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Die Idylle birgt bisweilen auch Probleme

Von: Karl Stüber
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Aus Sicht der Bürgerinitiativ
Aus Sicht der Bürgerinitiative verzichtbar: die Buslinie AL5 Ofden. Viele Eltern schicken ihre Kinder lieber auf das Gymnasium in Herzogenrath. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Tief im Süd-Westen von Alsdorf liegen Duffesheide und Reifeld. Nett und beschaulich ist es dort - und ruhig. So ruhig, dass es schwierig ist, von dort weg- und hinzukommen - ohne fahrbaren Untersatz.

Das ist für Heranwachsende, die noch nicht über einen fahrbaren Untersatz verfügen, schwieriger als für Erwachsene mit Führerschein und Auto. Richtig problematisch wird es für Schüler, die pünktlich zum Unterricht erscheinen müssen, denn sie werden außerhalb von Duffesheide „beschult”. Die Eltern versuchen das auszugleichen, durch persönlichen Fahrdienst. Das kostet Zeit, bringt jede Menge Stress und belastet mit Individualverkehr die Umwelt.

Nur noch ein Linientaxi

Dabei gibt es doch einen für die Ortslage wichtigen Bus. Besser gesagt eine Buslinie. Sie trägt die Nummer 59. Aber die Zeiten, in denen diese Buslinie noch eine echte war, liegt schon länger zurück. Denn aus dem Bus ist wegen des Zwangs zum wirtschaftlichen Betrieb und daran gemessen nicht mehr ausreichender Fahrgastzahl ein Linientaxi nach telefonischer Voranmeldung geworden, zweimal täglich, je Fahrtrichtung. Eigentlich sollte es nach Einstellung des Regelverkehrs 1996 gar keine Verbindung mehr geben. Aber auf Initiative von Bewohnern wurde ab dem Jahre 2002 besagter Bedarfsverkehr zwischen Duffesheide, Reifeld und Bardenberg eingerichtet. Offenbar zieht Duffesheide junge Familien an - und das bringt mehr Kinder mit sich, die zur Schule gehen müssen.

Schon traditionell bevorzugen die Duffesheider nach Besuch des kirchlichen Kindergartens der Pfarre Peter und Paul in Bardenberg die Grundschule dort. Und aus dem dabei weiterentwickelnden sozialen Umfeld heraus gehen viele Schüler anschließend mit ihren Mitschülern bevorzugt zum weiterführenden Gymnasium nach Herzogenrath, wie es Eltern in einem Brief an die Stadt Alsdorf deutlich gemacht haben.

Warum gehen, Pardon fahren die Kinder nicht zum städtischen Gymnasium Alsdorf? „In Alsdorf ist leider kein normales Gymnasium, sondern eine sogenannte Dalton-Schule, die für uns und die anderen hier aufgelisteten Familien kaum in Frage kommt”, heißt es zur Erklärung in dem Schreiben. Und dem liegt eine Unterschriftenliste bei. Die hat die Alsdorfer Stadtverwaltung nachgezählt und kam auf 124 Unterzeichner, die mit ihrem Namen eine Optimierung der Busverbindung nach Bardenberg fordern.

Der Vorschlag der Bürgerinitiative lautet unter anderem: Abfahrt der Linie 59 in Duffesheide um 7.20 Uhr mit Anschluss an die Linie 21 um 7.29 am Krankenhaus Bardenberg. Diese Linie stellt sicher, dass die Schüler aus der Linie 59 umsteigen können. Und zurück: Abfahrt der Linie 59 am Bardenberger Krankenhaus um 13.20 und 15.20 Uhr, so dass die aus Herzogenrath kommenden Schüler nach Hause fahren können. Zur „Gegenfinanzierung” soll die regelmäßige Linie AL5, die so gut wie gar nicht genutzt wird, der Bus ist so gut wie immer leer”, eingestellt werden, wird vorgeschlagen.

Die Mühlen der Bürokratie begannen nach Eingang des Schreibens im Februar zu mahlen. Der Bürgerantrag landete im Hauptausschuss der Stadt Alsdorf, der ihn an den Ausschuss für Stadtentwicklung verwies. Das klingt nach dem Beginn eines langen Weges durch die Instanzen, aber es kam anders. Technische Beigeordnete Susanne Lo Cicero-Marenberg sorgte für Tempo und schloss sich mit dem Aachener Verkehrsverbund (AVV) und dem Busunternehmen Taeter kurz.

Das Zwischenergebnis wurde jetzt im Fachausschuss präsentiert. AVV-Mitarbeiterin Birgit Krücken sagte zwar, dass aus Kostengründen der Vorschlag der Bürgerinitiative nicht 1:1 umgesetzt werden kann. So stehe um die frühe Zeit noch kein Fahrzeug zur Verfügung, zudem wären die Kosten für ein zusätzliches Gefährt unverhältnismäßig hoch. Aber es gebe eine andere Lösung: So könne die Verbindung um drei Minuten früher bedient werden, um dazu beizutragen, dass die Kinder nicht zu spät zur Schule kommen. Zudem könnte zur Verkürzung des restlichen Fußweges in Bardenberg - hier geht es vor allem um Grundschulkinder - die Schulbushaltestelle um 200 Meter verlegt werden. Das müsse mit der Stadt Würselen verhandelt werden. Auch die Stadt Alsdorf müsse investieren, so in die Reaktivierung einer alten Bushaltestelle in Duffesheide.

Noch Hausaufgaben machen

Klar machte Krücken, dass dies alles erst noch im regionalen AVV-Beirat zu erörtern und dann durch die AVV-Zweckverbandsversammlung von den kommunalen Partner zu beschließen ist. Das kam bei Eltern, die der Ausschusssitzung gespannt folgten, grundsätzlich gut an. Für die Antragsteller sagte Rainer Wendt, „die drei Minuten müssten was bringen”. Er regte an, die Beförderung nicht mit einfachen, sondern Großtaxis zu organisieren. Nun müssen erst noch weitere Detailfragen geklärt werden. So will der AVV beim Subunternehmer klären, welche Fahrzeugtypen überhaupt verfügbar sind, und die Bürgerinitiative will die Zahl der in Frage kommenden Schüler konkretisieren.

Und vielleicht entdecken nach Verbesserung der Anbindung per Bus oder Taxi noch mehr Menschen, wie idyllisch es doch in Duffesheide und Umgebung ist.

Die Annahmen des Verkehrsverbundes

Die Überlegungen des Aachener Verkehrsverbundes zur Beförderung von Schülern aus Duffesheide basieren laut Verkehrsunternehmen bislang auf folgender Annahme: acht bis zehn Kinder zum Gymnasium nach Herzogenrath; fünf bis sechs Kinder zur Gesamtschule nach Merkstein, „einige Kinder” zur Grundschule Bardenberg.
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