Das Anderssein der Geschlechter macht Beziehungen aus

Von: Nina Krüsmann
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Folgte der Einladung von Pfarr
Folgte der Einladung von Pfarrer Dr. Guido Rodheut: Philosophin und Buchautorin Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz. Foto: N. Krüsman

Herzogenrath. Ein heißes Eisen fasste das Montagsgespräch in der Pfarre St. Gertrud in dieser Woche an. Wissenschaftlerin und Buchautorin Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz aus Erlangen sprach auf Einladung von Pfarrer Dr. Guido Rodheudt über die Gendertheorie. Oftmals verharmlosend wird dies mit „Geschlechtergerechtigkeit” übersetzt.

In Wahrheit bezeichnet es eine in allen Gesellschaftsbereichen verbreitete Ideologie, die ein biologisches Geschlecht des Menschen leugnet. „Es geht vielmehr um das soziale Geschlecht, darum, wie man sich selbst fühlt”, erklärte die Referentin, die unter dem Titel „Junge oder Mädchen? Das lassen wir es später selber mal entscheiden!” nach einer ausführlichen Erklärung der Theorie auch über die Gefahren der Genderideologie sprach.

Dabei geht es zum einen um die bekannte gesellschaftliche Rollenverteilung, dass etwa der Mann der Frau die Tür aufhält und in den Mantel hilft. Andererseits tragen Frauen im Gegensatz zu Männern auch Röcke und Kleider, lackieren sich die Fingernägel und kümmern sich trotz Emanzipation immer noch häufiger um Haushalt und Kindererziehung. „Männlich/Weiblich” sind aus der Gender-Perspektive nur kulturelle Zuschreibungen, „Konstruktionen”.

„Daher ist das Geschlecht eine willkürliche Benennung, die sich auch umschreiben lässt”, erklärte die Philosophin, die die beträchtlichen politischen, sozialen und individuellen Folgen der Gender-Ideologie aufzeigte.

Was aber passiert, wenn die Rollen vertauscht sind? Was geht auf dem Frauenparkplatz vor sich, wenn ein Mann darauf parkt, der sich als Frau fühlt? „Bei Gender geht es darum, wie man sich empfindet. Man kann aber nicht auf die Wirklichkeit des Leibes verzichten. Gerade das Anderssein der Geschlechter macht die Spannung, den Reiz in unseren Beziehungen aus”, betonte Gerl-Falkovitz, die mit ihrer Kritik nicht den Schritt von der Kanzel in die Politik beabsichtigt, sondern in Vorträgen informiert und zur Diskussion anregt.

Dabei ergeben sich interessante Anknüpfungspunkte: Wenn es im Personalausweis neben männlich und weiblich neuerdings die Geschlechtsbezeichnung „anders” gibt, Kinder keine geschlechtsspezifischen, sondern „offene” Namen erhalten, Bewerbungen laut Gender-Forderungen geschlechtsneutral und ohne Foto ablaufen sollen und in Texten nur noch von einer Person die Rede ist, läuft etwas in die falsche Richtung.

„Gendervertreter wollen, dass der Staat keinerlei Kontrolle mehr über uns hat, nicht weiß, wen er vor sich hat. Jeder soll sein Geschlecht frei bestimmen und notfalls auch mehrfach wechseln”, erklärte die Referentin.

1945 in der Oberpfalz geboren studierte Gerl-Falkovitz unter anderem Philosophie und Politische Wissenschaft. Die Referentin ist Philosophin und lehrte bis zu ihrer Emeritierung im Jahre 2011 in München, Tübingen und Eichstätt und hatte zuletzt den Lehrstuhl für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft an der Technischen Universität Dresden inne. „Sie ist Autorin zahlreicher hochrangiger Veröffentlichungen und hat eine große Reputation”, betonte Rodheudt.

Das nächste Montagsgespräch findet am 12. November um 19.30 Uhr mit dem Referenten Prof. Dr. Max Kerner von der RWTH Aachen statt. Er referiert über „Bonifatius und Willibrord - Zur christlichen Grundlegung Europas”. Bonifatius (gest. 754) und Willibrord (gest. 739) bekehrten ein Leben lang in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts in den Randgebieten des damaligen Frankenreiches die Menschen zum Christentum, gründeten Klöster und weihten Kirchen.

Sie verbanden die fränkische Kirche mit Rom und betrieben die Annäherung der beiden politischen Mächte des Frühmittelalters - des Papsttums und der Karolinger. Sie gelten deswegen zurecht als „Baumeister unseres Kulturkreises”. Kerner, Professor em. für Mittlere und Neuere Geschichte an der RWTH Aachen und langjähriger geschäftsführender Direktor des dortigen Historischen Instituts, ist ein ausgewiesener Fachmann, der die Zuhörer in die Zeit der Glaubensverkündigung bei unseren Vorfahren mitnimmt.
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