Nordkreis - Die Kandidaten bringen sich in Position

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Die Kandidaten bringen sich in Position

Von: Holger Bubel
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Standen den interessierten Wä
Standen den interessierten Wählern im Castorhaus Rede und Antwort: Die Nordkreis-Kandidaten (v.l.) Hendrik Schmitz (CDU), Sylvia Köhne (Freie Wähler), Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD), Kai Baumann (Piraten), Marika Jungblut (Linkspartei), Dr. Werner Pfeil (FDP) und Horst-Dieter Heidenreich (Grüne). Foto: Holger Bubel

Nordkreis. Dass die Kolpingsfamilie Alsdorf kurz vor Wahlen ins Castorhaus lädt, um die Kandidaten vorzustellen, hat Tradition. Und auch diesmal begrüßte Vorsitzende Martina Saffer-Klein zahlreiche interessierte Bürger aus dem Nordkreis. Fast „ausverkauft”, durfte sie mit Blick auf die rund 130 Politik-Interessierten konstatieren.

Ob allerdings die angetretenen Kandidaten für die Landtagswahl am 13. Mai wirklich überzeugend die Werbetrommel für sich haben rühren können, musste dann nach knapp zweieinhalb Stunden wohl jeder einzelne für sich entscheiden. Der eine oder andere „Fanclub”, der auch bei weniger überzeugenden Antworten laut applaudierte, war ohnehin bereits im Vorfeld von seinem Kandidaten überzeugt.

Einladung zum Diskurs

Deutlich weniger hingegen der eine oder andere kritische Nordkreis-Bürger im Auditorium, das von Moderator Karl Stüber, Redakteur bei dieser Zeitung, zur Teilnahme am Diskurs eingeladen wurde. Wie gut die potenziellen Düsseldorf-Pendler ihre Wahlplakatslogans verinnerlicht hatten, testete Stüber bei der Vorstellung der Kandidaten.

Unweigerlich kam dabei die Frage auf, warum denn bitteschön die Currywurst SPD ist - oder umgekehrt. Diesem Slogan noch einen politischen Aspekt abzuringen, bemühte sich Eva-Maria Voigt-Küppers: „Politik ist ja nicht immer nur humorlos. Über diesen Slogan wurde demokratisch im Internet abgestimmt. Das ist doch die Beteiligung, die alle wollen”, rechtfertigte sie das Plakat wohl auch mit einem Seitenblick auf die Piraten, deren Steckenpferd das World Wide Web ist. Sie räumte allerdings auch ein, dass vielleicht ja auch „Wähler anderer Parteien” für die Currywurst abgestimmt hätten. . . : „Munkelt man jedenfalls.”

Der Mann, der nach eigenen Angaben „anpacken” kann, CDU-Kandidat Hendrik Schmitz, betonte, dass es nicht „das Plakat ist, das uns wichtig ist, sondern die klare Aussage”. Applaus.

Doch Wahlslogans interessierten die Zuhörer nur wenig. Klare Sachpolitik wurde von ihnen gefordert. Etwa zur Haushalts- und Finanzpolitik des Landes. Gerade diese habe Sylvia Köhne, die für die Freien Wähler antritt, in die Politik geführt: „Wir wollen die Verschuldungspolitik stoppen. Ich kann einfach diese leeren Versprechen nicht mehr hören, die von den etablierten Parteien gemacht werden. Wir wollen reale Wege beschreiten.” Dazu gehört nach Ansicht der Würselenerin auch die Erhöhung der Spitzensteuersätze: „Großverdiener sind durchaus bereit, Geld abzugeben.”

Eine Vermögenssteuer forderte Marika Jungblut von der Linkspartei: „Das würde 4,3 Milliarden Euro alleine in NRW in die Kassen spülen”, betonte sie, was letztlich den völlig überschuldeten Kommunen zu Gute käme, die die Last verfehlter Landes- und Bundespolitik zu tragen hätten.

Dr. Werner Pfeil, FDP-Kandidat, favorisiert bei der Schuldenbekämpfung den Bürokratieabbau und eine Reduzierung der Ausgaben insgesamt durch Sparmaßnahmen.

Thema: Landeshaushalt

Doch einmal bei den Bürgern nachzufragen, wo Einsparungen am sinnvollsten sind, war die Position des Piraten Kai Baumann. Der Herzogenrather appellierte bei seinen Statements bei allen Fragen zur Politik, auf jeden Fall die Basis zu befragen. Um den Landeshaushalt zu entlasten empfahl der Grüne Horst-Dieter Heidenreich, Betriebs- und Steuerprüfungen zu vertiefen und den Solidarpakt nicht nach der Himmelsrichtung, sondern nach den Bedürfnissen zu gestalten. „Da muss ein größeres Engagement seitens der Bundesregierung kommen”, fordert Heidenreich.

Parteiübergreifend Konsens herrschte darüber, dass in der Sozial- und Familienpolitik die Stellschrauben nachjustiert werden müssten. Nur die Wege dahin zeichneten sich unterschiedlich ab: „Soziales ist ein weites Feld. Aber die beste Sozialpolitik ist eine Politik, die Arbeit schafft”, vertrat Hendrik Schmitz eine bekannte CDU-These.

Eva-Maria Küppers sieht das Zentrum der Sozialpolitik in der Familie: „Eltern müssen einem Beruf nachgehen können und dabei ihre Kinder gut aufgehoben wissen.” Dazu müsse Geld in die Hand genommen werden, um „perspektivlose Biografien” zu vermeiden. In Bildung und Sprachförderung von Migrantenkindern sieht Dr. Pfeil einen gangbaren Weg.

Weil Vollbeschäftigung eine Utopie sei und in (noch unabsehbarer) Zukunft Roboter „die Stütze unsere Sozialsystems, die Arbeit, übernehmen”, sollte nach Ansicht des Piraten Baumann ein jeder ein Anrecht auf ein Grundeinkommen haben.

Lokal wurde es dann auch. Besonders die Erweiterung des Flugplatzes Merzbrück, die von der rot-grünen Landesregierung auf Eis gelegt wurde, sorgte für Diskussionen. Hendrik Schmitz, ein Befürworter der Pläne zur Verlängerung und Verschwenkung der Rollbahn, stand mit seiner Position weitgehend alleine: „Wir brauchen eine solche, damit sich unsere Region wirtschaftlich weiter entwickelt.”

Sylvia Köhne fasste sich kurz: „Der Ausbau ist Schwachsinn. Die Verkehrsanbindung ist schon spitze.” Dafür erhielt sie Zustimmung von Marika Jungblut. Kai Baumann würde dazu ganz gerne die Bürger befragen, während Dr. Werner Pfeil mahnte, dass davon auch der Verbleib des RWTH-Instituts abhänge.

In Infrastruktur zu investieren, befürwortet Heinz-Dieter Heidenreich. „Aber nicht in den Flugplatz, sondern in Bahnverbindungen, etwa nach Belgien und in die Niederlande.”
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