Cinram wird sich von Mitarbeitern trennen müssen

Von: ansc
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Die Geschäftsführer der Cinram GmbH: Klaus Schramm (links) und Martin Kämper. Foto: André Schaefer

Alsdorf. Das Plakat am Zaun des Betriebsgeländes ist kaum zu übersehen. „Wir sind auf der Suche nach neuen Kolleginnen und Kollegen“, ist darauf zu lesen. „Cinram freut sich auf Ihre Bewerbung.“ Seit Mitte dieser Woche ist klar: Das einzige, wonach die Alsdorfer Cinram GmbH derzeit sucht, ist eine Zukunft.

Das Amtsgericht Aachen prüft derzeit den Antrag des Unternehmens auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das Verfahren könnte schon am 1. Juli eröffnet werden. Der Hersteller von CDs, DVDs und Blu-rays mit seinen rund 1030 Mitarbeitern benötigt nun schnell einen Plan, um Schlimmeres zu verhindern.

Wie ernst die Lage ist, wurde am Donnerstag an der Max-Planck-Straße 1 in Alsdorf allzu deutlich. „Wir befinden uns in einer Situation, die alles andere als erfreulich ist“, sagte Klaus Schramm, seit vergangener Woche neben Martin Kämper ebenfalls Geschäftsführer des Alsdorfer Unternehmens. Für Schramm ist es nach knapp vier Jahren ein Wiedersehen, von 2010 bis 2013 leitet er bereits die Geschicke bei Cinram.

„Ich kenne hier noch viele Gesichter. Und wenn ich helfen kann, mache ich das gerne“, sagte er. Allerdings ist es gut möglich, dass Schramm einige dieser bekannten Gesichter bald nicht mehr auf dem Betriebsgelände sehen wird. Der Betrieb soll in vollem Umfang aufrechterhalten werden. Und – natürlich – sei man gewillt, „den Großteil der Belegschaft“ zu behalten. „Klar ist aber auch, dass es utopisch ist, alle Arbeitsplätze sichern zu können“, sagte Schramm. Konkreter wurde er nicht.

Recht unkonkret blieb auch das Konzept, mit dem sich Cinram nun selbst aus dem Sumpf ziehen möchte. Das Unternehmen – so viel steht fest – muss sich neu ausrichten und neue Geschäftsfelder erschließen. Bislang ist Cinram Produktions- und Distributionspartner für namhafte Filmstudios. Aber: Vor knapp einem Monat hatte der größte Kunde Universal Pictures mitgeteilt, den noch bis Ende Juni dieses Jahres laufenden Vertrag nicht zu verlängern. Bis zu 60 Prozent des Umsatzes bricht Cinram damit ab Juli weg. Begründet hat Universal Pictures diese Entscheidung nach Angaben der Cinram-Geschäftsführung nicht.

„Die Nachricht war ein harter Schlag“, sagte Martin Kemper, erst seit Beginn des Jahres Geschäftsführer des Unternehmens. „Auf den Verlust eines solchen Großkunden kann man sich schlecht vorbereiten. Er ist ein wesentlicher Grund für unsere derzeitige Situation.“ Andere, langjährige Kunden hätten hingegen versichert, nicht abzuspringen zu wollen. Bereits seit einigen Jahren verlagert Cinram die Geschäftsaktivitäten zunehmend auf das Versandgeschäft für Discounter und Internetfirmen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Unternehmen diesen Geschäftsbereich ausweitet. „Das ist ein möglicher Weg“, verriet Kämper.

Es sind viele Fragen, die aktuell im Raum stehen. Zum Beispiel, welche Rolle der neue Investor demnächst spielen wird. Anfang Februar hatte die US-amerikanische Investorengruppe „1847 Partners LLC“ Cinram übernommen. „Wir sind mit dem Eigentümer in engem Kontakt“, sagte Schramm. Ob der dem kriselnden Unternehmen mit Geld unter die Arme greifen wird, sei derzeit nicht klar, hieß es.

Dass viele Fragen derzeit unbeantwortet bleiben, sorgt auch bei der Belegschaft für Unruhe. „Die Stimmung ist aufgewühlt“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Josef Heffels. „Wir müssen jetzt versuchen, diese Unruhe zu glätten.“ In den kommenden drei Monaten werden die Gehälter von der Arbeitsagentur übernommen, ab 1. Juli muss Cinram die Löhne dann wieder aus eigener Tasche zahlen. Christoph Morgen, der Cinram als Restrukturierungsexperte zur Seite steht, unterstrich am Donnerstag die Liquidität des Unternehmens: „Cinram ist durchfinanziert. Das sind sehr gute Voraussetzungen, dass eine Eigenverwaltung zum Erfolg führt.“

Als die Pressekonferenz am frühen Donnerstagnachmittag beendet war, montierten zwei Mitarbeiter das große Plakat am Zaun des Betriebsgeländes wieder ab. Neueinstellungen sind bei Cinram vorerst kein Thema, das Alsdorfer Unternehmen hat derzeit andere Probleme.

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