Herzogenrath - Die Folgen des Altbergbaus bewältigen

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Die Folgen des Altbergbaus bewältigen

Von: Beatrix Oprée
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Betonsilos sind für Außenstehende oft der Hinweis: Überall, wo es einst oberflächennahen Grundeigentümer-Bergbau gab, haben die Kommunen heute noch mit den Folgen zu kämpfen. Alte Schächte und Hohlräume müssen verfüllt werden. Foto: stock/Matthes

Herzogenrath. In Schmalkalden war es eine Laune der Natur, als sich hier jüngst die Erde öffnete und Teile von Straßen und Gärten, ein Garagentor und ein Auto in die Tiefe riss. Sonntagabend soll der Krater mit Unmengen an Kies wieder verfüllt sein. Viele Menschen in der hiesigen Region werden sich noch erinnern, als vor elf Jahren auf einem Feld an der Haus-Heyden-Straße in Pannesheide plötzlich ein Loch klaffte.

Der Bauer hatte hier tags zuvor noch ahnungslos geackert. Die Bergbauvergangenheit macht der modernen Stadt Herzogenrath ebenso wie den Nachbarkommunen immer noch zu schaffen. Natürlich sind die Folgen nicht immer so spektakulär wie an jenem Morgen im Oktober 1999. Doch was genau im Untergrund noch schlummert, möchten vor allem Grundstücksbesitzer und Bauherren gerne wissen.

Denn seit rund 900 Jahren war auf dem Gebiet der heutigen Stadt Herzogenrath Steinkohle abgebaut worden, unter anderem der Name des Stadtteils Kohlscheid zeugt davon, insgesamt rund 630 Schächte soll es hier gegeben haben.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde oberflächennah, das heißt bis in etwa 40 Meter Tiefe und möglichst oberhalb des Grundwasserspiegels geteuft. Die so entstandenen Schächte und Stollen wurden in vorindustrieller Zeit in der Regel mit lockerem Bodenmaterial verfüllt.

„Allein in dem mit dem Bergbau traditionsreich verbundenen Bundesland Nordrhein-Westfalen ist die Hälfte aller Kommunen von dieser Thematik in mehr oder weniger starkem Umfang betroffen”, sagt Geologe Dr. Michael Heitfeld. „Die Problematik verschärft sich heute zunehmend, da die Städte mit ihren Neubaugebieten häufig in ihre Außenbereiche expandieren.”

Dem Konjunkturpaket II sei Dank, soll in Herzogenrath bald weitestgehend Aufschluss darüber herrschen, wo der Baugrund stabil ist. Denn Heitfelds Ingenieurbüro ist mit der Erstellung von „Positivkarten für Altbaugebiete” in den drei Stadtteilen von Straß bis Berensberg befasst. Das Ziel: Planungsmaterialien zur Verfügung stellen zu können, „aus denen Flächen ohne bergbauliche Restriktionen erkennbar sind”. Die Hoffnung: dass ein großer Teil der zurzeit noch generell als „Altbergbaugebiet” gekennzeichneten Grundstücke zukünftig für Planungen „ohne weitere Untersuchungen zu diesem Thema” freigegeben werden können.

Unsummen hat die Sanierung von Altlastenflächen bisher verschlungen. So waren etwa alleine die Untersuchung und Sanierung des neuen Gewerbegebiets Dornkaul mit umgerechnet rund 3,25 Millionen Euro zu Buche geschlagen, wie Herzogenraths Technischer Dezernent Rüdiger Staron darlegt. Sieben Schächte -Ê1000 laufende Meter Stollen und Strecken - mussten hier verfüllt werden, nur zwei fielen in die Zuständigkeit des EBV.

Künftig soll das Kostenrisiko nun also minimiert werden können. Reine Schreibtischarbeit ist das Metier von Heitfeld und seinem Team aus Geologen, Ingenieuren und einem Techniker zunächst. Dazu werden alle verfügbaren Unterlagen sowohl zu den geologischen als auch zu den bergbaulichen Verhältnissen ausgewertet und schließlich auf Basis eines modernen EDV-Geo-Informationssystems (GIS) kartografisch dargestellt. Bewertungskriterien und Vorgehensweise sind mit der zuständigen Bergbehörde bei der Bezirksregierung Arnsberg abgestimmt. „So ist eine fachinterne Akzeptanz gewährleistet”, verspricht Dr. Heitfeld.

Der Experte stellt überdies lobend heraus, dass die Vorgehensweise der Stadt Herzogenrath, „sich den Problemen aus den Hinterlassenschaften des Altbergbaus offensiv zu stellen und die erheblichen Investitions- und Entwicklungshemmnisse aktiv abzubauen beziehungsweise zu minimieren”, zwischenzeitlich auch „in der innerdeutschen Fachwelt auf großes Interesse” stoße und bereits auf Fachkongressen und in Fachveröffentlichungen vorgestellt worden sei.
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