Herzogenrath - Der Turm hat mehr gekostet als die ganze Burg

Der Turm hat mehr gekostet als die ganze Burg

Von: mabie
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Nicht die Ritter der Tafelrunde, sondern unsere Leser durften in diesem früher einmal als Teeküche der Stadtverwaltung Herzogenrath genutzten Turmzimmer Platz nehmen. Foto: Markus Bienwald
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Sir Lancelot (l.) und Sir Dale (r.) waren die nicht nur von Frauchen Inge Gras, sondern auch von Herrchen Peter Gras und unserer Leserin Lilly Hogen viel gekraulte Vertreter der „Limburger Ritterschaft“.
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In der nachgestellten Folterkammer, die bald ganz anders aussehen wird, zeigte Stefan Becker den Gästen, was früher so genutzt wurde, um unerwünschte Personen zu quälen. Foto: Markus Bienwald
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Direkt unter dem hölzernen Dach von Burg Rode riecht es zwar etwas muffig, doch lässt sich hier die jahrhundertealte Geschichte besonders gut erleben. Foto: Markus Bienwald
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Burg-Spezialist Stefan Becker (l.) sorgte wort- und faktenreich für eine ausgezeichnete Lesertour auf Burg Rode. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Wer auf der Suche nach dem besten Handy-Empfang in Roda auf die Idee kommt, einmal die Burg Rode zu erklimmen, ist bestimmt nicht auf der falschen Fährte. Wer allerdings wie unsere Leser bei der sommerlichen Tour vom mit bis zu drei Meter dicken Wänden ausgestatteten Keller aus den Turm erkundet, wird schnell wieder seine Empfangsbalken los.

Das machte aber auch gar nichts aus, denn schließlich tauchten unsere Leser auch ganz tief in die Historie des höchst geschichtsträchtigen Ortes ein.

Als kompetenter Fachmann bot sich Stefan Becker an, der auf seinen Führungen wort- und faktenreich, aber immer mit einem gehörigen Schuss Humor und Augenzwinkern die Menschen beeindruckt. „Allein der Turm hat mehr gekostet als die ganze Burg“, erklärte er gleich zu Beginn. Der Grund liegt in der Konstruktion und auch in der Bedeutung von Burg Rode. Was heute nach vielen Besitzwechseln und Umgestaltungen eher wie ein märchenhaftes Schloss aussah, hatte früher einen uneinnehmbaren Charakter. „Castrum per optimum“, nennen Fachleute wie Stefan Becker das, was in heutiger Ansicht gar nicht mehr so auffällt.

Fast zugewachsen

Die Gäste erfuhren von der Lage der Burg auf einem Quarzsandhügel, von der terrassenartigen Anlage von Wassergräben und Teichen rund um die Burg, von der heute nur noch die terrassenartige Ansicht der in den 1970er-Jahren entstandenen Wohngebiete rundum zeugt. „Wenn Sie die Burg direkt nach dem Zweiten Weltkrieg gesehen hätten, hätten sie ganz Herzogenrath nicht wiedererkannt“, sagte Beckers. Damals habe nur ein Haus auf der Aachener Straße gestanden, die Burg sei durch viel Bewuchs kaum sichtbar gewesen, und auch die alte Struktur der Stadt mit dem im Mittelalter so wichtigen Zollpunkt an der Via Belgica sei noch viel besser sichtbar gewesen.

Ohnehin sei Rode vor allem durch diese Lage, die durch Zolleinnahmen viel Geld in die Kassen der adligen Besitzer aus limburgischem Adel spülte, wichtig und begehrt gewesen. So ging es zum Beispiel in der größten Ritterschlacht des Mittelalters, der Schlacht von Worringen 1288 auch um die Vorherrschaft über eben diese Burg. Erst durch die Franzosen in viel späteren Jahren sei die ursprüngliche Struktur Herzogenraths mit Kerkrade, das mit seinem Kloster Rolduc fester Bestandteil der Stadt war zerbrochen worden. „Es gibt Historiker, die behaupten, es gebe einen geheimen Gang zwischen Burg Rode und Rolduc“, sagte Stefan Becker. Aber das sei Unsinn, schließlich habe sich die Burg mit ihren drei Innenhöfen, den uneinnehmbar steilen Burghängen umgeben von Wasser und mit einem wehrhaften Turm ausgestattet, immer wieder den kriegerisch geführten Begehrlichkeiten anderer Herrscher widersetzt und so keinen Fluchtgang nötig gehabt.

Einst kein Wohnsitz

Nur drei Mann Stammbesatzung und das Zollpersonal fanden in dieser nie als Wohnsitz genutzten Burg ihren Raum. Die Lage auf dem Hügel, die selbst den Fremdenführer auf seinem Weg zum Bauwerk ein wenig außer Atem kommen ließ, hatte aber noch einen ballistischen Vorteil. Denn, so rechnete Stefan Becker vor, die Energie von durch beispielsweise Katapulten abgeschossenen Steinen konnte durch die hohe und steile Lage der Burg gar nicht so richtig wirken.

Aber der herrliche Ausblick vom Turm aus, der für das gewisse Kribbeln in Händen und Füßen sorgte, war längst nicht alles, was unsere Leser von dieser Tour mitnahmen. Die mitgebrachten Fotoapparate klickten auch in der gut ausgestatteten, nachgestellten Folterkammer, die künftig ein anderes Gesicht haben wird, in den Anfang des letzten Jahrhunderts von der örtlichen Polizei genutzten Zellen und auch im ehemaligen Polizeipräsidium Rodas, wo heute die Damen und Herren der Vereinigung „Limburger Ritterschaft“ ihr geliebtes Mittelalter-Leben in ihrer Freizeit nachstellen.

Auch über das Intermezzo der Burg als Verwaltungssitz der Stadt Herzogenrath und die im Turmzimmer untergebrachte, zuweilen schwer verrauchte Teeküche war einiges zu erfahren. „Ich fand die Tour sehr interessant“, lobte Leserin Nele Rimbaut aus Alsdorf. Und die achtjährige Lilly Hogen fand vor allem die Ausgestaltung der Zimmer und Säle in der Burg sehr sehenswert. Und wer einmal nicht die vor allem unter dem hölzernen Turmdach eher etwas muffige Burgluft schnuppern wollte, konnte es sich in den herrschaftlichen Grünanlagen der Burg umschauen.

Dort standen auch die beiden Wolfshunde Sir Lancelot und Sir Dale samt ihrem Frauchen Inge Gras und Herrchen Peter Gras von der „Limburger Ritterschaft“ bereit, um sich von den Gästen ausgiebig kraulen zu lassen.

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