Würselen - Ein Schmuckstück fürs Aachener Kreuz

Ein Schmuckstück fürs Aachener Kreuz

Von: Michael Giesen
Letzte Aktualisierung:
pallen_4sp_bu
Die Erweiterungspläne des Möbelhauses Pallen würden das Entree zum Gewerbegebiet Aachener Kreuz an dieser Stelle (aus Richtung Oppener Straße gesehen) beträchtlich aufwerten. Und der Kreisverkehr dürfte den Verkehrsfluss deutlich beschleunigen.

Würselen. Die Pläne sollen - dem Vernehmen nach - schon etwas älter sein. Doch jetzt erst wurden sie den Würselener Kommunalpolitikern vorgestellt. Der Erweiterungsbau, den sich das Möbelhaus Wohnwelt Pallen hat entwerfen lassen, würde das Eckgrundstück Hauptstraße/Stolberger Straße im Gewerbegebiet Aachener Kreuz aus seinem Aschenputteldasein völlig herausreißen und zu einem städtebaulichen Schmuckstück aufwerten.

Die Akzeptanz in Würselens Verwaltung und in den Reihen der Politiker scheint jedenfalls groß zu sein.

Ulrich Wigand, der zuständige Beigeordnete, findet das Vorhaben der Pallen-Geschäftsführung „unterstützungswürdig”, ja, es würde sogar einen „erheblichen Gewinn” für das Stadtbild bedeuten.

Was die Sache für Wigand so „unterstützungswürdig” macht, ist zudem der Umstand, dass auf der neuen Verkaufsfläche von immerhin 6200 Quadratmetern keine innenstadtrelevanten Produkte (die dem dortigen Handel Kunden abwerben könnten) feilgeboten werden sollen, sondern diese zusätzliche Fläche soll allein dem Kernsortiment Möbel zugute kommen. Damit würde Wohnwelt Pallen alles in allem über 46.700 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügen.

Gewisse Zweifel

Der Vorsitzende der FDP-Fraktion, Hans Carduck, hegt in dieser Hinsicht gewisse Zweifel, weshalb er auch im Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung gegen den Verwaltungsvorschlag gestimmt hat, die Verfahren zur Änderung von Bebauungsplan und Flächennutzungsplan weiter zu betreiben.

Er glaubt nicht, dass es bei den genehmigten 2500 Quadratmetern für innerstädtisch relevante Sortimente bleibt, und hätte gerne eine entsprechende verbindliche Erklärung seitens der Firma. Der liberale Carduck, seit 35 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv, früher über viele Jahre für die SPD, hat spätestens seit der Diskussion um den Verbleib des Möbelhauses Porta in Würselen das Vertrauen in die Pallen-Geschäftsführung verloren. Die Alternative „Porta oder Bauhaus” habe sich nie gestellt.

Für den Heimwerkermarkt Bauhaus sei ein Grundstück vorgesehen gewesen. Carduck: „Wir hätten Porta und wir hätten Bauhaus gehabt!” Dass der Landesbetrieb „Straßen NRW” seit längerem einen Ausbauplan der Kreuzung Oppener Straße/Stolberger Straße/Hauptstraße zu einem Kreisverkehr in der Schublade hat, passt wie gerufen zu den Pallen-Plänen. Sollte das Geld angesichts neuer Konjunkturprogramme der Bundesregierung fließen, steht dem Umbau nichts im Wege.

Regionaler Konsens muss hingegen für die Ausbaupläne bei Pallen gesucht werden. Das sieht insbesondere eine noch recht frische Änderung des Landesentwicklungsprogramms vor. Bisher gebe es noch keine regionale Regelung, was eine weitere Expansion im Aachener Kreuz angehe, sagt Detlef Funken von der Städteregion Aachen mit Blick auf das städteregionale Einzelhandelskonzept „Strikt” zum Schutz der Städte und der Nahversorger: „Das Thema kocht auch dort immer hoch.” Da der Möbelstandort Würselen mehr Kaufkraft binde, als dort tatsächlich vorhanden sei, müsse sich Würselen beispielsweise mit Aachen „vernetzen” und sich quasi - auf dem Papier - Kaufkraft ausleihen.

Für Manfred Piana, Geschäftsführer des Aachener Einzelhandelsverbandes, sind die Pallen-Pläne gänzlich neu. Allerdings: Verwundert ist er nicht darüber. Schließlich passe das zum Strukturwandel im Möbelhandel, der immer mehr in die Fläche gehe. Und das heißt eben auch: raus aus den Innenstädten. Dort tummeln sich eher kleinere und kleine Anbieter, die Nischen besetzen. Zum Beispiel in puncto Kücheneinrichtungen.

Gerade in dem Bereich hat es allerdings zum Ende des vergangenen Jahres laut Piana die größten Einbrüche gegeben. Piana: „Insgesamt steht die Möbelbranche in Anbetracht der Finanzkrise noch gut da.”

Was das Unternehmen dazu bewegt, in so kritischen Zeiten mutig an Investition zu denken, das hätten wir gerne von Geschäftsführer Hans-Peter Simons erfahren. Doch der war, aus dem Urlaub zurück, am Donnerstag nicht erreichbar.

Kommender Kreisverkehr am Kaninsberg unter enger Raumplanung

Am Würselener Kaninsberg wird sich in naher Zukunft einiges verändern. Über die Ausbaugedanken des Möbelhauses hinaus war die Entscheidung des nordrhein-westfälischen Landesbetriebs für Straßenbau in Euskirchen/Aachen („Straßen NRW”) längst gefallen, die von Fahrzeugen hochfrequentierte Kreuzung zwischen der Innenstadt, Broichweiden, Verlautenheide und Haaren in einen großen Kreisverkehr umzuwandeln.

Bislang regeln Ampeln den mehrspurig zufließenden Betrieb am Kaninsberg.

Der kommende Kreisverkehr dort bringt nach Darstellung von Straßen NRW Gesetzmäßigkeiten mit sich, die durch externe private Planung nicht gestört werden dürfen. Darauf machte Behördensprecher Dipl.-Ing. Gregor Uhoda auf Anfrage aufmerksam. Zum festgelegten Umfang gehören auch Reserveflächen, Rad- und Fußwege; Grundstückszufahrten im nahen Umfeld des Kreisverkehrs bedürfen besonderer Planung.

Die Stadt Würselen steht bei Straßen NRW - wegen der verkehrsführenden Landesstraße 136 zuständig - in der Pflicht, ihre Vorhaben und externe Genehmigungen dem Landesbetrieb nicht entgegen zu stellen. Die Verhältnisse am Kaninsberg, so Gregor Uhoda, bedingen eine raumenge Planung. Anker sind dabei das Gewerbegebiet Alter Kaninsberg sowie die Tankstelle, die „unverrückbar” sind.

Ausgleichsflächen bieten sich folglich nur auf den gegenüberliegenden Seiten. Davon hat das Möbelhaus eine Front bereits im Modell geschlossen gestaltet.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert