Demenz: Eine Hürde für alle Beteiligten

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Für das Team des Ago-Seniorenzentrum Eschweiler um Heimleiterin Irmgard Lammertz (2.v.r.) gibt es weiterhin viel zu tun, denn der adäquate Umgang mit dem Vergessen fordert täglich neue Herangehensweisen. Foto: I. Röhseler

Eschweiler. Heute sind annähernd alle Dinge des täglichen Lebens geplant und organisiert. Es werden Kontakte per Mails oder SMS gepflegt und mit einer Fülle an Nachrichten wird täglich das Gehirn konfrontiert. Kurz, man ist Weltmeister im „auf der Festplatte speichern“ und „Multitasking“.

Zeitgleich gibt es jedoch eine immer größer werdende Anzahl an Menschen in unserer Gesellschaft, die höhere Lebensalter erreichen und aufgrund dessen auch die Wahrscheinlichkeit, an einer Form von Demenz zu erkranken, mit sich bringen.

Demenz, das „rote Tuch“ aller Organisierten, eine Erkrankung, die mittlerweile in aller Munde ist, und die Angst macht. Bei allem Leid, das diese Krankheit mit sich bringt, gibt es jedoch auch Lichtblicke, die entdeckt werden können. Zunächst einmal die Frage verfolgend, was kann ich tun, um mich vor der Erkrankung zu schützen? Ehrlich gesagt, nicht viel, lediglich im Jetzt und Hier darauf zu achten, mit sich und der Welt im Einklang zu leben und das Leben einfach zu genießen.

Bereits in jüngeren Lebensjahren empfiehlt es sich, einer Vertrauensperson Vollmachten zu erteilen, damit persönliche Wünsche gegebenenfalls Berücksichtigung finden. Dazu müssen sich auch die Menschen, die professionell mit den demenziell Veränderten umgehen, täglich in ihrem Wirken hinterfragen, Biografien kennenlernen, auf wertschätzenden Umgang achten und in Teambesprechungen versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden, um die Welt der Vergessenden zu verstehen und zu erreichen.

Zusammenleben mit Demenzkranken

Im Ago-Seniorenzentrum Eschweiler ermöglicht ein geschützter Bereich mit 18 Plätzen das Zusammenleben auch von Menschen mit Demenz, die besonderen Schutz und Unterstützung im täglichen Leben benötigen. Außerdem bieten fünf weitere Wohnpflegegruppen das Leben und sich Wohlfühlen in komfortablen 70 Einzelzimmern und sechs Doppelzimmern. Gerontopsychiatrisch fortgebildete Pflegefachkräfte sind hier vor allem gefragt, da sie diese besonderen Menschen in ihrer Welt verstehen und ihr Wissen innerhalb der Teams konstruktiv vermitteln können.

Ergänzend nehmen Alltagsbegleiter nach § 87 b in der Unterstützung der Tagesgestaltung im AGO Seniorenzentrum Eschweiler eine immer wichtigere Rolle ein. Bedenkt man, dass im Durchschnitt in den Einrichtungen mittlerweile rund 65 bis 70 Prozent an Menschen mit einer Form von Demenz leben, kann man leicht den Bedarf dieser unentbehrlichen Alltagshelfer nachvollziehen. Aber neben Pflegefachkräften, Pflegeassistenten und Mitarbeitern des Sozialen Dienstes sowie den Alltagsbegleitern, geht der Umgang mit dem Vergessen alle Bereiche an.

Angefangen bei Heim- und Pflegedienstleitung bis zu Rezeptionsmitarbeitern, Haustechnikern, Reinigungs- und Küchenkräften, wird das professionelle Handeln rund um das Thema Demenz täglich gefordert. Hier ist es besonders wichtig, dass der adäquate Umgang mit diesen besonderen Menschen fortlaufend geschult wird und die entstehenden Probleme nicht tabuisiert, sondern vielmehr mit ihnen konstruktiv umgegangen werden. Das Ago-Seniorenzentrum Eschweiler ist sich dieser Herausforderung bewusst und arbeitet daher zukünftig mit dem DZNE Forschungszentrum für neurogenerative Erkrankungen e.V. zusammen.

Dies ist ein wissenschaftlich orientiertes Institut in Kooperation mit der Helmholtz Gemeinschaft, das die Einrichtung auf dem Weg zum Beispiel bei Fallbesprechungen explizit für Menschen mit Demenz unterstützt. Ziel ist die Erarbeitung individueller Lösungswege. Die Einrichtung nimmt an einem Projekt teil, das Fallbesprechungsinhalte und Abläufe erprobt, um nachhaltig maßgeschneiderte Lösungswege zu erzielen. Darüber hinaus gibt es auch Unterstützung bei Fragen und Sorgen der Angehörigen.

Seit 2008 bietet die Einrichtung einen offenen Gesprächskreis, der sich jeden zweiten Mittwoch im Monat trifft. Hier haben betreuende Angehörige, auch von Menschen, die nicht in der Einrichtung wohnen, die Möglichkeit, den Umgang mit dem Vergessen zu verstehen, Kommunikationswege zu erlernen oder sich einfach die Sorgen und Nöte von der Seele zu sprechen.

Es ist die Erkenntnis wichtig, dass Betreuende auch einmal an sich denken dürfen, damit sie entspannter mit den Herausforderungen leben können. Für das Team des Ago-Seniorenzentrum Eschweiler gibt es weiterhin viel zu tun, denn der adäquate Umgang mit dem Vergessen fordert täglich neue Herangehensweisen.

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