Ein ganzer Dachboden voller Alsdorfer Dinge

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
Oben Alsdorf, unten Alsdorf: P
Oben Alsdorf, unten Alsdorf: Plakate und Bücher decken bei Alfred Reimund komplette Wände ab.

Alsdorf. Hier ein Telefon mit Wählscheibe, das vor langer Zeit auf einem Schreibtisch im Rathaus stand. Dort ein Spielautomat, der früher in der Kneipe gleich um die Ecke hing. Daneben Urgroßmutters Milchkanne, alte Fotoapparate vom Nachbarn und Bücher, Bücher, Bücher.

Es gibt wohl manche, die Postkarten mit Motiven ihrer Heimatstadt aufheben. Aber kaum einen, der derart hemmungs- und grenzenlos sammelt, wie Alfred Reimund.

Der hortet nämlich so ziemlich alles, was auch nur im entferntesten mit Alsdorf zu tun - und sei es ein Aufnäher des ortsansässigen Judo-Clubs. Auch der ist ein Fall für seine Dachkammer. Pardon: sein kleines Heimatmuseum.

So nennt es der Zopper zwar nicht, aber die Anordnung in den Räumen hat durchaus etwas museales. Dass der Mann kein Messie ist, der wahllos Dinge aufhebt und sie auf dem Dachboden mal hier-, mal dorthin stopft, sieht man auf den ersten Blick.

Hier hat alles seine Ordnung: Auf alten Tischen hat er Porzellan und Silberbestecke drapiert, auf einer Truhe stehen Schreibmaschinen von anno dazumal und von der Decke baumeln Tassen und Flaschen mit Alsdorfer Motiven. Da wird jeder Zentimeter genutzt. Mit der Präsentation kennt er sich eben aus. „Ich hatte früher mal einen Blumenladen”, sagt er und lacht.

Ein Sammler ist er noch gar nicht so lange. Vor ein paar Jahren hat er begonnen, Dinge aus ganz Deutschland zu sammeln. Souvenirs, die er von seinen Reisen mitbrachte: Stadtpläne, Postkarten, solche Dinge. Die wollte er vor allem seinen Enkeln zeigen. „Die jungen Leute geben doch heute nur noch Adressen in das Navi ein und fahren los. Wo die einzelnen Orte wirklich liegen, wissen die oft gar nicht mehr”, sagt er.

Also sollte die Sammlung auch lehrreich sein - bis er merkte, dass Deutschland als Sammelgebiet vielleicht eine Spur zu groß ist. Also hat er sich auf Alsdorf beschränkt, obwohl „beschränkt” nicht wirklich zutrifft.

Schließlich packt er alles ins Archiv, was irgendwann mal in Alsdorf war. Selbst ein alter Quelle-Katalog von der Nachbarin findet sich. „In zehn Jahren ist auch der historisch”, sagt er. Geschichte ist hier halt, was man draus macht.

Täglich wird gescannt

Andere Dinge haben da schon mehr Bezug zur Stadt. So hebt er alle Plakate von Stadtfesten auf, Infoflyer der Parteien und selbst die Glühweintassen vom Alsdorfer Weihnachtsmarkt. Ordentlich katalogisiert sind auch die Fotos aus der Bergmanszeit und die Jahresblätter des Geschichtsvereins.

Er weiß, wo er jederzeit alles wiederfindet. „Ist hier abgespeichtet”, sagt er und tippt sich an die Stirn. Und fällt ihm doch mal was nicht ein, weiß der Computer sicher Rat. Täglich schneidet er alle Artikel mit Alsdorf-Bezug aus seiner Zeitung aus und heftet sie ab - nachdem er sie eingescannt hat und mit Datum im PC abgelegt hat.

Auch jedes seiner Ausstellungsstücke hat er derart katalogisiert. „Jeden Tag nehm ich mir ein, zwei Stündchen Zeit dafür”, sagt er, „man muss schon am Ball bleiben, sonst verliert man schnell den Überblick. Die Sicherheitskopien verteilt er über gleich drei Festplatten. Die sind im Grunde selbst Ausstellungsstücke. Denn in ein paar Jahren sind sie schließlich ebenfalls historisch...
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