Herzogenrath - Die DB bremst Menschen mit Handicap aus

Die DB bremst Menschen mit Handicap aus

Von: mabie
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Sebastian Göbbels ist nach dem Druck auf den Lift-Anforderungsknopf auch darauf angewiesen, dass der Fahrstuhl kommt. Foto: Markus Bienwald
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Durch ihre Erkrankung mit Multipler Sklerose muss Margit Krings manchmal von Tag zu Tag spontan entscheiden können, ob sie ihren Rollstuhl braucht oder nicht.
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Der Aufzug kommt nicht an den Gleisen 2 und 3 im Herzogenrather Bahnhof – und eine Wiederinbetriebnahme kann auch nicht näher terminiert werden.

Herzogenrath. Der Aufzug an den Gleisen 2 und 3 des Bahnhofs Herzogenrath ist seit Juni defekt. Das Behindertenforum der Stadt hat sich eingeschaltet. Die Bahn vertröstet auf nächste Woche.

Sebastian Göbbels ist nicht nur wegen seiner schönen Hutkollektion bekannt. Der junge Mann braucht seinen Rollstuhl, ohne ihn geht gar nichts. Und natürlich ist er auch auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen.

Eine Situation, wie sie seit dem 23. Juni am Bahnhof Herzogenrath an der Tagesordnung ist, bringt den sonst freundlichen und ruhigen Menschen aber zum Überkochen. Denn seit diesem Zeitpunkt ist der Aufzug an den Gleisen 2 und 3 defekt. Rollstuhlfahrer stehen so vor tiefgreifenden Problemen.

Erhebliche Schwierigkeiten

„Das kann doch nicht wahr sein“, schimpft Sebastian Göbbels, „wenn ich zum Beispiel morgens nach Düsseldorf fahre, kann ich das problemlos tun.“ Kommt der 26-Jährige dann aber zurück und ist auf die Fahrt mit dem Lift angewiesen, um den Bahnsteig überhaupt wieder verlassen zu können, ist es mit der guten Laune vorbei. „Dann muss ich theoretisch nach Aachen fahren, dort in den nächsten Zug nach Herzogenrath umsteigen, um dann mit dem Rollstuhl meinen Weg fortsetzen zu können“, umschreibt er eindringlich die Schwierigkeiten. Also ist nicht nur Sebastian Göbbels auf einen funktionierenden Aufzug angewiesen, um seine täglichen Wege planen zu können. „Ohne Planung geht sowieso nichts“, sagt er, denn immer und überall muss er schauen, wie er vom Fleck kommt, ohne auf fremde Hilfe oder gar Fahrdienste angewiesen zu sein.

Dieses Problem hat auch Margit Krings. Die 44-Jährige ist an Multipler Sklerose erkrankt, kennt Tage, an denen sie sich relativ gut mit Hilfe von Wanderstöcken bewegen kann, aber auch Tage, an denen nichts ohne ihren Rollstuhl geht. „Um zur Arbeit zu kommen, bin ich auf die Bahn angewiesen“, sagt die Minijobberin. Genau dieser Job ist es, der im täglichen Kampf gegen die sich immer weiter verschlimmernde Erkrankung Lichtblicke setzt, für Abwechslung sorgt. „Ich habe mir eine barrierefreie Wohnung zugelegt, werde aber durch solche Dinge wie einen defekten Aufzug daran gehindert, mein Recht auf Beförderung auch umsetzen zu können“, ist sie sichtlich erbost.

Das Behindertenforum der Stadt Herzogenrath hat nicht nur die Stimmen dieser beiden Bürger gehört, als es am 21. Juli einen Brief an die zuständige DB Station & Service in Aachen geschrieben hat.„Es ist für die Betroffenen eine Einschränkung, immer wieder mit unüberwindbaren Barrieren konfrontiert zu werden“, sagt Forumsvorsitzende Anne Fink. Sie bezieht ausdrücklich ältere Menschen oder auch Mütter mit Kinderwagen ein, die durch den defekten Aufzug ebenfalls anders planen müssen, um mobil zu sein.

