Herzogenrath - Die rechte Szene im Umfeld der Rodastadt

Die rechte Szene im Umfeld der Rodastadt

Von: Michael Klarmann
Letzte Aktualisierung:

Herzogenrath. Für ihn hat der Zweite Weltkrieg nie aufgehört. „Der erklärte Kriegszustand” sei „noch nicht beendet,” sagt Lothar E. und meint, nicht Hitler, sondern die Alliierten hätten den Krieg begonnen.

„Es ist kein heißer Krieg, der jetzt gegen das deutsche Volk Jahrzehnte nach 1945 geführt wird, dieser Krieg wird mit geistigen Waffen ausgefochten. Da seid ihr nun gefordert, ihr junge Generation!”, fordert der Kohlscheider die rund 100 Neonazis in dem mit Flaggen ausstaffierten Saal in Erftstadt dazu auf, die Demokratie zu bekämpfen.

Der Mittachtziger war SS-Standartenjunker bei der Leibstandarte Adolf Hitler. Am 6. November war E. daher auch „Ehrengast” auf einer „Kampfversammlung” von Neonazis aus der Region Aachen-Köln. Seit langem ist der Herzogenrather in der braunen Szene aktiv, sprach bei NPD- und Neonazi-Treffen.

Der Altersdurchschnitt unter den Zuhörern in Erftstadt dürfte um die 22 Jahre liegen. Zu Beginn hatte man gemeinsam ein Kampflied der „Hitler Jugend” gesungen. Herzogenrath wehrt sich schon seit Jahren gegen Fremdenfeindlichkeit. Schon 2000 wurde eine Resolution gegen Rassismus verabschiedet, später entsprechende Schilder aufgestellt.

2008 trat die Stadt der Toleranz-Initiative „Orte der Vielfalt” bei. Im Vorfeld der Kommunalwahlen 2009 verhüllte man symbolisch das Rathaus, weil man keine rechtsradikalen Parteien im Rat haben wollte. Schon im Januar hatten Schüler im Beisein von Bürgermeister Christoph von den Driesch am Gymnasium infolge rechter Schmierereien ein Schild eingeweiht - Aufschrift: „Rechts ohne uns!” Später wurde es beschmiert und gestohlen.

Von den Driesch (CDU) hatte schon 2008 im Wahlkampf mit Drohgebärden zu tun. Nachdem sein Vorgänger Gerd Zimmermann (CDU) das Amt aufgab, übernahm er als Erster Beigeordneter kommissarisch das Amt. Zweimal hatte ein Neonazi ihm im laufenden Wahlkampf mit einem rechten Aufmarsch gedroht.

Die Verwaltung hatte dem damals führenden Kopf der Gruppierung „Nationaler Widerstand Herzogenrath” (NWH) zuvor Reinigungskosten für das Entfernen rechter Aufkleber in Rechnung gestellt. Sowohl bei einer Podiumsdiskussion der Bürgermeister-Kandidaten als auch via Internet hatte der zuvor mehrfach strafrechtlich aufgefallene Heranwachsende mit dem Aufmarsch gedroht. Er wollte so erreichen, dass die Verwaltung - anstatt sich gegen Fremdenfeindlichkeit zu engagieren - einen „Aktionsplan gegen Linksfaschismus” startet.

Wahlinfostand attackiert

Während der NWH in Merkstein und im Stadtkern aktiv war, zeigen sich Mitglieder der „Kameradschaft Aachener Land” (KAL) in Kohlscheid umtriebig. Im Mai 2009 warfen dort Vermummte - mit hoher Wahrscheinlichkeit Neonazis - einen Infostand der Partei „Die Linke” um. Mehrfach wurden 2008 und 2009 Herzogenrather Schulen mit rechten Parolen und Symbolen besprüht, 2008 glorifizierten NWH-Aktivisten mit illegalen Sprühaktionen den ehemaligen Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß. Ebenso 2008 nahmen Neonazis Jugendlichen nahe des Roda-Rock-Festivals eine Fahne der Antifa-Szene ab. Ein Kopf des NWH soll dabei einem der Punks in den Rücken gesprungen sein.

Mai 2008: Einzelne Spieler des A-Jugendteams des Kohlscheider BC verabreden sich vor einem Freundschaftsspiel gegen SC Yurdumspor Aachen mit Neonazis und rechten Hooligans, um die türkischen Kicker zu provozieren. Die Partie wird später wegen Tumulten abgebrochen.

Der Verein distanziert sich und ermahnt die Kicker scharf. Zudem schließt sich der KBC der Kampagne „Fußballvereine gegen Rechts” an - doch in der damaligen A-Jugend kickten zeitweise drei Neonazis mit. Einer davon ist außerhalb des Spielfeldes wiederholt wegen Gewalttaten und Bedrohungen gegenüber Migranten und Nazigegnern aufgefallen. Der Heranwachsende besuchte auch das Neonazi-Treffen in Erftstadt.

Die Veranstalter selbst schrieben darüber, das Treiben im Saal habe „an die bekannten Bilder von überfüllten Versammlungen der NSDAP in der Weimarer Republik” erinnert.
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