Diese Prüfung ist wirklich streng geheim

Von: Anja Klingbeil
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Taschenrechner sind erlaubt: Schließlich liegt das Hauptaugenmerk bei der Pisa-Studie wieder auf Mathematik. Foto: Anja Klingbeil

Alsdorf. Diese Prüfung ist streng geheim. Selbst den Lehrern ist es verboten, ihren Schülern über die Schulter zu schauen. Der Blick ins Testheft ist tabu. Das ist wichtig, um sowohl den Datenschutz als auch die Verwertbarkeit der Daten und die Vergleichbarkeit des Testverfahrens zu gewährleisten, heißt es in der schriftlichen Begründung für Aufsichtslehrkräfte.

In diesen Tagen stellen sich Mädchen und Jungen der Realschule Ofden dem internationalen Vergleich. Die Pisa-Studie 2012 steht auf dem Stundenplan.

Nach 2009 ist die Alsdorfer Realschule bereits zum zweiten Mal mit dabei. Unter mathematischen Gesichtspunkten ist das durchaus ungewöhnlich, findet Realschulleiter Peter Lambertz: „Immerhin gibt es 6000 Schulen im Land. Da ist die Wahrscheinlichkeit schon sehr gering, zweimal hintereinander per Zufallsgenerator gezogen zu werden.”

Im Gesamtvergleich war die Realschule bei der Pisa-Studie 2009 in der sehr starken oberen Mitte gelandet. „Wir haben uns ganz gut eingeordnet gefühlt”, sagt Lambertz, der betont, dass sich seine Schüler beim Pisa-Test auch mit Gymnasiasten vergleichen lassen müssen. Ein Ergebnis hat den Realschulleiter ganz besonders stolz gemacht. Auf die Frage „Wenn ich zusätzliche Hilfe brauche, bekomme ich sie von meinen Lehrern” antworteten 83 Prozent der Ofdener Realschüler mit „stimme voll zu”. Das ist auch deswegen beachtlich, weil der bundesdeutsche Schnitt bei dieser Frage nur bei 70,5 Prozent liegt. Kein Wunder also, dass das gute Abschneiden Schwarz auf Weiß am Eingang der Schule im Schaukasten hängt.

Vor rund zwei Monaten flatterte der Einrichtung die Benachrichtigung ins Haus, dass sie auch im fünften Zyklus der Studie mit dabei ist. Ab da drehte sich der Verwaltungsapparat: Listen der Schüler wurden an das beauftragte Institut verschickt, eine Auswahl getroffen, welche Schüler zur Testung kommen.

Lernstandards entwickeln

Für das Institut (IEA Data Processing and Research Center in Hamburg) gab es stets nur Nummern, nie die Namen der Mädchen und Jungen. Anonymität ist bei der Pisa-Studie oberstes Gebot. Auch die Schule wird nie erfahren, welcher Schüler wie abgeschnitten hat, sie erhält nur das Gesamtergebnis. Getestet wurden an zwei Tagen fast vollständig die Klassen 9 a und c sowie 25 weitere 15-Jährige aus den Klassen sieben bis zehn. „Für uns ist das schon ein hoher Verwaltungsaufwand, aber er ist zu bewältigen”, sagt Peter Lambertz.

Doch er lohnt sich. Denn, so sagt Lambertz, nach den vergangenen Pisa-Studien hat sich bereits viel getan. Die Entwicklung von Lernstandards hatte auch Auswirkungen auf den Unterricht. Der Prozess an den Schulen laufe stetig weiter. „Das war am Anfang natürlich alles ganz ungewohnt und neu. Aber mittlerweile ist eben eine Klassenarbeit sehr viel bunter als früher. Ich finde das positiv”, sagt Peter Lambertz.

Getestet wird an der Realschule Ofden zwei Tage lang. Für jeden Schüler gibt es einen individuellen Fragenbogen. Abschreiben ist somit nicht möglich. An zwei Vormittagen müssen die Mädchen und Jungen durch das sogenannte „Paper & Pencil”. In diesem schriftlichen Test sind logisches Denken und mathematische Grundkenntnisse gefragt. Die gestellten Aufgaben sind immer in eine kleine Geschichte eingebettet, aus der sich mehrere Textaufgaben ergeben. Für jede Aufgabe steht eine bestimmte Zeit zur Verfügung. Überprüft und überwacht werden die Schüler dabei von externen Testleitern. Sie tragen Sorge dafür, dass niemand außer den Jugendlichen die Testaufgaben zu Gesicht bekommt und dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Für das „Computer Based Assessment” brachte die Testleiterin sogar eigene Laptops mit. Die Schulcomputer durften nicht benutzt werden. Die ausgefüllten Testbögen wurden jeweils auf einem USB-Stick gespeichert, der nach Testende direkt zur Auswertung verschickt wurde. Und wie schwer war der Pisa-Test nun? „Es geht. Manche Fragen waren leicht, andere wiederum etwas schwerer”, sagt Tobias Hebestreit. Auch Burak Yildirim ist recht selbstbewusst nach der Prüfung. „Wir werden mit Sicherheit Erster”, schmunzelt der 15-Jährige.

Ergebnisse gibt es erst 2013

Auf die Ergebnisse müssen Schüler und Schule noch warten. Sie sollen 2013 veröffentlicht werden. Welche anderen Schulen beim Pisa-Test noch genau unter die Lupe genommen wurden, ist indes nicht bekannt. Eine Auskunft, so das zuständige Institut, ist nicht möglich - aus Gründen der Geheimhaltung, versteht sich.

Mathematik ist zum zweiten Mal der Schwerpunkt

Die Abkürzung Pisa steht für „Programme for International Student Assessment”. Weltweit werden Schülerleistungen erfasst und miteinander verglichen. Die Studie wird im Auftrag der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) durchgeführt.

Abgebildet werden die grundlegenden Kompetenzen von 15-jährigen Schülern. Dabei geht es nicht darum, das im Unterricht Erlernte wiederzugeben, sondern das Wissen anzuwenden. Dabei werden auch Informationen über die Bedingungen des Lernens gesammelt, um aufzudecken, wo Handlungsbedarf entsteht.

Als langfristig angelegtes Projekt prüft Pisa Schüler im Abstand von drei Jahren in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Im Jahr 2012 ist die Mathematik zum zweiten Mal Schwerpunkt der Studie, an der insgesamt 68 Staaten teilnehmen.
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