Alsdorf - Detailreiches Hobby mit Suchtpotenzial

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Detailreiches Hobby mit Suchtpotenzial

Von: Stefan Schaum
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Egal ob jung oder schon älter
Egal ob jung oder schon älter: Der zeit- und geldraubende Modellbau ist fast ausschließlich in Männerhand. Auch am Alsdorfer Weiher nahmen Jungs aller Altersklassen, hier mit Rüdiger Witte (Mitte), jetzt die liebevoll zusammengesetzten Schätzchen in Augenschein. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Nach dem Bau ist vor dem Bau. Und dazwischen liegt die Jungfernfahrt. So sieht er aus, der ewige Kreislauf der Modellbootbauer. Jetzt, wo der Winter langsam naht, werden sie bald wieder in ihren Bastelkellern verschwinden.

All die großen Kerle, die irgendwie auch kleine Jungs geblieben sind. Stundenlang, tagelang, wochenlang werden sie dort hocken und emsig Bootsrümpfe schreinern, Segel nähen und Platinen löten. Solche Bastler haben jüngst aus dem Alsdorfer Weiher einen Hafen gemacht. Im Minitaturformat, versteht sich.

Hunderte Arbeitsstunden

Gleichgesinnte hatten Modellbootfreunde aus der Alten Dorfschule, des St.-Castor-Hauses und des Schiffsmodellclubs Alsdorf-Eschweiler nach Ofden eingeladen. Dort, neben den Tretbooten und Kähnen, die in dem tiefgrünen Gewässer am Ufer vertäut liegen, konnten kleine Kraftpakete ihre Runden drehen. Nachbauten von Polizeibooten und großen Transportschiffen waren im Angebot.

Pfeilschnelle Flitzer und anmutige Segler. „Es gibt nichts, das es nicht auch als Modell gibt”, sagt einer, der es wissen muss: Rüdiger Witte, mittlerweile 43 Jahre alt und immer noch Spielkind, wie er gleich zur Begrüßung offenbart. Er kennt das schon: belächelt zu werden. „Ich hab ja selbst nie gedacht, mich mal für Modellbau zu interessieren.” Und heute? „Kann ich nicht mehr ohne.”

In der Alten Dorfschule in Ofden gibt er mittwochs sein Wissen an eine Modellbaugruppe weiter. Vornehmlich an Jungs. Auch am Weiher sind so gut wie keine Mädels unter den rund 100 Besuchern. Ein Jungsding also - ein Klischee, an dem was dran zu sein scheint. Womöglich fehlt Frauen einfach der Elan, Hunderte von Arbeitsstunden in einen kleinen Kahn zu investieren, den sie dann für ein paar Minuten mit der Fernbedienung herumscheuchen, um ihn anschließend im Keller zu versenken. Warum auch länger mit bereits Fertigem zubringen? Es wartet schließlich stets ein neues Projekt, das gebaut sein will.

Witte kennt daher noch eine andere treffende Umschreibung für sein Hobby: „Modellbau ist, mit möglichst großem finanziellen Aufwand möglichst geringen Nutzen zu erzielen.” Schließlich könne ein gekauftes Modell schnell mal ein paar Hundert Euro kosten - weshalb die meisten Bastler lieber alle Teile selbst entwerfen. Dabei lernt man ja auch mehr. „Das ist ein Hobby der 1000 Berufe”, sagt Witte. Kenntnisse im Metallbau, Holzwesen und Elektronik sind unabdingbar, um einen Bau bis zur Schiffstaufe zu bringen.

Beschaulichkeit ist Trumpf

Kein Wunder, dass beim Termin am Weiher viel gefachsimpelt wird. Die Bastler zeigen sich gegenseitig ihre jüngsten Schiffe, nicken bewundernd, geben Verbesserungstipps und lassen die Schiffe gemeinsam zu Wasser. Tempo wird dabei nicht gemacht.

Der Genuss der Langsamkeit hat Rolf Walkenhorst überhaupt erst wieder aufs Modellboot gebracht. Schiffe hatte der heute 47-jährige Würselener zuletzt als Teenager gebaut. Dann kamen nur noch Rennautomodelle, „weil die so schön schnell waren”. Nach einer Krankheit, die ihn einen Teil seiner Sehkraft gekostet hat, ist er nun wieder auf den Geschmack an den Booten gekommen. „Die sind langsamer”, sagt er und blickt versonnen auf das gemächlich dahingleitende Segelboot, das er per Fernsteuerung mal hierhin, mal dorthin lenkt. Auch die übrigen Besucher lassen ihre Blicke schweifen. Über all die hübschen Kähne, die im Weiher schwimmen, und die, die auf den Tischen liegen.

Daneben deutliche Hinweisschilder: „Anfassen verboten” - wie schnell könnte eine der oft winzigen Applikationen an den Booten abbrechen. Modellbootbauer genießen mit den Augen. Stets im Wissen: Das nächste Schiff ist nur ein paar Hundert Bastelstunden entfernt.
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