Computerkurs der besonderen Art: Senioren fit fürs Internet

Von: Anja Klingbeil
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So geht das: Willi Cauberg (l.
So geht das: Willi Cauberg (l.) und Alfred Reiß haben das Problem erkannt. Und auch die Lösung ist schnell gefunden.

Würselen. „Ich soll ein Bild da reinlegen?” Willi Cauberg schaut ein wenig verzweifelt auf den Bildschirm seines Laptops. Wie soll das nun wieder gehen mit dem Foto? Irgendwie kommt der 75-Jährige damit nicht so recht weiter, klickt mal hier, mal da - es tut sich leider nichts.

Doch Hilfe naht schnell. Schon steht Jan Gombert neben dem ratlosen Senior. Geduldig und ruhig erklärt er, wie das Bild in das vorgesehene Kästchen kommt. Der Junge könnte glatt Willi Caubergs Enkel sein. 14 Jahre ist der Pennäler jung. Mit seinen Mitschülern Eva de Gavarelli, Niklas Frank und Lena Einmal leitet er einen ganz besonderen Computerkurs. Die Schüler: Herrschaften älteren Semesters. Die Lehrer: Schüler der neunten Jahrgangsstufe.

Die Idee zum ungewöhnlichen Computerkurs hatte Lehrer Dirk Beyer im Rahmen seiner zweiten Staatsarbeit. Die dreht sich um das Thema Service-Learning-Projekt. Bedeutet: Schüler setzen sich innerhalb und außerhalb der Schule ehrenamtlich ein. Mit Kollegin Kerstin Koch koordiniert Beyer die Ideen der Schüler, die mittlerweile zwölf Projekte - einige engagieren sich in Grundschulen und Altersheimen sowie in der freien Jugendarbeit - auf die Beine gestellt haben. Der Computerlehrgang für Senioren ist ein Baustein, den die Schule mit dem Seniorenbeauftragten der Stadt, Dieter Juschka, realisiert haben.

Auch Juschka drückt nun wieder die Schulbank. Neben ihm sitzt Hans-Peter Drabent. „Ja”, sagt der 63-Jährige, „einen Computer hatte ich wohl schon mal an, aber man muss schon sagen, dass die jungen Leute dafür viel mehr Verständnis haben, als unsere Generation.” In der Volkshochschule, erzählt Drabent, hat er bereits einen PC-Kurs besucht. Aber hier im Klassenzimmer mit den Schülern als Lehrern sei es wirklich besser. „Die Jugendlichen sind richtig daran interessiert, dass wir auch was mitnehmen aus diesem Unterricht.”

Die Schüler bereiten die einzelnen Stunden in Eigenregie vor. Haben am ersten Tag die Teilnehmer gefragt, welche Themen ihnen auf den Nägeln brennen. Internet, E-Mail, Suchmaschinen, Power-Point, Bildbearbeitung, Visitenkarten - diese Punkte werden nun von Stunde zu Stunde peu à peu abgearbeitet.

Plötzlich schallt die Stimme von Alfred Reiß durch den Raum: „Meine Frau soll auch auf die Visitenkarte. Sonst ist die am Ende noch beleidigt.” Manchmal ist es wie im richtigen Schulunterricht, fängt einfach das Geplapper an - ja, auch Senioren müssen mitunter um Ruhe gebeten werden. Für die sorgen die jugendlichen Lehrer schnell. Sie haben ihre Klasse im Griff. Das macht ihnen richtig Spaß. „Klar, das ist schon ein wenig anders”, sagt Jan Gombert. Schließlich sind die Senioren, die da vor den Laptops sitzen, nicht mit Windows, Apple und Co. aufgewachsen. „Aber es ist super, wenn man sieht, dass wir unseren Schülern etwas beibringen. Damit haben auch wir ein richtiges Erfolgserlebnis”, sagt der 14-Jährige.

Erste Erfolgserlebnisse

Erste Erfolgserlebnisse feiern derweil auch die älteren Herren. Alfred Reiß Visitenkarte nimmt so langsam richtige Formen an. Der Name seiner Frau ist mittlerweile fein säuberlich darauf eingetragen. Harald Gerling macht sich einen Platz weiter mit den Feinheiten von Excel-Tabellen vertraut. „Die Schüler geben sich wirklich Mühe, auch uns ?Doofen den Umgang mit dem Computer gut zu erklären”, sagt der 66-Jährige und schmunzelt. Dann erzählt er stolz, dass er gerade auch für seine Frau etwas über Internet bestellt hat - zum aller ersten Mal. „Früher hat man ja geglaubt, das mit den Computern und dem Internet setzt sich nicht durch”, sagt Gerling. Und plötzlich hat Willi Cauberg es geschafft. Das Bild ist da, wo es hingehört - geht doch!
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