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Einer der Besten im Poolbillard: Der Kaiser wird bald zum „Gesetzlosen“

Von: Tobias Röber
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Konzentration auf den nächsten Stoß: Ralf Souquet schaute in seinem Heimatclub vorbei. Und sein Vater (rechts) schaute ihm zu. Foto: Tobias Röber
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Ralf Souquet mal nicht im Billarddress, sondern im Shirt seines Lieblings-Fußballvereins Borussia Mönchengladbach.

Eschweiler/Alsdorf. Sein Name steht klein auf der großen Tafel an der Alsdorfer Gesamtschule zwischen vielen anderen. Man muss schon eine Weile suchen, bis man ihn findet. Genau wie man den Billardclub Alsdorf suchen muss, der ein wenig versteckt quasi zwischen Schule und Sportplatz liegt. In der internationalen Billardszene dauert es nicht sehr lange, bis man auf den Namen Ralf Souquet stößt. Der gebürtige Eschweiler gehört zu den besten Poolbillardspielern weltweit. Im Jahr 1997 wurde ihm gar das Silberne Lorbeerblatt, die höchste deutsche Sportlerauszeichnung, verliehen.

Ralf Souquet, Spitzname The Kaiser, wurde am 29. November 1968 in der Indestadt geboren. Er wuchs in Hoengen auf, und dort begann auch seine Karriere. Genau genommen in der Kneipe seiner Eltern. In der stand nämlich ein Billardtisch. Und ein Kicker. Ralfs Vater Wolfgang spielte Billard, aber noch erfolgreicher Kicker. Er brachte es sogar zum Deutschen Vizemeister. Wenig verwunderlich, dass Ralf Souquet schon früh am Kickertisch herumschraubte.

Im Alter von vier Jahren stieg er auf Hocker und hüpfte darauf hin und her, um mitspielen zu können. Irgendwann begann die Faszination für die bunten Billardkugeln. Nun ist ein Billardtisch ähnlich hoch wie ein Kickertisch. Also hieß es für Souquet wieder: rauf auf einen Hocker und spielen. Wie fast alle Jungs spielte Ralf Souquet damals Fußball. Beim Hoengener SV. „Kleiner HSV hießen wir damals“, sagt Souquet und lacht. HSV-Fan ist er übrigens nicht. Er hält zu Borussia Mönchengladbach. Am Freitag ist er in der Allianz-Arena dabei, wenn „seine“ Borussia bei Bayern München antritt. Bis zum ersten C-Jugendjahr kickte er damals für den „kleinen HSV“. Dann war keine Zeit mehr für Billard und Fußball. Ralf Souquet blieb an den bunten Billardkugeln hängen.

In der Kneipe seiner Eltern war er damals im Verein Schwarze Acht Hoengen. 1977 spielte er dort seine erste Vereinssaison. 1981 gewann er die Baesweiler Stadtmeisterschaft – als Zwölfjähriger bei den Herren. Es war ein erstes Ausrufezeichen. 1983 feierte er den ersten Deutschen Meistertitel (in der Schülerklasse), in der Sporthalle direkt neben den Räumen des BC Alsdorf. Dessen damaliger Präsident Horst Vondenhoff wurde auf Souquet aufmerksam und verpflichtete das Talent für den BC Alsdorf.

Im selben Jahr startete die Bundesliga für Poolbillard. Bis zu dieser Zeit trainierte Ralf Souquet fünf bis acht Stunden täglich, und das alles nach Schule und Hausaufgaben. Neben Talent gehört eine gehörige Portion Fleiß zu jedem Sport. In Alsdorf waren es dann „nur“ noch maximal fünf Stunden Training täglich. Heute ist es weitaus weniger. Ralf Souquet spielt 25 bis 30 Turniere pro Jahr. Die gehen in der Regel über mehrere Tage und finden in der ganzen Welt statt. Inklusive Reisen bleibt da oft nur wenig Zeit für Training.

1988 war das noch anders. Da feierte er mit dem BC Alsdorf seinen ersten Deutschen Meistertitel bei den Herren. Ein Foto davon hängt im Vereinsheim des BC Alsdorf. Gut, nicht weit entfernt hängt Ralf Souquets Schriftzug auch um einiges größer als an der Tafel.

Seit 1995 lebt Ralf Souquet in Bayern. Der Billardsport hat ihn in den Süden Deutschlands geführt. Bereits 1991 wurde der gelernte Einzelhandelskaufmann im Kfz-Bereich Profi, lebt also von seinem (ehemaligen) Hobby. Weltweit können das nur wenige. Aus Deutschland ist er nach eigener Aussage der einzige, der auch in Deutschland lebt.

Inzwischen ist Ralf Souquet in der Bundesliga beim BSV Dachau gelandet. Alle Bundesligaspiele macht er nicht mit, die Einzelturniere haben Vorrang. Über 200 Titel hat er in seiner Karriere bereits gewonnen, darunter viele Deutsche Meistertitel. Er war auch Europa- und Weltmeister. Ein paar Titel sind trotz dieser vielen Erfolge besonders im Gedächtnis geblieben.

„Der erste Deutsche Meistertitel war etwas ganz Besonderes“, erzählt Souquet. Auch die erste Europameisterschaft 1985 mit der Mannschaft und den Einzeltitel im Jahr darauf nennt er. Und das Jahr 1995, als er in allen drei Disziplinen, die es damals gab, Europameister wurde. Als erster Spieler überhaupt. Der erste Weltmeistertitel 1996 habe dann alles bisherige getoppt. Auch an den zweiten WM-Titel 2008 denkt er gerne zurück. Ebenso an die Goldmedaille bei den World Games in Taiwan, als er im Finale den Lokalmatadoren deklassierte. Die Liste ließe sich wohl noch fortführen.

Bei den World Games sollte er eigentlich die Fahne bei der Abschlussfeier tragen. Nach seinem Finale kam er auf Grund einiger Termine jedoch etwas zu spät. Ein wenig träumt Ralf Souquet noch davon, dass Poolbillard olympisch wird und er das als Spieler erleben darf. Allerdings glaubt er eher, dass es nicht mehr klappt. Ziele hat er dennoch noch einige.

Vorrangigstes Ziel für das kommende Jahr ist, an die Form vergangener Tage anzuknüpfen. Das Jahr 2012 beschreibt er als „schlechtestes seiner Karriere“. Und das, obwohl er im Jahr zuvor weitere große Erfolge feierte. 2011 wurde er als bisher einziger Deutscher in die Hall of Fame des Billiard Congress of America aufgenommen. 2012 wurde er im Rahmen der Poolbillard-EM in Luxemburg zum Spieler des Jahres 2011 gewählt.

2012 war dann aber nicht sein Jahr. Erstmals seit vielen Jahren ist er etwa in diesen Tagen nicht beim „Ryder Cup“ des Billardsports dabei. Also beim Wettstreit Europa gegen USA. Er hat sich nicht qualifiziert können. Das soll sich im kommenden Jahr wieder ändern.

In den USA wird er ab Januar an der neuen Profiliga teilnehmen. Souquet geht für die Minnesota Outlaws (engl.: Gesetzlose/Banditen) an den Start. Am 18. Januar steht die erste Partie gegen Miami Cruise an. Vorher ist er in China in Sachen Billard unterwegs.

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