Alsdorf - Das Energeticon will von Schulen lernen

Das Energeticon will von Schulen lernen

Von: Karl Stüber
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Windkraft: Hier demonstriert Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter (r.) die Effizienz unterschiedlicher Rotorblattformationen. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Das Energeticon – Dokumentationszentrum für Energieformen, außerschulischer Lernort, Tagungszentrum und Veranstaltungsstätte für allerlei Kulturevents – startete am 8. September in den Betrieb. Nahezu 1000 Gäste, geladen zur Eröffnungsfete und spontan zum Tag der offenen Tür, fanden an diesem Tag den Weg zur Adresse Konrad-Adenauer-Allee 7.

Aber jetzt nach dem Aufbau und der schwungvollen Feier hat die entscheidende Phase erst begonnen: Wird die Einrichtung im Alltag auch angenommen?

„Erwartungsgemäß“ hält sich wochentags die Zahl der „Spontangäste“ im Rahmen, wie der Geschäftsführer der Energeticon gGmbH, Harald Richter, auf Nachfrage unserer Zeitung sagt. Er spricht von 25 bis 30 pro Tag. Auch die ersten Gruppen „rollen“ an: Vereine auf Ausflugstour, die neben dem Dokumentationszentrum die Einkehr im „Bistro&Restaurant Eduard“ schätzen lernen sollen, und Schülergruppen. Vor allen Besuchern liegt einiges: 700 Meter und rund 30 Stationen in Sachen Energie.

Eine komplette Klasse in der Pubertät ist für jeden und überall eine Herausforderung. Die von der Energeticon gGmbH gestellte fachkundige Führung ist aufopferungsvoll bemüht, die Jugendlichen, die zwischen Weltentdecker und -beherrscher und (nicht eingestandener) Ratlosigkeit ständig schwanken, auf Themenlinie zu halten. Das wird von den Begleitlehrern nur zum Teil unterstützt, die das Entkommen aus dem Schulalltag wie ihre Schützlinge offenbar als ein Stück Freiheit und -zeit empfinden. Oder steckt kalkulierte Pädagogik dahinter, die Rasselbande von der Leine zu lassen?

Energeticon-Geschäftsführer Richter, der zuvor Technischer Beigeordneter der Stadt Alsdorf war und als 62-jähriger Familienvater die Höhen und Tiefen bei der Erziehung von Heranwachsenden bestens kennt, sieht das Geschehen mit großer Gelassenheit, aber auch mit Interesse: Im alten Kauengebäude entdecken die Jugendlichen das „1x1 der Energie“ sowie die „Sonne und Nutzenergien“.

Die Räume werden zunächst wie beim Schlussverkauf gestürmt, Regler werden gedreht, Knöpfe wild gedrückt. Als aber allmählich klar wird, dass man sich nicht in einem Center mit Spielautomaten befindet, bilden sich keine Grüppchen, die an interaktiven Ausstellungspunkten verbleiben, Einzelgänger machen sich auf Entdeckungstour.

Wie sollte das museumspädagogische Konzept des außerschulischen Lernorts Energeticon weiterentwickelt werden? Was hier eingerichtet worden ist, ist nicht in Stein gemeißelt. Richter und sein Team wollen von den Besuchern lernen. Das geht nicht ohne Austausch – und Partner. Gerade Schulen will er für das Energeticon begeistern. Deren Ressourcen, also Schüler, sind „nachwachsende“ Rohstoffe wie sie eben nur die Natur hervorbringen kann. Und die Sonne erscheint ähnlich unerschöpflich. Eine „Rallye zum Parcours durch das Energeticon“ gibt es bereits, um Nachhaltigkeit zu überprüfen.

Wie heiß ist die Sonnenoberfläche? Welche zehn solaren Schätze sind zu finden? Wie schwer ist der Akku für die Kopfleuchte eines Bergmanns? Was bedeutet eine Seilfahrt? Wo wurde die Einschienenhängebahn erfunden? Welche Obst- und Gemüsesorten sind in der Ausstellung zum Leben der Bergmannsfamilien in Einweckgläsern zu finden? Welche Gründe gibt es für die Energiewende? Antworten gibt es an dieser Stelle nicht. Wer das alles beantworten will, muss sich schon selbst ins Energeticon bewegen. So ein Fragebogen kann aber nicht alles sein.

Richter lädt Schulleiter und Lehrer zu Schnuppertouren ins Energeticon ein, strebt Vereinbarungen („letters of intend“) an, denkt an Patenschaften für einzelne Stationen der Ausstellung. Zur weiteren Gestaltung bietet sich das noch etwas traurige Außengelände an. Das war anders geplant. Laut Richter fehlten am Ende rund 600.000 Euro, die entgegen der Planung zum publikumsfähigen Herrichten der Gebäude, vor allem des anfangs statisch problematischen Kauengebäudes, im Gesamtetat umgeschichtet werden mussten.

Zwischenzeitlich wurde ein Förderantrag auf Einrichtung eines Energie-Kinderspielplatzes gestellt. Richter denkt an Kunstaktionen auf der Außenfläche. Da könnte zum Beispiel die Theater AG einer Schule ein Stück aufführen, das Schulorchester konzertieren – oder einfach ein Schulfest im spannenden Umfeld feiern und vieles anderes mehr.

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