Der Kassensturz sorgt bei allen für strahlende Gesichter

Von: Stefan Klassen
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Erster Funktionstest bestanden: die Kleinen der integrativen Kindertagesstätte „Paradiso” mit ihren Erzieherinnen und dem neuen, aus vielen Glasfaserkabeln bestehenden „Faseroptik-Gerät”. Foto: Stefan Klassen

Baesweiler. „Das war eine prima Idee. Wir hätten nichts Besseres machen können.” Jochen Hoffmann spricht nicht vom Abitur, das er im vergangenen Jahr zusammen mit rund 100 anderen Schülern am Baesweiler Gymnasium gebaut hat.

Sondern davon, was besagte Abiturientia mit dem Rest ihrer Kasse gemacht hat: 1100 Euro befanden sich auch nach der großen Abi-Party noch darin. Jochen Hoffmann und Co. haben das Geld der Kindertagesstätte „Paradiso” gespendet.

Die Einrichtung am Herzogenrather Weg, getragen vom Deutschen Roten Kreutz (DRK), ist keine gewöhnliche Kita. In den drei Gruppen werden insgesamt 45 Kinder betreut, 15 von ihnen sind behindert. Dieser integrative Ansatz erfordert einen großen Personalaufwand - die Kita hat zusätzlich drei hauptamtliche Therapeuten - sowie eine besondere Einrichtung. Dazu gehört seit 2003 ein sogenannter „Snoezelen-Raum”, in dem die Kleinen emotional entspannen und therapeutisch gefördert werden können.

Fast dunkel ist es im fensterlosen, gut zehn Quadratmeter großen „Snoezelen-Raum” der Kita „Paradiso”. Nur der Projektor, der sich ganz langsam bewegende Bilder an die Wand wirft, spendet etwas Licht. Auf dem Wasserbett tummelt sich eine Handvoll Kinder - behinderte wie nichtbehinderte.

In der Ecke blubbert eine beleuchtete Wassersäule vor sich hin und auf einer Matratze auf dem Boden liegt ein Gewirr von Glasfaserkabeln, aus dem unzählige kleine Lichtpunkte erstrahlen - ein therapeutisches „Faseroptik-Gerät”, das die Kita mit den gespendeten 1100 Euro der Abiturientia 2008 angeschafft hat. Clou der Anschaffung: Die mit durchsichtigem Kunststoff ummantelten Drähte können nach Herzenslust von den Kinderhänden geknickt werden.

An der Knickstelle erscheint dann ein neuer Lichtpunkt. Das beruhigt die Kleinen, fördert ihre Konzentration und macht obendrein mächtig Spaß. „Diese Anschaffung ist ein weiterer Baustein, den Kindern das Leben etwas leichter zu machen”, betont Peter Timmermanns, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Kreis Aachen. „Das eröffnet Chancen, die andere Kinder vielleicht nicht haben.”

Zufriedene Gesichter auf allen Seiten also. Was auch auf Käthe Eilers zutrifft. Sie ist Mitglied des Leitungsteams des Förderkreises „Schwerkranke Kinder” in der Region Aachen, an den die Abiturientia ihr stattliches Restgeld übergeben hatte. Dieser Verein fördert auf ehrenamtlicher Basis integrative Projekte in Schulen oder Kitas und übernimmt zudem stundenweise die Betreuung behinderter Kinder, damit die Eltern entlastet werden können.

Dass es ohne „Schwerkranke Kinder e.V.” den „Snoezelen-Raum” in der Kita „Paradiso” samt neuem Faseroptik-Gerät nicht geben würde, darauf verweist Kita-Leiterin Rita Reichstein. Der Verein hat mittlerweile rund 5500 Euro - darin enthalten die 1100-Euro-Spende der Baesweiler Abiturienten - für das Interieur des Kuschel- und Entspannungs-Zimmers bereitgestellt. „Ein großartiges Engagement”, wie DRK-Chef Peter Timmermanns lobt.
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