Alsdorf - Eine Förder-AG macht Studenten zu Lehrern

Eine Förder-AG macht Studenten zu Lehrern

Von: Holger Bubel
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Individuell und in ruhiger Lernatmosphäre: Englischlehrer Guido Becker unterstützt die frühzeitige Förderung. Studenten der RWTH Aachen sind wichtige Helfer in seinem Konzept. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Offene Türen rennt Guido Becker am Institut für Anglistik an der RWTH Aachen ein, wenn er für seine Sache wirbt: Den Studenten im Hauptstudium gibt der Englisch-Lehrer an der Alsdorfer Gustav-Heinemann-Gesamtschule nämlich die Möglichkeit, sich im Lehren zu erproben.

„Das ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten”, sagt Becker, der an der Schule auch die Sprachförderung koordiniert. Die Englisch-Förder-AG ist ein wichtiger Baustein im Konzept der Alsdorfer Gesamtschule, das ihr jüngst das Gütesiegel „Individuelle Förderung” des Schulministeriums NRW eingebracht hatte. „Die Schüler profitieren von der kostenlosen zusätzlichen Förderung, die die Studenten ermöglichen. Und die können wiederum erste Erfahrungen in dem Beruf sammeln, den sie in Zukunft ausüben wollen”, sagt Guido Becker. Das Engagement werde obendrein mit einem Seminar-Schein belohnt.

Dieser für das Studium relevante Schein ist für die 25-jährige Studentin Saskia Ursula Huppertz aber nicht allein ausschlaggebend gewesen, sich an der Kooperation zu beteiligen. „Ich habe zwar schon mal Nachhilfe gegeben, aber in einem Klassenraum vor mehreren Schülern zu stehen, ist doch etwas völlig anderes. Das ist eine sehr wertvolle Erfahrung.” Die wünscht sie sich auch für ihre Kommilitonen. „Ich kann jedem den Rat geben, sich bereits während des Studiums auf diese Weise zu probieren.” Bei ihr habe es den Wunsch, Lehrerin zu werden, noch verstärkt. Doch wer weiß? „Vielleicht ist bei einem anderen das Gegenteil der Fall.”

Zwar sind die Fördergruppen - im Schnitt mit zehn Schülern der sechsten Klassen - nicht so groß wie ein Klassenverband, aber alltäglichen Unterrichtssituationen kommen sie doch nahe. „So sollte es auch sein”, sagt Guido Becker. „In der Lehrerausbildung kommen die Studenten eigentlich viel zu spät in die Schulen. 40 Wochenstunden bei einem großen Praktikum reichen nicht aus für eine Standortbestimmung.”

Die Frage, wann es endlich an die Schule gehe, sei ein ständiger Begleiter der angehenden Lehrer. An der Gesamtschule haben sie nun die Möglichkeit, von einem Fachleiter angeleitet, ihre eigenen Ideen umzusetzen und als gleichwertiger Mitarbeiter pädagogische Erfahrungen zu machen. Bei den Schülern kommen die Studenten gut an. „Frau Huppertz ist sehr nett”, sagt der Sechstklässler Semir, „die kann ich mir sehr gut als Lehrerin vorstellen.” Doch nicht nur hohe Sympathiewerte sind das Resultat der Kooperation.

Die Leistungen der Schüler und ihre Noten haben sich deutlich verbessert. „Ich hatte ein paar Schwierigkeiten in Englisch. Durch die Förder-AG kann ich jetzt dem Unterricht besser folgen und bin sowohl mündlich als auch schriftlich um eine Note besser geworden”, sagt Camsu. Und Mitschüler Haris ergänzt: „Hier können wir den Stoff in aller Ruhe wiederholen und auch Fragen stellen, wenn wir etwas nicht sofort verstehen.”

Die Kooperation soll fortgeführt werden. Becker: „Diese frühzeitige Förderung ist ganz wichtig. Wenn die Schüler einmal den Faden verloren haben, ist es problematisch, ihn wieder aufzunehmen.” Und Saskia Ursula Huppertz wird dann vielleicht auch wieder dabei sein, um ihre pädagogische Ausbildung an der RWTH aus der reinen Theorie heraus und auf die Stufe der Praxis zu heben.
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