Einblick in die Baugeschichte von St. Willibrord

Von: mabie
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Vor gespannten Zuhörern: Der pensionierte Lehrer Heribert Kaußen referierte in der Kirche von Euchen über die vielseitige Geschichte des Sakralbaus. Foto: Markus Bienwald

Würselen. Fest steht, dass eigentlich gar nicht so viel feststeht: So könnte ein Fazit zur baugeschichtlichen Bewertung der Pfarrkirche St. Willibrord im Stadtteil Euchen lauten.

Wie Heribert Kaußen bei einer Führung anlässlich des 100-jährigen Beginns des letzten großen Umbaus der Kirche feststellte, ist eigentlich nur klar, dass der kleine Turm, der optisch ein kleines Loch durch das Dach der Kirche bricht, aus dem 13. Jahrhundert stammt. „Die Vorgängerkirche ist bereits 1725 abgerissen worden“, nannte der pensionierte Lehrer eine Zahl. Eigentlich eine Schande, so wurde dieser Sakralbau doch dem Baumeister Laurenz Meffardatis zugeschrieben, der sich schon bei vielen Projekten in der Region, wie beispielsweise das frühere Corneliusbad und dem Londoner Hof in der Kleinkölnstraße, eingebracht hat.

Gemeinsam mit einer Schar von Interessierten machte er sich dennoch auf einen durchaus interessanten Weg durch die Epochen. Während die Kirche von außen einen eher einheitlichen Eindruck hinterlässt, sind die Änderungen über die vielen Jahre im Inneren deutlich nachvollziehbarer. So wurde die Kirche vor allem auch innen durch die verschiedenen Bauten aus stilbildenden Händen immer wieder neu in ihrem Erscheinungsbild sortiert.

„Natürlich ist bei den Restaurierungen immer wieder auch einiges schiefgelaufen“, sagte Kaußen. Damit meint er beispielsweise die Neugestaltung der im nazarenischen Stil neu geschaffenen Wandmalereien rund um den Altar. Der Maler Emil Schumacher habe dies im Jahr 1924 völlig neu aufgearbeitet, statt, wie es vielleicht heute gemacht würde, die originalen Fragmente aus den Gründerzeiten des Gotteshauses so weit als möglich zu erhalten und zu schützen.

Verschiedene Stile

Letztlich ist aber dennoch eine sehr ansehnliche Gesamtkomposition entstanden, die aus den verschiedenen angewandten Stilen besteht. Kleine Marmorelemente mischen sich mit tragenden Säulen, aufwendig verarbeitete Rippen unter der Dachkonstruktion verraten die Liebe zum Detail und das Können der Baumeister.

„Während des Zweiten Weltkrieges lag Euchen 1944 gute zwei Monate unter starkem Beschuss durch die Amerikaner“, beschrieb Kaußen. Dadurch seien Teile des Dachs über dem heutigen Längsschiff völlig verloren gegangen. Bei den Instandsetzungsarbeiten sei einfacher gearbeitet worden, was beispielsweise die einfache Verkleidung der unter dem Dach befindlichen Deckenkonstruktionen erkläre.

Einzigartiger Anblick

„Rückgriffe auf die romantischen Bauformen haben natürlich für weitere Elemente gesorgt, die der Kirche ihren einzigartigen Anblick sichern“, schloss Kaußen. So sind früher in verschiedenen Quellen zitierte romantische Bauelemente im Laufe von Umbauten und Wiederaufbauten nach dem Krieg einfach verloren gegangen. Die in der Vorkirche von 1912 eingesetzte Holzkanzel blieb zwar bis 1931, aber auch sie verschwand im Laufe der Zeit und wurde 1931 durch eine gemauerte Kanzel ersetzt, die heute ebenfalls nicht mehr vorhanden ist.

„Früher waren Hochkanzeln eine Notwendigkeit, weil die aktuelle Technik mit Mikrofonen natürlich noch nicht verfügbar war“, beschrieb er. Neben den technischen Umbauten, die beispielsweise auch einen geänderten Altar bedingten, von dem heute noch vorhandene Platten zeugen, gab es natürlich auch gestalterische Änderungen.

„Früher waren die Kirchen durchweg dunkel ausgemalt“, machte er klar. Das ist heutzutage natürlich anders, so lassen sich auch die vielen schmückenden Elemente, wie beispielsweise eine weiße Herz-Jesu-Statue in ganz anderem Licht anschauen als in früheren Zeiten.

Nur wenig Licht ins Dunkel einer nicht undurchdringlichen, aber aufwendigen Geschichte brachten auch verschiedene alte Fotografien und Darstellungen des Euchener Kirchenbaus. Meist klein und eher dunkel konnten die Gäste sie eher als Illustrationen dessen verstehen, was früher das prägende Erscheinungsbild der Kirche ausmachte.

Dennoch brachte der geschichtliche Rückblick, zu dem die Gäste auch viele kleine Details beitragen konnten, einen guten Überblick über die Baugeschichte.

Fast völlig außen vor ließ Kaußen allerdings die Geschichte der Pfarren, die sich immer wieder in Auseinandersetzungen der Pfarren Broich und Euchen verlor. Schließlich war es schon eine bemerkenswerte Aufgabe, sich der Geschichte des Bauwerkes an sich so ausführlich zu widmen.

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