Das Printenrezept bleibt ein Geheimnis

Von: mas
Letzte Aktualisierung:
6810683.jpg
Auch das muss präzise vorgenommen werden: Marga und Birgit Gorny bringen den „Prentemann“ in seine richtige Form. Foto: Sigi Malinowski
6810689.jpg
Die richtigen Rezepte: Seine Köstlichkeiten bewahrt Heinz Schröders in diesem Büchlein auf.
6810680.jpg
Und ab in den Ofen: Mit Mandeln verziert wird die Printe fertig gebacken.

Baesweiler. Das „Gebetbuch“ hat Marga Gorny komplett abgeschrieben. Denn irgendwann wird man die verblichenen und tintenverschmierten Seiten nicht mehr lesen können. Das „Gebetbuch“, wie es Bäckerin Marga Gorny nennt, ist nicht das, wie man es landläufig kennt. Es ist im kleinen DIN-A7-Format angelegt und enthält ausschließlich handschriftliche Aufzeichnungen.

Bäckermeister Heinz Schröders hat es angelegt und viele Jahre gehütet – seine Rezepte dort akribisch eingetragen. Bis seine Töchter Marga und Birgit, die erfolgreich in den Berufsstand eingestiegen sind, endlich hineinschauen durften. In die Welt der Aachener Printen, die der Settericher Spezialist bis heute noch selbst backt. Heinz Schröders ist zwar pensioniert, aber in der Vorweihnachtszeit kommt er immer mal wieder in die Backstube an der Bahnstraße 11 in Setterich. Um seinen Töchtern zur Hand zu gehen.

Denn der Betrieb Schröders hat – als einziger noch in Setterich – eine Tradition im Baesweiler Stadtteil bewahrt. „Wir backen immer noch selbst und stellen eigene Printen nach Originalrezepten her“, sagt Bäckermeisterin Birgit Hartmann stolz. Vor einiger Zeit hat sie gemeinsam mit ihrer Schwester Marga Gorny den Betrieb übernommen, der seit über 50 Jahren besteht und seit 1979 in Setterich beheimatet ist. Heinz Schröders, mittlerweile 82 Jahre alt, hat in jungen Gesellenjahren die Idee gehabt, „ich mach mich selbstständig und backe meine eigenen Printen“. Beschlossen und getan. Nach allen Regeln der Kunst und nach den Wünschen der Kunden. Denn die spielen eine gewichtige Rolle.

Viele Printenliebhaber möchten ganz persönliche Gestaltungen ihrer Leckereien. Ob es der Ferrari für den Italien-Fan, der Hoppelhase für die Enkelin, der Ribéry-„Nachbau“ für den Bayern-Freund oder der Öcher Dom für die Nachbarn zu Weihnachten sein soll. Birgit Hartmann und Marga Gorny sind da sehr flexibel und arbeiten das mit ihren Printenfreunden aus. Die Rezepturen sind natürlich unverändert. Die individuelle Anwendung (der prozentuale Anteil) der Gewürze macht letztlich den „eigenen“ Geschmack der Printe aus. „Nö, da verrate ich natürlich nichts“, schmunzelt Heinz Schröders und weiß, dass auch seine Töchter in der nächsten Generation diese Mischungen für sich behalten. Selbst aus der „Mutterstadt“ der Printen (Aachen) kommen die Schröder‘schen Kunden und geben ihre Bestellungen auf.

„Das beginnt schon im September und endet erst ganz kurz vor Weihnachten“, greifen Marga Gorny und Co. früh zu Mandeln, Koriander, Zimt, Anis, Nelken, Orangeat und all den anderen Gewürzen. Und beim fein vorgenommenen Garnieren der Printe geben Marga und Birgit ein paar geschichtliche Hintergründe preis. „Lebkuchen in Form von gepresstem Gebäck stammt eigentlich aus Belgien und gilt als magenfreundlich wegen seiner Zusammensetzung“, erzählt Marga Gorny. Kupferschläger haben das ursprünglich als Brot gedachte Gebäck in die Aachener Region gebracht. Printen mit der Bezeichnung „Aachener“ gelten nur dann als „original“, wenn sie in der Kaiserstadt sowie beispielsweise in den Nachbarorten Alsdorf, Baesweiler, Eschweiler, Stolberg oder Würselen produziert werden.

Für seine Printen steht Heinz Schröders immer noch gerne mal morgens erheblich früher auf. Um seinen „Girls“ ein bisschen der vielen Arbeit abzunehmen. Außer am 20. Dezember. Da feierte der kreative Meister die Vollendung seines 82. Geburtstages. Mit einem speziellen Printengruß aus der Backstube. Sollte nach Weihnachten tatsächlich eine Printe übrig bleiben, hat Schröders Schwiegersohn Martin Hartmann einen praktischen Tipp parat. Der Oberkarnevalist aus Loverich empfiehlt: „Die schmecken auch zum Sauerbraten gut.“ In der Soße.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert