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Comedian Markus Krebs: „Extreme Sachen mag ich nicht so sehr“

Von: Stefan Schaum
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Locker vom Hocker und mit großem Herz für den Ruhrpott: Markus Krebs ist der derzeit erfolgreichste Witzeerzähler im Land. Foto: Veranstalter/Steffi Sauer

Alsdorf. Kommt ein Mann mit zwei linken Füßen in ein Sportgeschäft: „Guten Tag, ich hätte gern ein Paar Flip-Flips.“ Der Gag ist schon ein kleiner Klassiker bei Markus Krebs. Der Duisburger Comedian, Jahrgang 1970, hat sich mit Wollmütze, Sonnenbrille und staubtrockenem Vortrag von Witzen zum neuen Star in der Spaßmacher-Szene gemacht. Über seine Anfänge und Pläne spricht er vor dem Auftritt in der Alsdorfer Stadthalle im Wochenendinterview.

Neulich hat ein Kollege sie als Kabarettisten bezeichnet. Da hat er sich doch bestimmt geirrt, oder?

Krebs: Eigentlich schon. Ich hab‘ zwar tatsächlich mal so ein paar kabarettistische Sachen in ein Programm gepackt – aber die Rolle nimmt mir eigentlich keiner ab. Ist auch nicht so wirklich mein Humor.

Aber Witzeerzähler darf man Sie nennen?

Krebs: Klar. Damit hat ja alles angefangen. Ich war schon in der Grundschule der Klassenclown. Ich hab‘ ständig Blödsinn gemacht und Quatsch erzählt. Ich hab‘ den Eindruck, mein Klassenzimmer war damals der Flur – ich bin ja öfters mal rausgeflogen.

Und ihr Vorbild ist Fips Asmussen?

Krebs: Vorbild ist vielleicht ein bisschen viel, aber ich find‘ den schon gut. Der stellt sich hin, haut Witze raus – und alles lacht. Jürgen von der Lippe hat mich aber noch mehr geprägt. Oder Mike Krüger. Die machen allerdings viele Sachen über die Musik – das klappt bei mir nicht.

War denn immer klar, dass Sie mal auf der Bühne landen?

Krebs: Überhaupt nicht. Ich habe ganz andere Jobs gemacht, war Leiter eines Baumarktes. Der ist pleite gegangen – aber das lag nicht an mir. Kellner war ich auch mal oder Ladenbesitzer. Und dann bin ich zufällig beim „Niederrheinischen Comedypreis“ auf der Bühne gelandet, weil da ein Kandidat ausgefallen war. Ich hab‘ das Ding gewonnen, und so ging‘s dann weiter.

Und das bleibt auch so? Oder stehen Sie in ein paar Jahren wieder irgendwo als Wirt hinter der Theke?

Krebs: Nee, ich möchte bestimmt nix anderes mehr machen. Das mit der Comedy, das isses jetzt. Ist doch super, sich den ganzen Tag was Lustiges auszudenken. Ich schlaf‘ abends mit lustigen Gedanken ein und wach‘ morgens mit lustigen Einfällen auf. Dann setz‘ ich mich hin, schreib‘ das auf und gut ist. Was anderes kann ich mir derzeit nicht vorstellen.

Mit Ihrer Vergangenheit als Duisburger Hooligan gehen Sie offen um. Sehen Sie sich da auch als Vorbild, wenn Sie auf der Bühne stehen? Als einer, der sich erfolgreich von der Szene losgesagt hat?

Krebs: Nein, eigentlich nicht. Ist kein Thema mehr. Das ist ja jetzt auch schon 15 Jahre her, ich hab‘ mittlerweile damit abgeschlossen.

Ihr aktueller Lieblingswitz?

Krebs: Kommt ein Buckliger in die Bäckerei und sagt: „Ich hätte gern ein Brot.“ Sagt der Bäcker: „Schlucken Sie doch erst mal das andere runter.“ (lacht) Gut, oder?

Gibt es denn Witze, die nicht gehen? Wo hört der Spaß bei Ihnen auf?

Krebs: Ich mag alle Sachen nicht, die zu extrem sind. Auch politisch. Extrem links, extrem rechts, das ist nichts. Wenn ich auftrete, lass‘ ich die Leute in der Pause ihre Lieblingswitze aufschreiben und les‘ dann ein paar davon vor. Und ich sag vorher jedes Mal: „Leute, bitte keine rechte Scheiße und nix unter der Gürtellinie!“ Und trotzdem kommt immer so was. Richtig herbe Sachen. Ich wunder‘ mich dann, was die Leute für krasse Lieblingswitze haben.

Tja. Aber es ist schließlich Ihr Publikum. . .

Krebs: Nee, nee, an mir liegt das nicht. Und ich hab‘ ja eigentlich auch ein älteres Publikum.

Im Karneval sind Sie auch gefragt. Die kommenden Monate dürften stressig werden.

Krebs: Das geht schon. Klar, an die sechs Auftritte pro Tag kommen da locker zusammen. Aber macht ja auch Spaß.

Fahren Sie noch selbst von Ort zu Ort?

Krebs: Mittlerweile hab‘ ich eine Fahrerin.

Haben Sie sich ausdrücklich eine Frau gewünscht?

Krebs: Nein. Aber das ist schon gut so. Frauen fahren langsamer und vorsichtiger. Ich mag das.

Wann sieht man Sie im Kino?

Krebs: Erst mal nicht. Aktuell arbeite ich an einer Sitcom fürs Fernsehen, die soll nach Karneval ausgestrahlt werden. Und ich steh‘ im Dezember als Moderator im Zirkus „Flic Flac“ an der Dortmunder Westfalenhalle. Wird sicher super.

Und Alsdorf? Sie waren doch schon mal in der Stadthalle. Schöner Ort?

Krebs: Ganz ehrlich? Damals hab ich leider überhaupt nichts von der Stadt gesehen. Nur hin zur Halle, den Auftritt gemacht, dann zurück nach Duisburg. Diesmal will ich länger bleiben. Ich setz‘ mich vor Auftritten in jeder Stadt ganz gern in eine Kneipe und trink ein Bierchen.

Weil Sie das vorm Auftritt brauchen?

Krebs: Das Bierchen? Nein. Obwohl: Ich komm‘ ja aus dem Ruhrpott. Wenn du da ohne Flasche auf die Straße gehst, gehörst du nicht dazu (lacht). Aber im Ernst: Zuhause hab‘ ich kein Bier im Kühlschrank, ich bin Gesellschaftstrinker. In die Kneipe gehe ich vor den Shows aber immer gern, um was über die Leute und die jeweilige Stadt aufzuschnappen. Wenn der Bürgermeister da gerade etwas besonders Blödes gemacht hat, dann kann ich das flott noch in den Auftritt einbauen. Mal schauen, was ich da in Alsdorf so alles hören werde. . .

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