Der Steiger kommt, das Energeticon auch

Von: Karl Stüber
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Bewährte Tradition im historischen Umfeld: Der Knappenchor St. Barbara ließ bei der Versammlung des Bergbaumuseumsvereins Grube Anna in der ehemaligen Fördermaschinenhalle (Energeticon) in Alsdorf Bergmannslieder erklingen. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Schmuck sehen sie aus in der schwarzen Bergmannstracht mit den vielen Knöpfen. Mit kräftiger Stimme schmettern sie ihre alten Lieder, singen von der Heiligen Barbara, vom Berg, der sich auftut, und vom berühmten Steiger, der kommt – und das immer wieder von neuem.

Die Mitglieder des Knappenchores St. Barbara sind in ihrem Element. Und die Augen der meist betagteren Herren glänzen. Selbst die doppelte Krücke ist kein Hinderungsgrund, sich in die Phalanx der Sänger einzureihen. Ein beeindruckendes Bild. Die alte Garde wankt, aber sie weicht nicht. Sie hält die Tradition hoch und die Stimme stabil. Erst recht an diesem Abend. Denn der Knappenchor singt in einem altbekanntem Umfeld, im ehemaligen Fördermaschinenhaus, das jetzt unter dem Namen Energeticon als Veranstaltungsstätte und Kern des im Bau befindlichen Dokumentationszentrums für fossile und regenerative Energieformen dient. Das macht stolz. Am Ende gibt es klares Hochprozentiges, und die Tabletts sind schwer.

Reichlich Beifall ist dem Chor sicher, denn er tritt im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Bergbaumuseumsvereins Grube Anna II, Gesellschaft für Montangeschichte und Industriekultur, auf, der gut 670 Mitglieder zählt. Ein glattes Heimspiel. Die singenden Herren gehören zum Verein, im „Arbeitskreis Knappenchor St. Barbara“. Und die Bilanz kann sich sehen lassen.

Die Truppe zählt 31 aktive Sänger, unter Stabführung von Volkmar Michl und Franz-Josef Palm. 57 Proben haben sie im vergangenen Jahr absolviert – und 15 offizielle Auftritte. In ihrem Raum im ehemaligen Ledigenheim, Herzogenrather Straße 100, in dem zwischenzeitlich der Bergbaumuseumsverein und die gemeinnützige Energeticon GmbH eingezogen sind, haben sie neue musikalische Nachbarn bekommen, wie Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter berichtet. Bands proben eine Etage höher. E-Gitarre und Schlagzeug neben „klassischer“ Chor-Musik. Generationsübergreifende Klänge eben.

Um die Verknüpfung von Alt und Neu, von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geht es dem Bergbaumuseumsverein auch in Gänze. Vorsitzender Dr. Georg Kehren ergänzt den mehrseitigen Rechenschaftsbericht für 2012, der jedem vorliegt. Sprecher aus Reihen der Arbeitskreise tragen vor. Die Fachgebiete stehen für die Vielfalt des Vereins: Mineralogie und Geologie, Karbonrouten, Museumsarchiv, Bergbautechnik und -geschichte, Bläserensemble St. Barbara, Fotoarchiv, Redaktion Vereinsmagazin und Barbara-Kapelle. Nachdem in den ersten Monaten das Wetter für einige Verzögerungen gesorgt hat, hofft der Verein, dass die Betonarbeiten nun im Oktober abgeschlossen sind, dank Ehrenamtler und 1-Euro-Jobber.

Bahnbetrieb dokumentieren

Kehren hofft, dass es mit der Herrichtung von alten Bahnwaggons auf dem Gelände endlich losgeht. Die per Kran umgesetzten Anhänger sollen saniert und mit einer Ausstellung bestückt werden, die den obertägigen Bahnbetrieb des ehemaligen Bergbaustandorts und die Mobilität der Menschen damals dokumentiert. DB Regio, Aachener Verkehrsverbund (AVV) und Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) sind mit im Boot. Aber die „AB-Maßnahmen“ laufen noch schleppend an, sagt Kehren. Auch die zumindest optische Überarbeitung der vor sich hin rostenden alte Dampflok Anna 8 ist so ein Zukunftsprojekt. Immerhin haben sich zwischenzeitlich neue Lampen für das alte Stahlross finden lassen. Die alten waren Opfer von Vandalismus geworden.

Dass das Kriegsbeil zwischen Bergbaumuseumsverein und Stadt bzw. Energeticon gGmbH – zumindest unter den Offiziellen – endlich begraben sei, machte Kehren erneut deutlich. Zum Hintergrund: Der Verein hätte gerne ein eigenständiges Museum gehabt. Daraus wurde nichts.

Mitglieder des Vereins würden sich laut Kehren und ihre Vorstellungen umfassend in das im Bau befindliche Dokumentationszentrum für fossile und regenerative Energie einbringen. Im ehemaligen Ledigenheim sei man sehr gut aufgehoben. „Unser Blick geht nach vorne!“ Und der landete als Übergang bei Harald Richter, der über die laufenden Arbeiten am Dokumentationszentrum wortreich und mit vielen Bildern berichtete. In den vergangenen Monaten wurden die alte Schmiede und die alte Kaue ausgeräumt und entkernt.

Tonnenweise wurde vom Bergbaumuseumsverein gesammelte, aber zwischenzeitlich überflüssige Exponate verschrottet oder umliegenden Museumsvereinen anvertraut. Seit ein paar Woche laufen endlich die eigentlichen Ausbauarbeiten. Böden werden erneuert, Versorgungsleitungen gelegt. Immer wieder kommen Überraschungen an den Tag, werden Keller und Räume aufgetan, die im Erdreich nicht vermutet wurden. So musste das Kauengebäude aufwendig und zudem statisch gesichert werden. „Dennoch sind wir im Zeitplan und – noch im Budget“, sagt Richter. „Wir reden nicht mehr vom Energeticon, wir bauen und betreiben es!“

So wurden die Führungen wieder intensiviert. Tag der Eröffnung des Dokumentationszentrums („Energie erleben, Energie verstehen“) ist der 20. August 2014 – so der Plan. Denn das Energeticon wird auch außerschulischer Lernort sein. Und dann sind die Sommerferien zu Ende.

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