Alsdorf - Cinram-Rückzahlungen: Bürgermeister wusste seit April Bescheid

Cinram-Rückzahlungen: Bürgermeister wusste seit April Bescheid

Von: Karl Stüber
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Abgeschottet: Cinram lässt sich mit Blick auf die Verpflichtungen gegenüber dem Konzern kaum in die Katen schauen. Foto: Cinram/Karl Stüber
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Argumentiert betriebswirtschaftlich: Cinram-Geschäftsführer Dieter Lubberich. Foto: Cinram/Karl Stüber

Alsdorf. Bürgermeister Alfred Sonders wusste vorab von einer anstehenden Rückzahlung von Körperschaftssteuer und damit auch Gewerbesteuer an den Cinram-Konzern. Auf Anfrage unserer Zeitung wollte und konnte der Geschäftsführer des Alsdorfer Standorts, Dieter Lubberich“ „nicht dementieren“, dass Sonders persönlich an einem Gespräch „mit sehr informellen Charakter“ teilgenommen hatte, wobei auch diese Rückzahlung Thema war.

Laut Lubberich fand die Besprechung „im Laufe des April“ statt – also deutlich vor der Kommunalwahl am 25. Mai.

Lubberich bestätigte, dass die Neufestsetzung von Körperschafts- und Gewerbesteuer auf einer ausgiebigen Betriebsprüfung beruht, die am Standort Alsdorf in den Jahren 2008 bis 2010 stattfand und der sich dann ein entsprechenden Verfahren auch vor dem Finanzgericht anschloss. Lubberich sagte, dass in der Tat hinterfragt werden könne, ob so ein langes Verfahren – verbunden mit der Unsicherheit, wie es denn ausgehen möge – sinnvoll ist.

Der Cinram-Geschäftsführer verwies allerdings darauf, dass hierfür nicht Cinram verantwortlich sei, sondern dies an der entsprechenden Gesetzgebung liege. Wie anderweitig in Erfahrung zu bringen war, hat das Finanzgericht offenbar erst im November 2013 definitiv in der Sache entschieden, was dann vom Finanzamt in den nächsten Monaten ungesetzt wurde.

Kaum Zufall dürfte sein, dass laut Handelsregistereintrag zur Cinram GmbH am 2. Januar dieses Jahres „der mit der Cinram Holdings GmbH, Alsdorf, ... abgeschlossene Ergebnisabführungsvertrag ...aufgehoben“ wurde. Indes ist zu lesen, „dass den Gläubigern der Gesellschaft, deren Forderungen begründet worden sind, ... vom anderen Vertragsteil (in einem bestimmten Zeitraum) Sicherheit zu leisten“ sei. Lubberich war nicht bereit, tiefere Einblicke in die Konzernstruktur zu liefern.

Wohin fließt also das Geld konkret? Laut Lubberich betreffen die Steuerrückzahlungen den Konzern, nicht den Standort. Mittelbar komme das Geld aber schon dem hiesigen Standort zugute. Denn mit diesem Geld könnten ältere Kredite bzw. Zahlungsverpflichtungen abgegolten werden. Damit stehe das Unternehmen nun deutlich besser da.

Allerdings ändere dieser Einmaleffekt nichts daran, dass sich das Unternehmen in Alsdorf gemäß Fünf-Jahres-Plan strukturell so aufstellen muss, dass es marktfähig und produktiv – also auch Gewinne erzielend – wird bzw. bleibt. Das ist als klare Absage an mögliche Begehrlichkeiten seitens des Betriebsrates und der IGBCE zu werten, die Belegschaft am Geldsegen in irgendeiner Form zu beteiligen oder zum Beispiel den Stellenabbau zu stoppen.

Lubberich hat am Dienstag mit den Arbeitnehmervertretern gesprochen und die Belegschaft informiert. Er kann die Nöte der Stadt Alsdorf durchaus nachvollziehen, sagt aber auch: „Einzig die betriebswirtschaftliche Bedeutung ist das Maß aller Dinge.“ Für ihn als Geschäftsführer und das Unternehmen – oder genauer den Konzern.

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