Die Fischplatte mit fein pointierten Attacken gewürzt

Von: Karl Stüber
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Erwartungen an einen politischen Aschermittwoch erfüllt: Bundestagsabgeordneter Helmut Brandt (l.) und Dennis Radtke, Vorsitzender der Jungen CDA. Foto: Stüber

Alsdorf. Toter Fisch bei reichlich Wasser und wenig Bier. Toll, ganz toll! Es ist halt Aschermittwoch – und alles Närrische vorbei! Wirklich? Nein, die Politik hilft uns über die Stunde null des pointierten Nonsens und liefert verbale Würze und Sättigungsbeilage, auf dass der Auftakt der Fastenzeit doch noch mundet.

So auch der Stadtverband Alsdorf der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA) und dessen Vorsitzender Roland Andreas Krichel, der zudem Polizist und nebenbei stellvertretender Bürgermeister der Stadt ist. Krichel hat zum fünften Mal zum „Politischen Aschermittwoch“ in die erste Etage der Stadthalle gebeten.

Gut 40 Aufrechte sind der Einladung gefolgt. Während die SPD eine Etage tiefer ebenfalls Tiere mit Flossen und den politischen Gegner per Gabel sowie mit Worten aufspießt, lassen sich die Christdemokraten auch nicht lumpen. Bundestagskandidat Helmut Brandt, der mit der Bundestagswahl am 22. September erneut ins Hohe Haus in Berlin einziehen will, bleibt da noch recht sachlich, spricht über die Stärken der Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Wirtschafts- und Eurokrise meistert, und skizziert eine drohende Regierung aus SPD, Grünen und Linken als Horrorszenario, sollten die Wähler nicht einsichtig ihr Kreuz bei der Union machen.

Dagegen zeigt der zweite Hauptredner des Abends, dass ein assimilierter Westfale stimmungsmäßig gebürtige Rheinländer locker eintüten kann. Dennis Radtke ist Landes- und Bundesvorsitzender der Jungen CDA sowie Mitglied im CDU-Landesvorstand. Er hat seit fünf Jahren sein Büro in Alsdorf und ist Gewerkschaftssekretär der IGBCE, erzählt er. Wie bitte? Ja, echt! Der Mann arbeitet in einer vermeintlichen Domäne der SPD und ist damit das christdemokratische Gegenstück des SPD-Herausforderers von Platzhirsch Helmut Brandt: Detlef Loosz, IGBCE-Funktionär a.D. und im Ruhestand.

Für Alsdorfs CDU-Vorsitzenden Peter Steingass steht nach der (Bütten-)Rede von Radtke fest: „Da ist der weitaus kompetentere IGBCE-Funkionär im ersten Stock gegenüber dem, den wir in Parterre haben.“ Und wie hat sich Radtke dieses Lob erarbeitet? Angesichts einer im Raum lärmenden Heißwasserveredlungsanlage sagt er: „Hier gibt es eine sozialdemokratische Kaffeemaschine – unglaublich laut für wenig Output.“ Tusch! Oder der Pfeil gegen den SPD-Kanzlerkandidaten und „Für-Geld-Redner“ Peer Steinbrück in Sachen Honorar: „Wenn ich von einer CDA-Veranstaltung wegfahre, muss die CDA ein Mitglied mehr haben als vorher.“

Spontan tritt Mustafa Yildirim in die CDA ein. Doppelter Tusch! Und eine dritte Kostprobe à la Dennis Radtke in Sachen Bürgerbevormundung durch Rot-Grün in Sachen Rauchen: Rot-Grün mache Vorstände von Schützenvereinen rechtlich verantwortlich, wenn sich ein Besoffener am Ende eines Zeltes eine Zigarette anzünde. Rakete! Ja, gemessen an der Stimmung sind CDU und CDA für den Bundestagswahlkampf bestens gerüstet. Städteregion

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