Herzogenrath - Deutschland gegen Holland in der Neustraße

Deutschland gegen Holland in der Neustraße

Von: gego
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Thomas Helmer (li.) und Bryan
Thomas Helmer (li.) und Bryan Roy gestern Morgen in der Neustraße in Herzogenrath. Foto: GES/Mercedes-Benz

Herzogenrath. Peter Nießen ist am Freitag auch gekommen, er hat es ja nicht weit, nur ein paar Häuser die Straße runter. „Hey Thomas”, ruft er Thomas Helmer zu, „Ihr müsst Euch nen Ball nehmen und kicken.” Helmer schaut etwas erstaunt in Nießens Richtung und ruft zurück: „Das konnten wir doch schon früher nicht.” Nießen lacht, und Helmer lacht auch.

Ein großer Autohersteller aus Stuttgart hat am Freitag in der Herzogenrather Neustraße einen kleinen Film gedreht, der wohl bei ein paar Privatsendern in der Vorberichterstattung zum Länderspiel Holland gegen Deutschland am Mittwoch zu sehen sein wird. Wo genau, steht noch nicht fest.

Dass der Autohersteller sich gerade die Neustraße ausgesucht hat, ist kein Zufall, denn dort, in der deutsch-niederländischen Grenzstraße, haben bis in die 90er Jahre hinein regelmäßige Straßenprügeleien stattgefunden, wenn Deutschland wieder mal auf Holland traf.

Jemand vom Filmteam erklärt dem früheren deutschen Nationalspieler Helmer und dem früheren niederländischen Nationalspieler Bryan Roy von der Brisanz des Ortes, dann beginnt der Dreh. Roy und Helmer müssen ein Autorennen gegeneinander fahren, auf den Motorhauben stehen ihre Trikotnummern von früher: Helmer hat die Fünf, Roy die Elf.

Einige Anwohner der Neustraße, die am Freitag zwischen 9 und 10 Uhr für die Dreharbeiten gesperrt wurde, haben Post von dem Autohersteller bekommen. Sie sollten doch ihre Häuser so schmücken oder beflaggen, als wäre am Freitagmorgen schon das Länderspiel. Und tatsächlich sah es in der Neustraße am Freitagmorgen so aus, als sei das Länderspiel schon am Freitag gewesen. „Richtig super”, sagt eine Frau vom Filmteam.

Ein holländischer Anwohner erklärt, dass auf der Neustraße zwar früher viele Schlägereien stattgefunden haben, dass sich aber nie die holländischen und deutschen Anwohner der Neustraße geschlagen haben. „Die Krawallbrüder sind von überall hergekommen”, sagt der Holländer, „aus dem halben Land. Aber nicht von hier.”

Helmer und Roy sind zwar nicht gerade die Gesichter der deutsch-niederländischen Fußballrivalität, trotzdem haben sie bei der EM 1992 in Schweden gegeneinander gespielt. Vorrunde, Holland gewann mit 3:1. Jetzt sitzen sie in Autos mit Wohnwagen und fahren die Neustraße runter, drei Mal. Anschließend müssen sie jedes Mal aussteigen und sich umarmen. „Okay”, ruft jemand vom Filmteam, „das wars.”

Dann geht die Fahrt nach Aldenhoven auf die Teststrecke der RWTH Aachen im Industriepark Emil Mayrisch. Roy und Helmer fahren in fünf Disziplinen gegeneinander, mit Wohnwagen: Slalom, rückwärts Einparken, Rangieren und so weiter. Deutschland gewinnt 3:2. Die Deutschen, sagt Roy am Ende freundlich, hätten im Moment nicht nur die besseren Fußballer, sondern offenbar auch die besseren Wohnwagenfahrer. Gelächter, Schulterklopfen, Feierabend.
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