Saufens denkbar.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert