Würselen - Den Tagesrhythmus selbst bestimmen

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Den Tagesrhythmus selbst bestimmen

Von: ath
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Haben sich aufeinander eingest
Haben sich aufeinander eingestellt: Rolf, Eugen und Ho-kyung (es fehlt Detlef) leben einer Wohngruppe zusammen - mit allen Problemchen, die das so mit sich bringt - vom Putzdienst bis zum Kochen. Foto: Andrea Thomas

Würselen. Selbstständig entscheiden, ob man morgens zu Hause frühstückt oder auf der Arbeit, wann man abends nach Hause kommt, am Wochenende aufsteht und was gekocht wird... Das sind Dinge, von denen nicht nur junge Menschen träumen, die das „Hotel Mama” gegen die eigenen vier Wände tauschen wollen.

Diesen Wunsch haben auch viele Menschen mit Behinderung, und er wird für immer mehr von ihnen wahr. So etwa für Eugen, Rolf, Ho-kyung und Detlef. Die vier Männer zwischen 37 und 52 Jahren leben in einer betreuten Wohngemeinschaft der Caritas Lebenswelten GmbH in Bardenberg. Im gleichen Haus sind zwei weitere Wohngruppen untergebracht. Insgesamt haben hier zehn Menschen mit Behinderung ein Zuhause gefunden.

Betreut und begleitet werden sie von Peter Hoffmann und Margot Brandt. Die beiden Sozialarbeiter unterstützen die WGs in ihrem Alltag, helfen beim Finanziellen, beim Einkaufen, bei der Aufgabenverteilung unter den Bewohnern und vermitteln, wenn es mal zu Spannungen kommt. „Einer von uns ist immer da, wenn sie von der Arbeit kommen. Obwohl sie hier so selbstständig sind, dass man sie auch ein oder zwei Tage alleine lassen kann, ohne dass gleich Chaos ausbricht”, erklärt Peter Hoffmann.

Ein Lob, das Rolf mit Nicken unterstreicht. Er lebt seit 1996 in der Wohngruppe und hat schon verschiedene Mitbewohner gehabt. In der aktuellen Zusammensetzung funktioniere es recht gut. „Jeder hat hier seine Aufgaben. Das klappt. Ich mache zum Beispiel den Garten.”

Früher hat er im Wohnheim gelebt, aber das war nicht das Richtige für ihn. „Da musste man um zehn Uhr in der Gruppe sein, sonst kam man ins Buch. Ich bin doch kein Kind”, erzählt er. Zudem habe es feste Dienste vor der Arbeit gegeben, und die Teilnahme an gemeinsamen Aktivitäten sei auch erwartet worden. In seiner jetzigen Wohngruppe habe ebenfalls jeder seine Pflichten, aber auch seine Freiheiten, um dem eigenen Lebensrhythmus zu folgen.

Eugen, der seit acht Jahren hier wohnt, arbeitet in der Außengruppe der Caritas-Behindertenwerk GmbH bei Cinram in Alsdorf. Er stehe morgens schon ganz früh auf, vor allen anderen, erzählt er. Abends geht er daher früh ins Bett, und am Wochenende, da schläft er gerne bis Mittag. Seine Mitbewohner stört das nicht: „Hier macht jeder sein Ding.”

Abwechselnd kochen

Abends schauen sie manchmal gemeinsam fern, und wenn jemand Geburtstag hat, wird natürlich mit allen im Haus gefeiert. Im Sommer werde häufiger gegrillt, ergänzt Peter Hoffmann.

Er legt auch Wert darauf, dass seine Schützlinge am Wochenende abwechselnd für alle kochen und, wenn sie da sind, alle gemeinsam essen. Beim Speiseplan ist es wie in jeder guten WG, jeder hat so seine Spezialgerichte, die nicht immer alle anderen begeistern. Ho-kyung liebt Spaghetti, Eugen macht gerne Bratwurst, was wiederum Rolf nicht ganz so toll findet. Er ist der Koch im Team: „Das habe ich bei meiner Tante abgeschaut, die war Köchin.” Hat er Küchendienst, dann gibt es Hähnchen und Fritten oder mal einen schönen Braten, „aber nicht mit so Fertigsoße”.

Das funktioniere insgesamt alles ganz gut, ist Peter Hoffmann zufrieden. Die vier haben es geschafft, sie stehen - mit nur kleinen Hilfestellungen - auf eigenen Füßen.
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