Herzogenrath - Die Hauptrolle hat der Spaß am Theater

Die Hauptrolle hat der Spaß am Theater

Von: ath
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Die titelgebende Truhe muss zur Stellprobe auf die Bühne. Robert Grabo, Bernd Schaffrath und Georg Schölzel (v.l.) legen Hand an.

Herzogenrath. Im Jugendheim am Kohlscheider Markt sind an diesem Tag die Heimwerker los. Da werden Kabel gezogen, Lampen installiert und eifrig tapeziert. Mit und mit entsteht hier die Wohnung von Rudi und Thea Maier.

Spätestens am 1. April muss sie bezugsfertig sein, dann nämlich hat das neue Stück der Theater-AG St. Katharina „Keine Ruhe in der Truhe” Premiere. Mit dem Bühnenbau-Samstag nach Karneval beginnt die heiße Phase für die Laientheatergruppe. „So richtig geprobt wird erst, wenn die Kulissen und Requisiten da sind, dann kommt man richtig ins Stück hinein”, erzählt Bernd Schaffrath.

Doch davor müssen vor allem die Männer erst noch fleißig werkeln. Seit einigen Jahren hat die Theater-AG professionelle Licht- und Tontechnik sowie feste Bühnenelemente mit Fenstern und Türen, die aufgebaut und entsprechend tapeziert werden. In diesem Jahr dominiert ein flottes Blumenmuster die Wände. „Ganz am Anfang war das alles noch viel simpler”, erinnert sich Bernd Schaffrath. Da hätten sie als Bühnenbilder mit Papier bespannte Holzrahmen gehabt, die entsprechend bemalt worden seien. „Das Papier war so dünn, wenn man die Farbe zu dick aufgetragen hat, ist es gerissen.”


Auf der Bühen im Jugendheim

Diese Anfänge liegen in diesem Jahr genau 25 Jahre zurück. „Naja, fast”, wie Gründungsmitglied Bernd Schaffrath einräumt, „wir feiern zweimal Jubiläum, in diesem Jahr die Gründung der Gruppe und im kommenden Jahr das 25. Stück”. Angefangen hat alles mit drei theaterverrückten jungen Leuten, neben Bernd Schaffrath, Georg Schölzel und seine Frau Gabi, die die Idee zu einer Theatergruppe in ihrer Pfarre hatten. In Georg Weigel trafen sie auf einen ebenso theaterverrückten Kaplan.

Weitere Mitstreiter waren auch schnell gefunden, die, wie Bernd Schaffrath sich erinnert, aus den unterschiedlichsten Pfarrgruppen kamen und hier erstmals etwas gemeinsam machten. Gut ein Jahr nach der Gründung im Januar 1986, hob sich im Februar 1987 erstmals der Vorhang im Jugendheim. Auf dem Spielplan damals George Bernhard Shaws „Pygmalion”. „Wir hatten ja mal überlegt, zum Jubiläum My Fair Lady, also die Musicalfassung, zu spielen. So doll singen wir dann aber doch nicht”, grinst Bernd Schaffrath.

Erstmals auch Kinder dabei

Über die Jahre haben sich die derzeit 13 Mitglieder, die meisten sind fast von Anfang an mit dabei, nicht nur ein festes Publikum und einen ebensolchen Platz im pfarrlichen Veranstaltungskalender erobert, sondern auch ihren Stil bei den Stücken gefunden.

Komödie, aber nicht zu flach, so dass die Menschen vor der Bühne sich gut unterhalten fühlen und genauso viel Spaß beim Zugucken haben, wie die Darsteller auf der Bühne beim Spielen. Sie haben „Klassiker” gegeben, wie „Arsen und Spitzenhäubchen” oder „Drei Männer im Schnee”, diverse Stücke des Millowitsch- oder des Ohnesorg-Theaters und so manches eher unbekannte Stück.

Nicht immer ist dabei alles glatt gegangen. Da war zum Beispiel der Vorhang bei „Arsen und Spitzenhäubchen” 1990, der partout nicht fallen wollte und Andrea Schaffrath an den Rand der Verzweiflung getrieben hat. „Mein Text war längst zu Ende und ich musste einfach weiter reden und habe nur gedacht, wo bleibt bloß der Vorhang”, erinnert sie sich.

Auch den einen oder anderen Texthänger hat es in all den Jahren gegeben, der jedoch meist nur von den Darstellern und Georg und Gabi Schölzel im Souffleurkasten bemerkt wurde. Ein Höhepunkt, weil nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch ein Riesenspaß, war die Aufzeichnung einer Fernsehpreisverleihung für ein Stück. „Wir haben das Forum in der Gesamtschule gemietet und unsere Familien so platziert, dass es voll ausschaut und dann mit mehreren Kameras eine Preisverleihung gefilmt, die dann im Stück auf einem Fernseher zu sehen war”, erzählt Bernd Schaffrath.

Bereut haben sie noch nichts

Ein Stück, das sie bereut haben, gibt es nicht. Alle werden gemeinsam ausgesucht, so dass jeder dahinter steht. Das spürt auch das Publikum, das seit Jahren für ausverkaufte Vorstellungen sorgt. Insgesamt etwa 800 Leute sehen an den verschiedenen Aufführungsterminen das Stück. Anfragen, ihr „Theater” einmal zu verlassen und in Herzogenrath oder Würselen auf Tournee zu gehen, lehnt die Gruppe ab. Die Bühne sei fürs Jugendheim konzipiert, hier hätten sie ihre Technik und die Atmosphäre stimme auch, so die Begründung. Das bleibt auch im Jubiläumsjahr so.

Ein paar Besonderheiten gibt es diesmal dann aber doch. So stehen zum ersten Mal die Kinder der Darsteller mit auf der Bühne. „Die sind damit groß geworden und quengeln seit einiger Zeit, doch mal mitmachen zu dürfen”, so Bernd Schaffrath. Stücke mit Kinderrollen seien jedoch rar, weshalb seine Frau kurzerhand zwei Kinderrollen mit entsprechenden Gags ins neue Stück hinein geschrieben habe. Außerdem sind zur letzten Aufführung alle Ehemaligen aus den letzten 25 Jahren eingeladen. Ein Wiedersehen, auf das sich die Schauspieltruppe schon freut.

Davor heißt es sich jetzt noch einmal richtig ins Zeug zu legen, beim Tapezieren und beim Proben, damit am 1. April alles stimmt, wenn es heißt „Keine Ruhe in der Truhe.”
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