Dichten und Denken mit Jürgen Nendza

Von: ehg
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Voll kreativer Energie wird die Poesie angepackt: Lyrik-Workshop unter dem Motto „Poesie und Eigensinn“ unter der Leitung des Würselener Lyriker Jürgen Nendza (r.). Foto: W. Sevenich

Würselen. Unter dem Titel „Poesie und Eigensinn“ hatte der Verein Literaturbüro Euregio Maas-Rhein zu einem zweitägigen Workshop ins Alte Rathaus eingeladen. 12 Teilnehmer im Alter von 25 bis 69 Jahren hatten sich eingefunden, um sich intensiv mit Lyrik zu beschäftigten.

Dabei wurden weniger lyrische Gedichte oder Prosatexte gelesen, als vielmehr von den Teilnehmern selbst verfasste literarische Werke vorgestellt und kritisch beleuchtet, die für das Seminar eingereicht worden waren. Geleitet wurde die Werkstatt von dem deutschen Literaten Jürgen Nendza, der in Würselen ob seiner literarischen Arbeit mit Schülern am Städtischen Gymnasium kein Unbekannter mehr ist. Es ging ihm in dem Workshop darum, „ein Stück weiter zu denken, über die eigene Schablone hinaus“.

Nach dem Abitur absolvierte der 1957 in Essen geborene Nendza ein Studium der Germanistik und Philosophie, das er 1991 mit der Promotion an der RWTH Aachen abschloss. Er verfasst Lyrik, Prosa, Hörspiele, Radio-Features und Funkerzählungen für Kinder. 1992 debütierte er mit dem Gedichtband „Glaszeit“, 2005 gab er mit Eduard Hoffmann das Buch „Verlacht, verboten und gefeiert“ zur Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland“ heraus. Sein zuletzt erschienener Gedichtband ist unter anderem ins Koranische übersetzt worden.

Zu den Erwartungen, die die Teilnehmer an das Intensiv-Seminar knüpften: Ein 28-jähriger Student der Literatur-Wissenschaften sah eine gute Möglichkeit, mit Sprache in Verbindung zu kommen. Ein 61-jähriger Lehrer kam von der Mathematik. 2011 hat er seinen ersten Lyrikband veröffentlicht. „In der Lyrik ist man zur Konzentration gezwungen.“ Eine ganze Menge Publikationserfahrung hat schon Hartwig Mauritz, der zweite Vorsitzende des Vereins. Er sei schon sehr weit oben angekommen. Ihm wird der Dresdener Lyrik-Preis verliehen.

Seit einem Jahr schreibt eine 27-jährige Teilnehmerin. Sie hat noch nichts veröffentlicht. „Ich möchte mir über das Schreiben eine neue Welt zur Entspannung erschließen.“ Dann war da Stefan, der eigentlich Songs schreibt. In Zukunft möchte er neue Texte veröffentlichen. Offen gesteht eine 25-jährige Teilnehmerin: „Ich schreibe an einer Dissertation und weiß nicht so recht, wie man das macht.“ Eva Boßmann, die Geschäftsführerin des Vereins: „Ich habe in der Lyrik eine sprachliche Form gefunden, mich auszudrücken.“ Ihre Texte sind auch schon ins Niederländische übersetzt worden.

Den 66-jährigen Juristen, der 2008 zum Vorsitzenden des Vereins gewählt worden war, reizt an der Lyrik, „dass sie ausdeutbar ist“. Bei Peter liegen noch zwei Romananfänge in der Schublade. Ihm sagt die Lyrik zu, „weil man mit der Sprache spielen kann.“

Als erste war Andrea an der Reihe. Nachdem sie ihre Texte vorgetragen hatte, wurden sie „respektvoll“, worum Nendza bat, besprochen. In ihren Gedichten jongliert sie zwischen Tag und Nacht, zwischen Zeit und Endlichkeit. Schöne Bilder benutzt zu haben, testiert der Lyrik-Experte ihr. Es fehle jedoch noch, „was das Gedicht zu Ihrem eigenen Gedicht macht, der Eigensinn also“.

Sterne erscheinen in unterschiedlichen Kontexten. Nendza: „Ich wünsche mir, dass sie an anderer Stelle in aller Form aufleuchten.“ Sein Tipp: „Sie müssen mutiger werden und eine Spur Individualität in das dichterische Schreiben transportieren.“ In Andreas Prosatext macht er so viele schöne Bilder aus, dass er aus ihm am liebsten zwei Gedichte machen möchte. Was er dann auch selbst getan hat. Mit ihnen veranschaulicht er, was Einkürzen eines Textes bringen kann.

Wenn Nendza Kritik übte, dann konstruktiv. Er konnte gut damit leben, wenn seine „Schüler“ nicht immer mit ihm einer Meinung waren. Bei aller Ernsthaftigkeit, es durfte im Umgang mit der Sprache bisweilen auch mal herzhaft gelacht werden.

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