Die Parallelen zwischen Wilhelm Busch und Charles Bukowski

Von: Sabine Busse
Letzte Aktualisierung:
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Rezitator mit Klang und Namen: Lutz Görner vor seinem Abendauftritt mit „Wilhelm Busch trifft Charles Bukowski” im Alten Rathaus Würselen mit der dortigen Kulturchefin Sigrid Kerinnis.

Würselen. Eigentlich waren es drei Männer auf der Bühne: Lutz Görner hauchte in seinem Programm „Wilhelm Busch trifft Charles Bukowski” beiden Künstlern für einen Abend Leben ein. Dabei erzählte der Rezitator humorvoll und engagiert im voll besetzten Alten Rathaus die Lebensgeschichten der Literaten. Und ergänzte die Lebensphasen mit jeweils passenden Gedichten.

Was den Abend zu einer rundum stimmigen Sache machte, auch wenn die beiden Literaten wohl eher zufällig in einem Programm des Rezitators gelandet sind. Denn ihre Gemeinsamkeiten sind hauptsächlich biografischer Natur: Busch und Bukowski litten in der Kindheit unter pedantischen Vätern, die keinen Zweifel daran ließen, dass sie sich ihren Sohn ganz anders wünschten.

Derart gedemütigt und ungeliebt, hatten sie ihr Leben lang mit einem angeknacksten Selbstwertgefühl zu kämpfen. Und suchten Trost im Alkohol. Doch trotz ruinösen Lebenswandels wurden beide über 70 Jahre alt - und das als reiche Männer.

Wilhelm Busch, der Zeichner mit der ebenso spitzen Zunge wie Feder, litt nicht nur unter seiner schweren Kindheit. Er war als Künstler seiner Zeit voraus und erfand mit seinen satirischen Zeichengeschichten den Comic. Seine Bilder, die er nie ausstellte und meist von Selbstzweifeln gequält zerstörte, bewerten Kenner heute als eine Vorstufe des Impressionismus.

Wer so unerbittlich gegen sich selbst ist, weiß auch bei anderen den Finger in die Wunde zu legen. Busch sezierte in seinen Gedichten die Kultur beflissene Bourgeoisie „Und im Salon mit geistverwandten, ästhetisch durchgeglühten Tanten.”

Lutz Görner untermalt den Text dazu mit blasiertem Gesicht oder gekonnter Gestik und provoziert so manchen zusätzlichen Lacher. Oder er mimt den sturztrunkenen Meister Zwiel, dem in der kalten Winternacht die Haustür zum Verhängnis wird: „Das Schlüsselloch wird leicht vermisst, wenn man es sucht, wo es nicht ist.”

Der zweite Teil des Abends gehörte Charles Bukowski. Die Zuschauer erfuhren viel über dessen verschlungenen Lebensweg, denn auch das einstige Enfant terrible der amerikanischen Literatur bekannte sich erst spät zu seiner Berufung. Genau wie Wilhelm Busch verarbeitete er manche Niederlage mit Humor. So entstanden teilweise schonungslose und oft knapp am Banalen vorbeischrammende Gedichte, die er zum Schluss mit leichter Hand mit einem Schuss Komik versah.

Nach zwei recht unterschiedlichen aber sehr unterhaltsamen Programmteilen verabschiedete sich Lutz Görner, nicht ohne für den Kulturstandort Altes Rathaus in Würselen geworben zu haben. Das Publikum dankte ihm den Abend mit langem Applaus.
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