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Der weltweit renommierte Glasmaler Ludwig Schaffrath wird 85

Von: Christoph Hahn, kna
Letzte Aktualisierung:
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Der weltweit renommierte Glasmaler Ludwig Schaffrath wird 85 Jahre alt. Die Kunst des Alsdorfers findet sich in deutschen Kirchen ebenso wie in japanischen Bahnhöfen. Foto: Oprée

Alsdorf. . Eigentlich ist er ein Weltstar. Wenn es darum geht, Glas, Farbe und Linie zum Bild zu verdichten, fällt der Name Ludwig Schaffrath mit am häufigsten. Und in der Tat: Werke des Künstlers aus Alsdorf, einer Kleinstadt nördlich von Aachen, findet der Kunstfreund in deutschen Kirchen ebenso wie in japanischen Bahnhöfen.

Gelehrt hat der Mann mit den langen, schlohweißen Haaren nicht nur in den USA und Großbritannien, sondern unter anderem auch in Australien, Neuseeland und Skandinavien. Nun wird Schaffrath, der seine Kunst ebenso durch sein eigenes Arbeiten wie als Impulsgeber für Kollegen beeinflusst hat, am Montag 85 Jahre alt.

Allein im Aachener Dom stammen 32 Fenster im Kreuzgang von Schaffrath, dazu drei im Haupteingang und fünf in der Matthiaskapelle. Im Würzburger Dom sind 20 Obergadenfenster von ihm zu bewundern, im Ulmer Münster drei Fenster in der nördlichen Vorhalle. Daneben zeichnet er für die Gesamtverglasung von Kirchen wie etwa St. Michael in Schweinfurt - hier im Ganzen 220 Quadratmeter - und St. Marien im niedersächsischen Bad Zwischenahn verantwortlich.

Und im japanischen Omiya ziert eine 55 Quadratmeter große Glaswand den dortigen Bahnhof. Schaffrath, der trotz seiner den Globus umspannenden Karriere seiner Heimatstadt die Treue hält, gehört zu den Menschen, denen Sammler, Betrachter und andere Künstler mit Respekt begegnen. Von dieser Person geht etwas Zwingendes, Meisterliches, Großes aus.

Schaffrath hat die Künstler dieser Welt zweifelsohne etwas zu lehren - als Virtuose, dem das Material gehorcht, der Ordnung und Ausdruck, festgefügte Materialität und das freie Spiel des Lichts verbindet. Speziell letztere Komponente, in der sich die Gegenständlichkeit des Glases mit der Ungreifbarkeit des Lichts verbindet, macht die Begegnung mit Schaffraths Kunst zu einem ungeheuer spannenden Erlebnis.

Dieses Erlebnis kann der Betrachter an einer Vielzahl von Orten erfahren. Da ist zum Beispiel der Eingangsbereich des Deutschen Glasmalerei-Museums in Linnich im Kreis Düren, für den Schaffrath 1997 eine flächendeckende Arbeit gestaltet hat - strenge Strukturen in Schwarz, Grün, Blau im unteren Teil, schwungvolle Bewegtheit mit Schleifen und anderen Strukturen im oberen.

Sehr viel komplexer wirkt die Gestaltung der Pfarrkirche St. Lucia in Weiden. 1996 ist sie entstanden und verdankt ihr Entstehen wohl dem Ortspfarrer Hans Rolf Krewinkel, der selbst auch Bildender Künstler ist. Schaffraths himmelblaue Farbbahnen betonen hier die Konturen des neogotischen Gewölbes. Dünne goldfarbene Linien zweigen aus dem Blau ab und greifen in den weißen Raum hinein.

Doch warum Ludwig Schaffrath kein kirchlicher Künstler ist, der sein ganzes Schaffen der Verkündigung unterordnet, aber um so mehr unter die christlichen Vertreter seines Faches gerechnet werden kann, verdeutlicht der Altar: Da nämlich hat der Künstler die uralte Form des Triptychons, des dreiflügeligen Altarbildes, beinahe dekonstruktivistisch aufgebrochen und wieder zusammengesetzt. Jede Figürlichkeit ist verschwunden.

Schaffrath nimmt sich die Freiheit, sich anders als mit Glas und Blei auszudrücken. Obwohl viele, wenn nicht gar die meisten Bilder Licht und Bewegung feiern, so sind dennoch auch Motive zu Schmerz und Leiden in Schaffraths Schöpfungen zu finden.

In einigen seiner Gemälde sind sie als blutrote Farbspur dargestellt. Ausstellungen, etwa in der Kirche St. Peter am Aachener Bushof und im August-Pieper-Haus der Bischöflichen Akademie, haben diese Ebene eindrucksvoll dokumentiert. Denn wie der Betrachter das Oeuvre und seinen Urheber auch sieht: Es ist immer auch anders.
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