In einer schriftlichen Antwort der DB Netz AG werden für den Ausfall des Aufzuges „sich überlagernde Störbilder, die leider erst nach der Reparatur von einzelnen Komponenten mit und mit erkennbar wurden“ verantwortlich gemacht. So wurde zufällig am Tag des Besuches des Behindertenforums im Herzogenrather Bahnhofs auch wieder von zwei Mitarbeitern der Aufzugswartungsfirma an der Technik gearbeitet.

Zudem werde sich der Defekt noch etwas länger hinziehen, wie die Bahn in ihrer schriftlichen Stellungnahme durchblicken ließ. Grund dafür ist eine in Maßarbeit zu erstellende und derzeit anscheinend defekte Türschwelle, die beim Aufzughersteller nicht auf Lager war.

Das hilft den Betroffenen natürlich wenig. „Es sind immer wieder zwei Wochen und immer wieder zwei Wochen, die bei der Bahn als Reparaturzeit angegeben werden“, so Margit Krings weiter. Sie kennt die telefonischen Auskünfte, nach denen immer wieder von den berühmten 14 Tagen die Rede ist, bis alles in Ordnung ist.

Aber auch wenn der Knopfdruck für die Liftanforderung Erfolg hat, ist für Sebastian Göbbels noch lange nicht alles okay. „Der Fahrstuhl wird auch schon mal als Toilette benutzt“, weiß er, „gereinigt wird er aber nicht.“ Er fühlt sich wie andere Menschen, die auf Hilfsmittel für Mobilität angewiesen sind, mit seinen Problemen alleine gelassen. „Ich könnte schreien, aber man sieht ja, was passiert, es kümmert sich keiner drum“, schließt er.

„Mit Nachdruck gearbeitet“

Die vom Behindertenforum angeregte Auslegung der Aufzüge für eine automatische Störmeldung, die vielleicht eine Reparatur beschleunigen könnte, wurde von der Bahn eher auf Umwegen beantwortet. So sei damit „erst mit der nächsten Generation von Aufzügen“ zu rechnen, „da unter anderem entsprechende Elemente in den Aufzügen vorhanden sein müssen, um eine Diagnose zuzulassen“, unterstreicht die Bahn in einem Schreiben vom 23. Juli. Dort war übrigens zumindest hinsichtlich der gesondert angefertigten Türschwelle wieder von zwei Wochen Lieferzeit die Rede.

Passiert ist noch nichts, denn aktuell bleibt ein Druck auf den Anforderungsknopf für den Fahrstuhl an den Gleisen 2 und 3 noch immer folgenlos.

„Ich finde es traurig, dass wir an die Öffentlichkeit gehen müssen, um auf solche Missstände aufmerksam zu machen“, schließt Margit Krings.

Peter Grein, kommissarischer Leiter des Bahnhofsmanagements Aachen, teilte auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass das benötigte Ersatzteil voraussichtlich in der kommenden Woche geliefert und eingebaut werde. Bei dem Teil handelt es sich übrigens nicht um eine Bodenschwelle rein mechanischer Art. „Sie muss beheizt sein, um auch in der kalten Jahreszeit eine einwandfreie Funktion zu garantieren“, so Grein. Garantie ist in diesem Zusammenhang übrigens ein gutes Stichwort. Denn diese Schwelle muss im Sinne der Zulassung und Gewährleistung vom Aufzughersteller selbst montiert werden, um Betriebssicherheit zu garantieren. Und da das Ersatzteil als Spezialanfertigung gerade in der Urlaubszeit eine gewisse Lieferzeit habe, so Grein weiter, kam es zu diesen unüblichen Verspätungen. „An der Sache wird aber jetzt mit Nachdruck gearbeitet“, sagte er zu.

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