Nordkreis - „Delfin 4“: Lehrer werden Diagnose nicht vermissen

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„Delfin 4“: Lehrer werden Diagnose nicht vermissen

Von: Stefan Schaum
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Buntes Spielbrett mit Defiziten: Dass „Delfin 4“ wirklich aussagekräftig war, bezweifeln die Grundschullehrer. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Kritik hatte den Sprachtest mit dem putzigen Namen von Anfang an begleitet. Zu umständlich, zu störanfällig und zu wenig aussagekräftig sei das „Delfin 4“-Prozedere. Nun hat die rot-grüne NRW-Landesregierung beschlossen: Ab 2015 wird der Sprachtest für Vierjährige in den Kitas nicht mehr stattfinden.

Die richtige Entscheidung, findet Gabriele Schröder, Lehrerin an der Grundschule Alt-Merkstein. „Darauf haben wir schon lange gewartet.“ Im Grunde bereits seit der Einführung im Jahr 2007. In dieser Zeit hat sie zahlreiche „Spielrunden“ in den Kindergärten begleitet, bei denen Grundschullehrer anhand von Spielsituationen, Bildern und Fragen die sprachliche Entwicklung der Kinder abklopfen mussten. Die Erzieherinnen aus den Kitas saßen zwar mit am Spieltisch, doch waren sie nur Begleiterinnen.

Eine schlechte Ausgangslage, sagt Schröder. „Die Erzieherinnen, die die Kinder täglich in ganz verschiedenen Situationen erleben und sprechen hören, werden im Grunde gar nicht gefragt. Und wir Lehrer müssen in einer für die Kinder vollkommen ungewohnten Situation nach wenigen Minuten eine Entscheidung darüber treffen, ob das Kind sprachliche Förderung braucht.“ Zum Logopäden oder nicht? Auch in dieser Frage sollte „Delfin 4“ Klarheit schaffen. Konnte es aber nicht, sagt Schröder: „Ich habe viele Kinder erlebt, bei denen klar war, dass sie nur deshalb still blieben, weil ihnen die ganze Situation nicht behagte. Das ganze Ding war immer schon grenzwertig!“

Ein Fan war auch Adelheid Fröhlich, Leiterin der Würselener Sebastianusschule, nie. Daraus macht sie keinen Hehl. „Wir haben es zwar gemacht, weil Sprachförderung immer eine gute Sache ist – aber die Erzieherinnen in den Kitas haben viel bessere Möglichkeiten, Defizite bei Kindern zu diagnostizieren.“ Die Verantwortung beim Test in Hände der Schulen zu legen, sei der falsche Ansatz gewesen. Sie begrüßt die Düsseldorfer Entscheidung auch, „weil sie für Schulen eine Entlastung bedeutet. Die Kolleginnen, die in den Kitas getestet haben, mussten von anderen in der Schule vertreten werden. Ein sehr großer Aufwand.“

Fehlende Unterstützung

In den Kitas gibt es andere Meinungen. „Ich finde es schade, dass es gestoppt wird“, sagt Seher Kocaarslan, stellvertretende Leiterin der DRK-Kita „Paradiso“ in Baesweiler. „Wir haben es sehr begrüßt, dass der Test verpflichtend eingeführt wurde.“ Weil so nämlich auch Kinder mit Defiziten in den Genuss sprachlicher Förderung kamen, bei denen es im Elternhaus „an Unterstützung mangelt“, wie sie sagt. Zwar sei die Sprachförderung ohnehin ein Thema bei der Arbeit in der Kita, doch habe die „Extraportion“ für die, die bei „Delfin 4“ auffällig wurden, nicht schaden können. Dass die Landesregierung die Erzieherinnen noch stärker in die Förderung einbinden - und auch qualifizieren - will, stößt nicht nur bei Seher Kocaarslan bislang auf wenig Gegenliebe. „Wenn wir finanziell so unterstützt werden, dass wir weitere Kräfte für die Förderung einstellen können, ist das in Ordnung“, sagt Birgit Bahnen, Leiterin des Familienzentrums Annapark in Alsdorf. „Wenn aber die derzeitigen Kolleginnen das auch noch machen sollen, haut das niemals hin!“

Auch sie hat „Delfin 4“ seinerzeit begrüßt. Vor allem als Signal an die Eltern, dass Sprachförderung wichtig ist. „Wir erleben in unserer Arbeit Kinder aus Familien, in denen kaum noch Kommunikation stattfindet. Es gibt einige, die gemeinsames Spielen am Tisch gar nicht kennen.“ Dabei böten sich vor allem hier Sprachanreize. Deshalb würde sie gern die „alltagsintegrierte Sprache“ mehr fördern – die, die in Familien stattfinden sollte. Der Sprachtest sei ein gutes Mittel gewesen, das Thema anzubringen. „Wir werden sehr genau schauen, was stattdessen kommt.“ Alleine gelassen werden wollen die Erzieherinnen bei der Sprachförderung jedenfalls nicht.

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