Der Kirchenkreis übernimmt das Ruder

Von: Karl Stüber
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Evangelische Gemeinde in Alsdorf im Umbruch: Die Erweiterung bzw. der Neubau des Kindergartens an der entwidmeten Paul-Gerhardt-Kirche in Ofden ist nur eine der Baustellen. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Helmut Pustolla kennt sich in finanziellen Fragen bestens aus. Besonders vertraut ist er mit den Finanzen der evangelischen Kirche. Reichliche Erfahrungen hat er durch seine Arbeit in der finanziellen Oberaufsicht – in etwa vergleichbar mit einem Rechnungsprüfungsamt – für rund ein Drittel der evangelischen Landeskirche im Raum „von Aachen bis Wesel“ gesammelt, wie er gegenüber unserer Zeitung sagte.

Er gilt als Fachmann für die Einführung der Prinzipien des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF) auch in der Landeskirche. Jetzt schaut der Fachmann bei der evangelischen Gemeinde Alsdorf nach dem Rechten. Genauer gesagt ist er Vorsitzender des Bevollmächtigtenausschusses, den der Kreissynodalvorstand des Evangelischen Kirchenkreises berufen hat und der die Rechte und Pflichten des Presbyteriums wahrnimmt. Bedingt durch einige Rücktritte von Presbyteriumsmitgliedern war dieses Gremium nicht mehr handlungsfähig, dem zuletzt Pfarrer Ulrich Eichenberg vorstand.

Mit Berufung des Bevollmächtigtenausschusses zieht der Kirchenkreis die Notbremse. Zuletzt war der ehrgeizige Plan gescheitert, rechtzeitig zum Beginn des Kindergartenjahres am 1. August die entwidmete Kirche in Ofden in Teilen zur Nutzung durch den angrenzenden Kindergarten herzurichten, dessen Träger der Evangelische Kindergartenverein Alsdorf (EVA) ist. Zwölf Kinder werden nun im Zuge der U3-Betreuung in extra aufgestellten Containern betreut. Diese Lösung ist vorerst für zwei Jahre konzipiert. Eine kostspielige Angelegenheit, zumal die Container für die Anwendung U3-Betreuung entsprechend ausgerüstet werden mussten, um den Vorgaben Genüge zu tun. Laut Pustolla fließt hierfür Geld gemäß Kinderbildungsgesetz (Kibiz).

Aber wie anderweitig zu erfahren war, reicht das nicht. So müsse der Trägerverein EVA einen höheren Anteil (Miete) aufbringen und auch die evangelische Gemeinde schieße aus Rücklagen Geld zu.

EVA-Vorsitzender Udo Kals hält die Container als Übergangslösung für akzeptabel. Die gegenüber der Stadt Alsdorf zugesicherte U3-Betreuung sei gewährleistet. „Wir hoffen, dass nun in Zusammenarbeit mit dem Bevollmächtigtenausschuss und der Stadt Alsdorf eine endgültige Lösung auf die Beine gestellt werden kann.“

„Keine Bauchschmerzen“

Manfred Schmidt (Jugendamt Alsdorf) bestätigte, dass die Kommune mit dieser Interimsleistung einverstanden ist. Man habe „keine Bauchschmerzen“. Schließlich bestehe ja das gemeinsame Interesse, in Ofden U3-Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen. Aber es könne bei diesem Provisorium natürlich nicht bleiben. Das sieht auch Bürgermeister Alfred Sonders so. Die Stadt Alsdorf war dem Trägerverein EVA und der evangelischen Gemeinde stark entgegengekommen. Die Stadt hatte den jährlichen Beitrag des „armen Trägers“ EVA in Höhe von knapp 77.000 Euro nach intensiver und teilweise kontroverser Debatte im Stadtrat übernommen.

Im Gegenzug verpflichtete sich die Gemeinde, mit eigenen Mitteln die notwendigen Investitionskosten für das Einrichten der U3-Plätze aufzubringen. Das Geld hierfür sollte durch die Vermarktung gemeindeeigener Grundstücke erwirtschaftet werden. Der Handel gilt weiterhin, allerdings muss sich die Gemeinde bzw. evangelische Kirche nun entscheiden, was sie nun tatsächlich unternehmen will, um den Kindern eine „feste Bleibe“ zu schaffen.

Das zu klären bzw. zu entscheiden, ist vorrangige Aufgabe des Bevollmächtigtenausschusses. Dabei ist vieles denkbar – auch der Abriss der entwidmeten Paul-Gerhardt-Kirche steht wieder zur Debatte. Bürgermeister Alfred Sonders sagte gegenüber unserer Zeitung die Unterstützung der Kommune zu, falls der Bevollmächtigtenausschuss zu dem Schluss kommen sollte, den Kindergarten komplett neu auf einem anderen Grundstück in Ofden zu errichten.

Ausschussvorsitzender Pustolla wollte sich gegenüber unserer Zeitung nicht festlegen und dem Gremium, das Ende August tagt, keinesfalls vorgreifen. Dabei geht es um weit mehr als die U3-Plätze. Es geht um die Vermarktung des Gesamtareals, auf dem auch noch Jugend- bzw. Pfarrheim stehen. Zuletzt hatte der Aachener Architekt Alfred Feuser in einer Bürgerversammlung den Bau von 16 bis 18 barrierefreien Wohnungen vorgestellt, auch wenn noch kein Investor zu finden war.

Neben der Ofdener Kirche hatte die evangelische Gemeinde auch die Immanuelkirche in Busch geschlossen, die zum Verkauf steht. Seitdem konzentriert sich das Gemeindeleben auf die Martin-Luther-Kirche in Alsdorf-Mitte. Das strukturelle Defizit von rund 150.000 Euro pro Jahr hatte letztlich der Gemeinde keine andere Möglichkeit mehr gelassen. Der Prozess verlief und verläuft jedoch nicht ohne Auseinandersetzungen und Brüche in den stark gelichteten Reihen der Gemeindemitglieder. Schon länger wird in der evangelischen Gemeinde Alsdorf um den rechten Weg gestritten. Bei nur noch etwas mehr als 4000 Gemeindemitgliedern war die Struktur mit drei Kirchen nicht aufrecht zu erhalten.

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