Herzogenrath - Den Alleen-Charakter erhalten

Den Alleen-Charakter erhalten

Von: Beatrix Oprée
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Auch ein „Anwohner“ der Dahlemer Straße: Der Baumläufer wurde beim Ortstermin entdeckt. Foto: Imago

Herzogenrath. Symbolische Totenglocken erklangen vor dem Rathaus, garniert von einem riesigen Plakat mit der den Cree-Indianern zugeschriebenen Weissagung „Erst wenn ihr den letzten Baum gerodet habt, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann“.

Bürger hatten im Vorfeld des Umwelt- und Planungsausschusses mobil gemacht. Das Szenario am dunklen Winterabend auf dem Rathausvorplatz war wie zugeschnitten auf die ebenfalls auf der Tagesordnung vorgesehene Aufarbeitung des allerorten die Gemüter erregenden Kahlschlags im Further Wald. In erster Linie galt es aber dem Kampf um eine Reihe noch lebender Bäume, nämlich der kleinen Baumallee aus Bergahorn und Pappeln an der Dahlemer Straße, die im Zuge der Beplanung des ehemaligen Vetrotex-Geländes ins Visier geraten ist.

Grünen-Stadtverordneter Dr. Bernd Fasel ging denn auch gleich hart ins Gericht mit der „Verwaltungsstrategie“ in dieser Angelegenheit, sprach gar von Vertrauensverlust: Zunächst sei versprochen worden, dass die stadtteilprägenden Bäume auf alle Fälle stehen bleiben, Monate später habe aber ein Gutachten die angebliche Abgängigkeit der Bäume aufgrund von Schädigung belegt, und nun liege eine Expertise vor, dass der Hang „mit oder ohne Bäume“ nicht standfest genug sei …

Sicherheit gehe vor, lenkte Fasel dann ein und fügte sich den Umständen. Wenn der Hang gesichert werden müsse, hätten die Bäume natürlich keine Chance: „Wir können die Augen vor den Fakten nicht verschließen“, kündigte er die Zustimmung der rot-grün-roten Mehrheit zum geänderten Bebauungsplan I/55 „Dahlemer Straße“ vor. Dem entsprechenden Beschlussvorschlag der Verwaltung konnten sich CDU und FDP anschließen, nicht jedoch der umfangreichen Ergänzung des Beschlusses, den Fasel ebenfalls vortrug. Folglich nur mehrheitlich wurde also überdies beschlossen, den Alleen-Charakter der Dahlemer Straße zu erhalten, zu diesem Zwecke Bäume mit einem Stammdurchmesser von mindestens 20 Zentimetern und einem Meter Höhe zu pflanzen. Darüber hinaus sollen im Bebauungsplangebiet mindestens 100 Bäume in einer Höhe von mindestens einem Meter bei zwölf Zentimetern Stammdurchmesser unabhängig von den ohnehin vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen gesetzt werden. Vor den Fällmaßnahmen sei zudem zu einer Bürgerinfo zu laden, damit für alle nachvollziehbar werde, was geschieht.

„So wichtig uns die Bäume auch sind“, handelte sich die rot-grün-rote Mehrheit die Kritik von CDU-Fraktionschef Reimund Billmann ein: Als die Stadt das Grundstück gekauft habe, sei es nach dem Vetrotex-Aus vornehmlich um neue Arbeitsplätze gegangen. „Wir können uns jetzt nicht die Rosinen herauspicken. Wer sollte sich da noch für das Grundstück interessieren?“

Stephan Mingers, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Umwelt, verwahrte sich unterdes dagegen, dass die Stadt eine „Strategie“ fahre, „die Bäume zu vernichten“: Die anfängliche Aussage, dass die Bäume stehen bleiben könnten, „galt so“. Selbst ohne Baugebiet müsse der Hang gesichert werden. „Wir haben nur auf geänderte Gegebenheiten reagiert.“

Eine Argumentation, die die Naturschützer aber so nicht nachvollziehen wollen. Wilfried Hammers vom Soziokulturellen Zentrum „Klösterchen“ an der Dahlemer Straße, Mitinitiator des Protestes, kündigte nach der Sitzung weitere Vorstöße zwecks Rettung der Bäume an. Seine Hoffnung: „eine Mehrheit dafür zu finden, den Hang zu sichern, ohne dass er völlig bis oben aufgefüllt wird und somit die Bäume erhalten werden können“. Denn ein weiteres Gutachten bei der Verwaltung habe seinerzeit ergeben, dass die Bäume keinesfalls geschädigt seien, stellte er im Gespräch mit dieser Zeitung in den Raum.

Und darüber hinaus: Bei einem eigens mit der Unteren Landschaftsbehörde anberaumten Ortstermin der Protestler sei ein alerter Bewohner der altehrwürdigen Baumstämme entdeckt worden: der unscheinbare winzige Baumläufer, der in Rindenspalten nicht nur seine Nahrung findet, sondern auch brütet. Doch nicht nur das: Unter anderem auch Fledermäuse haben laut Aussagen der Naturschützer in den Kronen der besagten Bäume ihre Heimstatt.

Wilfried Hammers unterstreicht: „Wir hören noch nicht auf zu kämpfen.“ Das Plakat mit dem Spruch der Cree gibt dem beredt Ausdruck: Es prangt nunmehr über dem Eingang zum „Klösterchen“.

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