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Den Energiewandel im Energeticon hautnah erleben

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
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Das Energeticon in Alsdorf soll zum Ausgangspunkt für aufschlussreiche Exkursionen in Sachen Energielandschaft werden: Geschäftsführer Harald Richter hat bereits Partner an einen Tisch gebracht. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Das als Veranstaltungsstätte hergerichtete ehemalige Fördermaschinenhaus, bekannt unter dem Namen Energeticon, hat schon viele Gäste gesehen. Tagungen, Musikveranstaltungen, Theateraufführungen, Podiumsdiskussionen, Feiern und anderes mehr finden hier statt.

Nun fanden sich im historischen Ambiente des längst eingestellten Steinkohlenbergbaus zwölf führende Vertreter durchaus veritabler Einrichtungen zusammen – und zwar Forschungszentrum Jülich, RWTH Achen, Fachhochschule Aachen, Industrie- und Handelskammer, Innovationsregion Rheinisches Revier, Indeland GmbH, Stadt Bergheim, Zweckverband terra nova und Energeticon GmbH. Das Ergebnis der Zusammenkunft: Alle Partner wollen gemeinsam das so genannte „Elan“-1:1-Projekt konkretisieren und umzusetzen. Das Kürzel steht für „Energielandschaften im Maßstab 1:1“. Noch so ein schwer verständliches Projekt, auf das die Bevölkerung gewartet hat? Der Geschäftsführer der Energeticon gGmbH, Harald Richter, erläutert im Interview Sinn und Zweck des Vorhabens.

Herr Richter, Sie schreiben selber im Online-Auftritt des Energeticon, da habe sich „eine illustre Runde aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und öffentlichen Einrichtungen“ in Sachen Energielandschaften 1:1 erstmals zusammengesetzt. Noch ein „Debattierclub“ mit endlos offenen Runden?

Richter: Nein. Bereits beim ersten Treffen der Initiativgruppe drängten die Teilnehmer nach intensiver Diskussion der Projektidee dazu, so schnell wie möglich eine „Probeexkursion“ zu organisieren, um so durch praktische Erfahrungen möglichst schnell endgültige Routen, die sich an den verschiedenen Interessen unterschiedlicher Zielgruppen orientieren werden, fest zu zurren.

Welches ernsthafte Interesse haben denn zum Beispiel die RWTH Aachen, die Fachhochschule Aachen und das Forschungszentrum Jülich an dem Projekt „Elan“?

Richter: Den wissenschaftlichen Einrichtungen liegt daran, ihren Studierenden, die zum großen Teil nicht aus der Region sind, diese äußerst spannenden, einzigartigen Modellregion des Energiewandels näher zu bringen und sie auch auf diese Weise gegebenenfalls für einen Verbleiben hier nach Abschluss des Studiums zu gewinnen. Insbesondere Studierende, deren fachliche Orientierung Bezüge zum Thema Energiewende, Landschaften der Energiewende haben, sollen außerhalb der „Elfenbeintürme“ ihrer Hochschulen einen praktischen, greifbaren Bezug zu diesem Thema erhalten. Die wissenschaftlichen Einrichtungen wollen sich über ihre bisherigen Tätigkeiten der Öffentlichkeitsarbeit hinaus mit „Elan“ weiter zu ihrer Standortregion hin öffnen.

Was haben denn die Bewohner des ehemaligen Steinkohlenreviers davon?

Richter: Anders als im Ruhrgebiet, im „Pott“, gibt es im Rheinischen Revier kein „Wir-Gefühl“. Obwohl Steinkohle- und Braunkohlenbergbau viele historische, industriekulturelle und soziale Gemeinsamkeiten gelegt haben, gibt es kein wirkliches Zusammengehörigkeitsgefühl unseres „Potts“. Bei Exkursionen für die Zielgruppe „Bewohner des ehemaligen Steinkohlenreviers“ gilt es daher vor allem darum, einen erweiterten Blick auf ihre Heimat zu werfen und auf deren „andere Schönheit“, die vor allen Dingen durch die weithin sichtbaren Zeugnisse schwerer Industriearbeit der fossilen Energiewirtschaft geprägt ist. Während die Energiewende als Abkehr vom fossilen Zeitalter im Steinkohlenbereich des Rheinischen Reviers bereits vor 20 Jahren vollzogen wurde, können auch ihre Bewohner nun das Erstarken regenerativer Energieversorgung erleben, während gleichzeitig direkt nebenan die Braunkohle noch eine starke Säule der Stromproduktion ist, deren Folgelandschaften aber bereits in Form von attraktiven Restseen und gewaltigen künstlichen Bergen ebenfalls schon gleichzeitig das Bild des Reviers prägen. Eine traditionelle Energielandschaft eben in einem großen, langfristigen Wandlungsprozess zu einer modernen Energielandschaft.

Wie geht es jetzt mit „Elan“ weiter? Wann wird es was Konkretes geben?

Richter: Ende März trifft sich der Initiativkreis das nächste mal. Bis dahin tragen die Partner eine „Stoffsammlung“ möglicher Anlaufpunkte der Exkursionen zusammen und definieren die unterschiedlichen Zielgruppen wie Schüler, Studenten, Senioren, Heimatkundler und so weiter. Die Energeticon gGmbH hat sich bereit erklärt, in dieser ersten Phase der Projektentwicklung organisatorische Hilfestellungen zu übernehmen. Noch vor den Sommerferien soll die erste Testexkursion mit gemischter Teilnehmerschaft an den Start gehen. Interesse an einer Teilnahme haben bereits Schulen, Hochschulen und Vereine bekundet.

Wie sollen die Touren organisiert werden? Wird die Energeticon gGmbH als Veranstalter auftreten?

Richter: Details zur Organisation werden im Folgenden zwischen den Projektpartnern abgestimmt. Für die geführten Touren sind Anmeldungen erforderlich, um die Kapazitäten der Busse bzw. das Engagement der Standortpartner effektiv zu nutzen. Während der Fahrt und an den Anlaufpunkten der Exkursion sollen die Teilnehmer fachkundige Erläuterungen erhalten. Die Energeticon gGmbH wird zunächst Starthilfe für „Elan“ leisten. Wer danach als Veranstalter fungiert, wird die weitere Projektentwicklung und das Interesse der Partner zeigen.

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