Die Leser begeistern für die Heimatgeschichte

Von: ehg
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Günter Breuer (vorne l.) stel
Günter Breuer (vorne l.) stellte im Beisein von Achim Großmann (r.), Günter Kölling (oben l.), Heinz-Josef Küppers und Werner Birmanns das Buch „Von der Klanten-Moelen bis Wormsalt” vor. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Die Kulturstiftung Würselen strotzt nur so vor Tatendrang: Vor gut einem Monat erst schaltete sie ihre Kulturnetz-Seite im Internet. Nun stellte sie unter dem Titel „Von der Klanten Moelen (Adamsmühle) bis Wormsalt” ihr erstes Buch der „Schriftenreihe Kulturarchiv Würselen” vor.

In ihr sollen - so Vorsitzender Achim Großmann - in loser Folge heimatgeschichtliche Themen aufgegriffen und publizistisch aufbereitet werden. „Es ist für uns ein wichtiger Tag. Haben wir doch das erste Projekt zusammen mit dem Kulturarchiv realisiert”, gab er den Startschuss für eine Publikationsreihe. Dankbar sei er dafür, dass Günter Breuer als Autor für diese Idee gewonnen werden konnte. Die Kulturstiftung fördert die Herausgabe des ersten Buches durch einen Druckkostenzuschuss in Höhe von 1000 Euro.

Günter Breuer, der die Abteilung Verwaltung der Hochschulbibliothek der RWTH Aachen leitet, hat bereits verschiedene heimatgeschichtliche Werke verfasst. Als Würselener freue er sich, erneut ein historisches Werk über die Stadt vorlegen zu können. Überzeugt sei er davon, auch allen Ahnen- und Familienforschern eine Hilfestellung geben zu können. Keine Frage: Durch sein Buch wird die heimatgeschichtliche Wissenstiefe vergrößert und auch ein Impuls zu neuen Nachforschungen geliefert.

Es freuen sich auch Heinz-Josef Küppers, der Leiter des Kulturarchivs, und der Erste Beigeordnete der Stadt, Werner Birmanns, über die Herausgabe des ersten Buches der Kulturstiftung. Küppers: „Nun werden wir noch mehr Menschen in der Stadt für geschichtliche Themen aus Würselen, Bardenberg und Broichweiden begeistern können”. Angesichts der engen Finanzlage sei die Stadt für solche Initiativen äußerst dankbar, ergänzte Birmanns. Als versierter Herausgeber von Schriften brachte der stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende Günter Kölling seine Erfahrungen mit ein.

Wie Breuer erläuterte, stellt das Buch „Von der Klanten-Moelen bis Wormsalt” erstmals für das Gebiet der Stadt Würselen die bislang bekannten Erstbelegungen für zugehörige Ortsteile und Wohnplätze zusammen. In dem wissenschaftlich angelegten Werk werden zu jedem Ortseintrag die historischen Ortsnamen mit dem Datum der Erstbelegung, die Zitierung im Kontext und die Quellenangabe geliefert. Es folgen Angaben zu gegebenenfalls vorliegenden Drucken, Textzusammenfassungen (Regesten), Übersetzungen der Quellen, die faksimilierte Quelle, die Textedition und bei Quellen in lateinischer Fassung die deutsche Übersetzung. Eine große Zahl der Quellen wird erstmals vollständig veröffentlicht.

Otbert in Bardenberg

Bei den Quellen ist Breuer, der Romanistik, Slawistik und Osteuropäische Geschichte studierte, auf zahlreiche Würselener Personen- und Familiennamen gestoßen. Dabei lässt sich in seinem Buch die Entwicklung von den reinen Vornamen des frühen Mittelalters zu den so genannten Übernamen, die beispielsweise nach körperlichen Eigenschaften oder nach Tätigkeiten und Berufsmerkmalen gebildet wurden, bis hin zu den verfestigten Familiennamen verfolgen. So hatte im 9. Jahrhundert ein Otbert in Bardenberg Besitz und im frühen 12. Jahrhundert wird ein Cunradus/Konrad erwähnt. Hierbei handelte es sich um einen hochrangigen Reichsministralen, der in Morsbach geboren wurde. Im frühen 15. Jahrhundert tauchen die verfestigten Familiennamen auf, die bis in die Neuzeit nachzuweisen sind, wie Graf (Groef), Sturm (Storm), Niess/en (Nyss), Kohnen (Coenen), Meister, Leuchter (Luchter), Kapellmann (Kapelman), Zimmermann (Tzymmermann), Krauthausen (Cruythuyss), Lynen, Voßen und Boeven, um nur einige zu nennen.

Mit Mund, Hand, und Halm

Die meisten der von Breuer für die Ermittlung der Erstbelege Würselener Ortsnamen herangezogenen Quellen haben Rechtsgeschäfte zum Gegenstand. Unter anderem handelt es sich um Belehnungs- und Übertragungsvorgänge, eine Zehntteilung oder eine Zollbefreiung. Einen großen Teil stellen Aachener Schöffenurkunden (zumeist aus dem Bestand des Pfarrarchivs St. Sebastian), in denen Verpachtungen von Ländereien und Vormundschafts-Angelegenheiten geregelt werden. Breuer: „Grundbesitzübertragungen wurden ?mit Mund, Hand und Halm besiegelt.”

Wie eine Straftat geahndet wurde, erfuhr er aus einem Stiftungsbrief für einen Sühnealtar in der Kapelle des ehemaligen Aachener Dominikanerklosters an der Jakobstraße, später Pfarrkirche St. Paul) aus dem Jahre 1396. Im Zusammenhang mit der Aufzählung der Stiftungsgüter werden eine Reihe von Würselener Ortsnamen erwähnt. Zu Ehren kommt auch das für das Amt Wilhelmstein zuständige Gericht, das nach der Verwaltungsorganisation des Herzogtums Jülich in Linden angesiedelt war. Das 160 Seiten umfassende Buch ist im örtlichen Buchhandel zum Preis von 29,90 Euro erhältlich.
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